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Tagebuch meiner Reise nach Namibia
Es war im Juni 1998 – wir hatten eine Abenteuer- Zeltsafari durch Südwestafrika bei einem südafrikanischen Reisebüro gebucht. Unsere Gruppe war bunt zusammengesetzt, wir waren junge Leute aus mehreren Kontinenten. Die 17 Teilnehmer kamen aus Deutschland, Holland, Australien, England, Kanada und den USA. Ausgangspunkt unserer Zeltsafari war Kapstadt und Endpunkt waren die Victoriawasserfälle in Zimbabwe. Unser Fahrer und unser Reiseführer waren Buren aus Südafrika. Unser Expeditionsbus hatte alles zu bieten, was man unterwegs brauchte – Gaskocher, Gasflasche, Wasserbehälter, Küchengeräte, Kühlgefäße, Zelte und viel Stauraum für das Holz, das wir für unsere allabendlichen Lagerfeuer unter dem afrikanischen Himmel brauchten. In 19 Tagen fuhren wir durch Südafrika, Namibia, Botswana und Zimbabwe. Diese Reisereportage beschreibt den Teil "Namibia". |
1. Tag in Namibia:
Nachdem wir, von Südafrika kommend, früh am Morgen den Oranjeriver überquert und alle Grenzformalitäten erledigt haben, kann nun unsere Fahrt durch Namibia beginnen.
Lange Zeit fahren wir durch eine halbwüstenartige Gegend, wo nur ab und zu ein paar Büschel hartes trockenes Gras wachsen. Sogar dieses trockene Land wird als Farmland genutzt, was die Maschendrahtzäune, die die großen Ländereien zur Straße hin abgrenzen, zeigen.
An einer Kreuzung sehen wir ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Grünau“. Außer diesem Schild finden wir keinerlei Hinweise auf Zivilisation. Ortschaften oder auch nur einzeln stehende Farmhäuser sehen wir hier, im Süden Namibias, keine.
Ab und zu sehen wir einen großen Haufen abgerundeter Steine mitten in der Landschaft liegen – die einzige Abwechslung in diesem kargen Flachland.
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Steinhaufen in der Nähe des Fish River Canyons
Dieses Bild stellt einen Ausschnitt der kargen und trockenen Landschaft im Süden Namibias dar. Trotz der sehr kargen Vegetation, die meist nur aus ein paar Grasbüscheln auf staubigem Boden besteht, liegt über dieser weiten menschenleeren Gegend ein faszinierender Zauber. Typisch für dieses Landschaftsbild sind die großen Aufschüttungen von abgerundeten Steinbrocken.
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Gegen Mittag kommen wir in ein Gebiet mit felsigen Hügeln rechts und links der Straße, die zu den Ausläufern des Fish River Canyons gehören. Wir sind an unserem ersten Ziel in Namibia angekommen – dem Fish River Canyon.
Im Resort Ai Ais machen wir Rast. Ai Ais kommt uns vor wie eine Oase in dieser felsigen fast pflanzenlosen Landschaft. Zentrum des Resorts ist ein Swimmingpool, von Palmen und Sträuchern umstanden, der von einer 60°C heißen Quelle, reich an Fluoriden und Sulfaten, gespeist wird. Nach der Fahrt durch die sehr staubige Landschaft Südnamibias ist es sehr wohltuend, in dem warmen Wasser der Quelle zu baden.
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Straße durchs Gebirge bei Ai Ais
Von Süden kommend, führt die Straße hinein in ein malerisches felsiges Gebirge direkt zum Campingplatz Ai Ais am südlichen Ende des Fish River Canyons. Die wenigen Camper, die in dieses Gebiet kommen, hinterlassen für kurze Zeit eine Staubwolke auf der glatten asphaltierten Straße. Noch lange zeichnen sich die Spuren der Trucks auf der Straße ab. Im Hintergrund wird der Blick von blau schimmernden Hügeln angezogen.
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Wir übernachten auf dem Campingplatz „Hobas“, der sich unweit einer wunderschönen Aussichtsplattform über den Fish River Canyon befindet.
Kurz vor Sonnenuntergang, der zu dieser Jahreszeit, also dem südlichen Winter, schon etwa um 18.00 Uhr stattfindet, fahren wir zu dem in der Nähe befindlichen nördlichen Aussichtspunkt über den Canyon.
Im Abendlicht ist der Blick über den Canyon sehr beeindruckend. Der Fish River Canyon ist nach dem Grand Canyon in den USA der zweitgrößte der Welt.
