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Mit dem Micro, einem lokalen Kleinbus, fahren wir rund zwanzig Kilometer Richtung Santa Cruz zurück bis zum Eingang nach La Cueva. Ein kurzer Wanderweg führt uns zu drei übereinander liegenden Wasserfällen, unter denen es sich herrlich baden lässt. Die Kinder jagen einem handtellergroßen leuchtendblauen Schmetterling hinterher. Dann bauen sie Dämme und Fußfallen im Schlamm. Am Nachmittag wollen wir zurück fahren. Wir warten zwei Stunden an der Straße, aber es kommt kein Micro. Es ist auch üblich einen Lastwagen anzuhalten und auf der Ladefläche mitzufahren. Das ist uns doch etwas zu riskant. Wir versuchen Privatautos anzuhalten, aber anders als in Deutschland sind die meisten hier voll besetzt. Schließlich hält ein Kombi. Die wohlbeleibte Beifahrerin steigt von ihrem Sitz um in den Kofferraum und macht so Platz für Ute. Ich quetsche mich auf die Rücksitzbank neben zwei Mitfahrer und nehme Jenni auf das eine und Jannes auf das andere Bein. Unser Fahrer umkurvt die Schlaglöcher und schneidet die Kurven mit einigem Tempo. Kurz vor Samaipata werden wir an den Straßenrand gewunken. Ein LKW wird aus dem Straßengraben gezogen. Die schwer verletzten Mitfahrer, die auf der Ladefläche mitfuhren, sind schon abtransportiert worden… |
Wegen der vielen Schlaglöcher fahren bolivianische Autofahrer auf der gesamten Fahrbahnbreite. Auch vor unübersichtlichen Kurven gibt’s gelegentlich Schlaglöcher auf der rechten Seite! Die Taxis kommen meist aus Japan, wurden in Chile von Rechts- auf Linkssteuerung umgebaut, sodass der Beifahrer die Armaturen vor sich hat. Den Fahrer interessieren die Anzeigen ohnehin nicht. Der Fahrersitz ist oft ein frei stehender Campingstuhl, das ist dann nicht so heiß. Jüngere Fahrzeuge sind ungefähr zehn Jahre alt, die Reifen meist ohne Profil. Die Fahrer können einen Reifen in fünf Minuten wechseln, ohne dass die Insassen aussteigen müssen. Die Straßen sind meist Sand- und Schotterpisten, sodass die Windschutzscheiben mehrere Risse haben. Für die Sicherheit sorgen Heiligenbilder auf dem Armaturenbrett und Rosenkränze am Rückspiegel. Üblicherweise bekreuzigen sich die Mitfahrer vor dem Start. |
Auch für unseren nächsten Ausflug sind wir auf ein Taxi angewiesen. Die Sand- und Schotterpiste führt uns über einige Hügel hinab zu einer Furt mit knietiefem Wasser. Danach geht es steil auf einer einspurigen Piste die Berge hinauf, streckenweise auf blankem Fels. Zum Glück kommt uns zu dieser frühen Stunde niemand entgegen. El Fuerte liegt auf dem Berggipfel. Auf zweihundert Metern Länge und vierzig Metern Breite wurden hier Stufen, Nischen, Linien, Figuren und Tiere in den Sandsteinfelsen geschlagen. Inzwischen sind sich die Archäologen sicher, dass es sich um einen Kultplatz der Inka handelt, die Ursprünge dieser „Festung“ gehen aber wohl weit in die vorinkaische Zeit zurück. Erich von Däniken, der diesen Ort zweimal besuchte, meint, dass es sich um eine Startrampe für außerirdische UFOs handelt. |
Neunzig Minuten Fahrt über Schotter- und Sandpisten und an abgelegenen Höfen vorbei bringen uns in den Bergfarnwald bei La Yunga, „El Bosque de los Helechos Gigantes“. Die Farne wachsen mit einem Zuwachs von nur einem Zentimeter pro Jahr mehr als zehn Meter hoch in den Himmel. Sie bilden mit ihren großen filigranen Zweigen ein dichtes Blätterdach, durch das die Sonne blinzelt. So sahen die Wälder vor der Zeit der Dinosaurier aus. Die Farnbäume sind so etwas wie lebende Fossilien. Wir folgen dem ausgebauten Pfad durch das Labyrinth des Farnurwalds. An einem Aussichtspunkt machen wir eine Picknickpause. Der Blick geht über endlose grüne Berge und Täler. Häuser sind nicht zu entdecken. |
Bevor wir unsere Reise fortsetzen, will Andres uns unbedingt noch Bella Vista zeigen. Wieder geht die Fahrt über Sandpisten in ein abgelegenes Seitental. An jeder Kurve gibt es einen neuen phantastischen Ausblick in die Bergwelt. Jannes zählt fünfundzwanzig Bachfurten, die unser Taxi durchquert. Von der Piste aus steigen wir einen steilen Weg in den Dschungel hinab. Als wir den Bachlauf im Tal erreichen, fliegen Hunderte von Schmetterlingen auf. Neben dem großen strahlendblauen gaukeln auch kleine um uns herum mit durchscheinenden Flügeln, feengleich. Manche landen auf unseren Hosenbeinen und Schuhen, so können wir sie aus der Nähe in aller Ruhe betrachten. Der Aufstieg aus diesem Schmetterlingsparadies dauert mehr als doppelt so lang wie der Abstieg, wir kommen schnell ins Schwitzen und ab und zu geht uns die Puste aus. Wir fahren noch ein Stück weiter, weil Andres sich ein Refugio für Rucksackwanderer ansehen will, das noch im Bau ist. Auf dem Weg halten wir an einem Bauernhof an, der hier in völliger Einsamkeit liegt. Wir kaufen einen Sack Orangen für sechzig Bolivianos, bekommen noch einige Tüten Zitronen dazu geschenkt. Als kleines Dankeschön verteilen wir unsere Karamellbonbons. Den ganzen Rückweg zieht uns der Duft der Zitrusfrüchte durch die Nase. |
Nach vier Wochen im Andorina fahren wir weiter über Sucre nach La Paz und zum Titicacasee. Mehr darüber in unserem selbst verlegten Buch: „So war das nicht geplant! Eine außergewöhnliche Familienreise“, im Oktober 2007 erschienen bei Books on Demand, Norderstedt. |

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