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| Von Berlin nach Banjul in Gambia/Westafrika sind wir im Winter 2003 mit unserer Nissan Vanette gefahren und haben dabei allerlei spannende Sachen erlebt. Unter anderem ist uns mitten in der Wüste die Kupplungsscheibe kaputt gegangen. |
Seit einigen Monaten planten wir nun unsere Tour, die schon seit Jahren der Traum von Jäkel und mir, Tilo, war. Jetzt sollte es konkret werden. Von Berlin nach Banjul in Gambia/ Westafrika mit dem Auto. Wir wollten das Auto hier kaufen und dort möglichst gewinnbringend verkaufen. Sicher waren wir nicht die ersten mit solch einem Plan, aber ich denke, jeder der diesen Trip einmal gemacht hat, weiß wie begeistert man davon ist. Ansonsten würden viele diese Tour nicht mehrmals machen. |
Zuerst mussten wir uns ein Auto kaufen und uns auf den Trip vorbereiten
Ein langes hin und her, welches ist der beste Autotyp, für welchen Preis soll man es hier kaufen und in Afrika verkaufen, welche Formalitäten, Tricks und Fallen gibt es - wo und wie und wer... Viele solcher Fragen haben sich uns gestellt und oft haben wir erfahrene Reisende befragt, um danach noch mehr Unklarheiten zu haben. Leider gibt es keine richtigen und falschen Antworten. Dadurch hätten wir uns wahrscheinlich etwas sicherer gefühlt. |
Autotechnisch entschieden wir uns für die scheinbar sicherste Variante. Eine Woche vor unserer geplanten Abfahrt wollte der Blumenhändler W. aus Hohenschönhausen seine 12 Jahre alte Nissan Vanette 2.0 Diesel verkaufen. Das war genau das Auto, dass wir suchten. Der Herr schien vertrauenswürdig, der Preis und der Zustand des Autos stimmten. Viele Beulen, die jedem hier auffallen, in Afrika aber niemanden stören. Dazu noch nette Gardinen an den Fenstern, was für einen pfleglichen Umgang sprach. In der verbleibenden Woche hatten wir noch Zeit, die Formalitäten zu erledigen, nützliche Sachen zu kaufen, die letzten Handelswaren für den Verkauf einzusammeln und alles in Kisten, Tüten, Beutel und Lücken in und auf die Vanette zu verstauen. Leider hatten wir in dieser Woche einen Kabelbrand im Stromkreis des Radios, so dass die musikalische Unterhaltung ausfiel. Den entstandenen Schaden konnten wir bei -10° Außentemperatur nicht beheben. Zwei Freunde von mir, Sten und Lemming, wollten kurz entschlossen nach Marokko mitkommen und so starteten sie mit uns am Montag dem 17.02.2003 Richtung Süden. |
Erster Tag: Von Berlin nach Barcelona
Nach 24 Stunden nahezu durchgehender Fahrt haben wir Barcelona erreicht. In einem Schichtsystem sind wir durch die Deutschland, Frankreich und den Norden Spaniens gefahren. Die Vanette läßt sich gut fahren, obwohl sie durch die schwere Dachbeladung und den abgenutzten Stossdämpfern bei Seitenwind schnell ins schaukeln kommt. Dem Motor können wir genau lauschen, da ja keine Musik seinen Sound stört. Immerhin sind in Spanien schon Plusgrade. Wir stellen das Auto ab und besichtigen die Sagria Familia von Gaudi. Am Abend suchen wir an der Küste außerhalb von Barcelona vergeblich nach einem ruhigen Plätzchen zum schlafen. Nach dem der Regen nun auch noch einsetzt, schlafen wir zu viert im Auto. Lemming darf es sich auf dem Fahrersitz bequem machen. Jäkel und ich werden ab nun fast 5 Wochen auf der umgelegten Rückbank schlafen. Nicht perfekt, da immer wieder irgend ein Plastikstück von der Gurtverankerung oder etwas anderem drückt, aber luxuriöser als die meisten anderen, die mit ihren Autos unterwegs sind. |
Der nächste Tag führte uns quer durch Spanien
Mit uns der Regen. Abends erreichen wir den Hafen von Almeria. Eigentlich läuft alles problemlos. Von hier wollen wir die Fähre in die spanische Enklave Melilla an der nördlichen Küste des afrikanischen Kontinents nehmen. Neben uns warten ähnliche Vehikel wie unsere Vanette auf den Transport nach Afrika. Die typischen Automarken wie Mercedes sind dort, meist hochbeladen mit unzähligen Dingen, wogegen wir nur Kleinigkeiten mit uns haben. Um 23 Uhr verlassen wir Spanien und schippern auf die ruhigen See Richtung Spanien - natürlich spanisches Afrika. |
Am darauf folgenden Morgen erreichten wir Mellia
Leider empfängt uns der „schwarze Kontinent“ standesgemäß mit Wolken. Nachdem wir einen kurzen Stadtbummel gemacht haben, tanken wir hier auf, kaufen Alkoholika und andere nützliche Dinge für die nächsten Tage und Wochen ein. Der Liter Diesel kostet 41 Cent, weniger als die Hälfte unseres Preises. Wir machen alle Tanks bis zum Anschlag voll. Dieser Vorrat hält bei schonender Fahrt bis in die nächste steuerfreie Zone, die Westsahara. So schlendern wir mit 100 Litern Diesel, diversen Werkzeugkisten, in denen sich zahllose Schätze für den Verkauf befinden, und 4 Mercedes-Reifen auf dem Dach Richtung marokkanischer Grenze. Die Marokkaner bringen an dieser Stelle alles, was man irgendwie in Geld umsetzen kann aus Melilla heraus. Horden von Frauen, die Toilettenpapier, Pappe, Tetrapacks, Decken und Wischlappen, Männer die Fernseher, Reifen, Kaffemachinen, Kühlschränke und -truhen über die Grenze tragen. Spanische Grenzer ordnen die Massen hin und wieder mit Knüppelschlägen. Hier trifft erste und dritte Welt unmittelbar aufeinander. Und wir mittendrin. |
Die Abfertigung der Papiere dauert etwa 2 Stunden, dann dürfen wir Marokko befahren und es geht durch Nador, wo ich vor 2 Jahren schon einmal Boudjema besucht hatte, in das Rif-Gebirge. Nach 170 km ereichen wir Guercif. Hier lassen wir uns auf dem Zeltplatz, der zu dieser Zeit eigentlich geschlossen ist und wir somit die einzigen Gäste sind, nieder. In Guercif bekommen wir das erste Mal Sonne und es wird merklich wärmer. So warm, dass wir hier unser Radio reparieren können und uns nicht gleich die Finger abfallen. Aus unserem Vorrat von 6 Autoradios, die wir in den Kisten haben, können wir eins mit den richtigen Kabeln finden und es in Gang setzen. Nach 2800 km endlich wieder Musik und endlich kein dumpfes Motorengeräusch mehr. Das war auf der langen Fahrt sehr zermürbend. Heute verbringen wir für das islamische Marokko einen nicht gerade landestypischen Abend: Bier, Wodka-Cola, Wein mit Schweinenackensteaks und Black Metall. Nebenher meldet sich der Muezzin. |

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