Von der oberen Plattform, auf der wir stehen, geht es etwa 700 m steil nach unten. Wir verfolgen den Lauf des Flusses, der sich mäanderförmig in den Felsen eingeschnitten hat und so im Laufe der Zeit den Canyon geformt hat. Weit unten sehen wir den Fish River, der in dieser trockenen Jahreszeit von hier oben wie ein dünnes Rinnsal aussieht, dem man die gewaltigen Verformungen im mächtigen Felsmassiv nicht zutraut. Auf verschiedenen Höhen gibt es, von hier oben gut zu überblicken, immer wieder Felsplateaus, von deren Rändern es steil in die Tiefe geht.
Wir bleiben bis nach Sonnenuntergang. Während die Sonne hinter dem flachen Horizont verschwindet, wird der Canyon rot angestrahlt. Nachdem von der Sonne selbst nichts mehr zu sehen ist, beginnt plötzlich am rot gestreiften Himmel ein wunderschönes Farbenspiel. Am Himmel zeichnen sich zwei rote Flecken ab - der eine über den Buckelfieldbergen, deren Spitzen ganz hinten über den Horizont sehen, der andere hinter dem Canyon. Dann beginnen die roten Verfärbungen über den Himmel nach rechts zu wandern, denn die Sonne geht schräg unter. Das faszinierende Schauspiel, das in dieser Form wohl nur in Afrika geboten wird, ist von kurzer Dauer. Im Stockdunkeln fahren wir zurück auf unseren Zeltplatz.
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Sonnenuntergang hinter dem Fish River Canyon
Afrikanischer Sonnenuntergang hinter dem Fish River Canyon – dem zweitgrößten Canyon der Welt. Bis zum Horizont ist die eigentümliche Landschaft in warme orange und rote Farben getaucht. Tief schneidet sich der Fish River in die schroffen Felsen ein. Das unwirklich erscheinende Schauspiel des Sonnenuntergangs ist nur von kurzer Dauer. Auf dem Bild wird ein kurzer Moment dieses faszinierenden Schauspiels eingefangen. Bald verschwindet die Sonne gänzlich hinter dem Horizont und nachdem deren letzte Strahlen hinter dem Horizont hervorgesehen haben und den Himmel in immer dunklere rote Farbtöne getaucht haben, ist es von einem Moment zum nächsten plötzlich stockdunkel.
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2. Tag in Namibia:
Am nächsten Tag wandern wir zum Grund des Fish River Canyons. Um 8 geht es los. Wieder am gestrigen Aussichtspunkt angekommen, von wo aus wir starten wollen, sehen wir uns eine Wanderkarte an, die am Aussichtspunkt angebracht ist. Sie zeigt den Wanderweg, der immer am Fluss entlang führt und von einem Ende des Fish River Canyons bis zum anderen 86 km lang ist. Man darf den Canyon durchwandern, vorausgesetzt, man hat dafür eine Genehmigung aus Windhoek. In einer Woche ist es gut zu schaffen.
Unsere heutige Wanderung soll „nur“ bis zum Grund des Canyons und wieder zurück gehen. Wir stellen es uns gar nicht schwierig vor, aber werden eines besseren belehrt.
Von oben sieht es gar nicht so weit bis zum Fluss aus. Der Weg geht steil nach unten. Das erste Stück ist sogar mit Ketten gesichert, denn hier ist es besonders steil. Wir schätzen, dass wir etwa einen Höhenunterschied von 500 m zu überwinden haben. Nach dem kettengesicherten Stück Weg geht es ohne Sicherung weiter bergab. Da wir keinerlei Markierungen des Wanderweges entdecken, folgen wir einfach den Fußabdrücken, die wir im Staub zwischen den Steinen sehen. Wir kommen immer wieder vom Weg, der eigentlich nur ein schmaler Trampelpfad ist, ab. Man muss sehr aufpassen, dass man in dem glatten Geröll nicht abrutscht.
Je weiter wir nach unten kommen, desto besser wird der Einblick ins Tal. Immer wieder sieht es so aus, als ob wir es bald geschafft haben, aber das ist nur eine Täuschung, denn nach jedem Stück nach unten müssen wir erneut um die Ecke biegen und es beginnt ein neuer Abstieg. Je später es am Vormittag wird, desto schöner sehen, bei einem Blick nach oben, die Ränder des Canyons aus, was etwas mit dem schrägen Einfall des Sonnenlichts zu tun hat, von dem die Felsen mit orangegelbem Licht angestrahlt werden.
Auf dem staubigen Weg nach unten gibt es nur Steine und Felsbrocken, jedoch, außer ein paar trockenen Sträuchern, fast keine Pflanzen. Deshalb freuen wir uns, als wir, fast unten angekommen, eine große Euphorbia, die uns in ihrer Größe fast bis zum Kopf reicht, entdecken.
Auf dem letzten Drittel des Weges verändert sich die steinige Umgebung. Die Steine sind nun nicht mehr so brüchig und kantig, sondern glatt und rundgeschliffen. Es gibt wohl Zeiten, da der Wasserstand des Fish Rivers viel höher steht und der Fish River vom kleinen Rinnsal zum mächtigen Fluss, der die Steine rund schleift, wird.
Als wir hoch blicken, erkennen wir an den Rändern des Canyons Köpfe, Gesichter, Figuren – da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt – die aus den von der Sonne angestrahlten hochaufragenden Felsen geformt worden waren.
Wir nehmen uns viel Zeit zur Besichtigung der stillen und eigenartigen Umgebung. Vorsichtig klettern wir über die Felsbrocken, die uns manchmal den Weg versperren. Bis zum Talgrund brauchen wir ein und eine halbe Stunde.
Im Grund des Canyons angekommen, sehen wir, dass das Tal ziemlich breit ist, viel breiter, als wir erwartet hatten. Wir kommen an einen kleinen dunkelgrünen See. Jetzt, in der Trockenzeit, sind vom eigentlichen Fish River nur ab und zu ein paar stehende Tümpel übrig. Feiner Flusssand zieht sich an flachen Hängen um den See herum. An der gegenüberliegenden Seeseite wächst Schilf. Wir setzen uns auf einen der großen Felsblöcke, die am Ufer verstreut herum liegen und genießen die Stille und malerische Schönheit in dieser wie vergessen wirkenden Gegend. Die Sonne erreicht gerade das Tal und es wird angenehm warm hier unten. Das Wasser jedoch ist eisig. Zwei Glanzstare mit ihren typischen gelben Ringen um die Augen kommen neugierig zu uns geflogen und hüpfen direkt neben uns auf dem Fels umher und schauen uns an. Sie haben keinerlei Angst, wir schaffen es beinahe, sie anzufassen, sie erwarten von uns wohl, dass wir sie füttern. Aber daran hatten wir nicht gedacht, wir haben nicht einmal ein Stück Brot mit.
Hier unten ist es sehr ruhig, außer unserer kleinen Gruppe sind keine anderen Wanderer unterwegs. Plötzlich hören wir, in die Stille hinein, auf der anderen Seite des Sees Stimmen. Es hört sich an, als würden sich an dem felsigen Hang gegenüber Menschen unterhalten oder miteinander schimpfen. Dann hören wir einen Schrei mit tiefer Stimme. Aber wir sehen niemand. Keine Menschenseele. Dann plötzlich, sehen wir, wie ganz langsam ein Pavian den Hang herunterkommt. Er hat uns längst gesehen und sieht zu uns herüber. Es waren also gar keine Menschenstimmen, wie wir zuerst gedacht hatten, sondern die Stimmen kamen von einer Gruppe Pavianen, die sich drüben zwischen den Steinbrocken versteckt hatte. Der Pavian, der sich als Erster aus seinem Versteck herausgetraut hat, geht vorsichtig und sehr langsam zum Seeufer herunter. Auf dem Weg zum See macht er ein paar mal Pause und setzt sich hin, wobei er zu uns herüber blickt. Später kommen noch mehr Paviane den Hang herunter. An einer vom Schilf geschützten Stelle trinken sie Wasser. |
Im Grund des Fish River Canyons
Im Grunde des tiefen Tals, begrenzt von den Wänden des Fish River Canyons, findet man in der Trockenzeit kleine blaue bis blaugrüne Tümpel. Kaum zu glauben – es sind die Überreste des einst mächtigen Fish Rivers, der in der Lage war, dieses tiefe Tal in die felsige Landschaft zu modellieren. Feiner gelber Flusssand zieht sich an flachen Hängen um den kleinen See herum. Am anderen Ufer wachsen ein paar spärliche Grasbüschel. Ein paar Felsbrocken schauen aus dem Wasser heraus und spiegeln sich im klaren Wasser wider. Gegenüber sucht sich ein Pavian einen Platz zum Wasser trinken. Das Bild fängt die Stille und die malerische Schönheit in dieser wie vergessen wirkenden Gegend ein.
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