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Eine Reisereportage von Wilfried Richert

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Ein Ausschnitt aus unserer dreijährigen Familienreise von Europa nach Südamerika

  La Cueva sind drei Wasserfälle in der Nähe von Samaipata  

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Aus dem Reiseführer haben wir in Corumbá ein empfohlenes Billighotel ausgesucht. Ein Taxi bringt uns vom Busbahnhof dort hin. Während Ute das Zimmer inspiziert werden wir auf Deutsch angesprochen. Der Typ scheint uns nicht gerade vertrauenswürdig zu sein. Ob wir Zugtickets nach Santa Cruz bräuchten? Ja schon, aber wir müssten uns erstmal über die aktuellen Verbindungen und Preise informieren. Unser Reiseführer berichtet über stundenlanges Anstehen am Fahrkartenschalter. Außerdem gäbe es keine brauchbaren Übernachtungsmöglichkeiten auf der bolivianischen Seite, also müsse man wieder über die Grenze zurück.




Wir (Ute und Wilfried) sind mit unseren beiden Kindern auf einer Südamerika-Rundreise, darüber haben wir ein Buch geschrieben; Ausführlicheres dazu auf unserer Webseite: http://www.symorgane.de.



Am nächsten Morgen hält ein klappriger VW-Bus vor dem Hotel. Die Fahrerin, eine Schweizerin, fragt uns, ob wir die Familie seien, die mit dem Zug nach Santa Cruz wollten. Sie erläutert uns den aktuellen Fahrplan und nennt die Preise. Wir wollen die nächste und schnellste Zugverbindung. Das ist der Ferrobus mit Klimaanlage, Abendessen, Frühstück und Videoanlage. Die Fahrt soll zwölf Stunden dauern statt achtzehn mit dem einfachen Zug und kostet einschließlich Provision pro Person fünfundneunzig Reais. Wir müssten die Fahrkarten im Voraus bezahlen, sie würde sie uns in Bolivien besorgen und uns am nächsten Tag morgens um zehn Uhr im Hotel vorbeibringen. Der Zug führe dann abends um 19:30 Uhr. Wir sind unsicher, nach allem, was wir über zweifelhafte Geschäftsmethoden in Südamerika gelesen haben. Schließlich verlassen wir uns auf unser Gefühl und stimmen zu. Mit dem VW-Bus werden wir zunächst zum Geldautomaten, dann ins Büro unserer Agentin gefahren. So ganz wohl ist uns nicht dabei. Wir bekommen eine Quittung und bezahlen die Tickets bar.



Am nächsten Morgen laufen wir zum Rodoviario, dem Busbahnhof, um uns die Ausreisestempel zu holen. An der Grenze bekommt man sie nicht. Pünktlich um zehn Uhr stehen wir in der Hotelhalle und warten. Wir sind nervös und ungeduldig. Eine Viertelstunde später hält der VW-Bus vor der Tür. Wir bekommen nicht nur unsere Tickets, sondern auch noch einen Teil unseres Geldes zurück. Die Fahrkarten für die Kinder kosten nur die Hälfte. Bis zur Abfahrt des Zuges haben wir noch viel Zeit. Entspannt machen wir einen Spaziergang am Ufer des Grenzflusses.



Gegen Mittag lassen wir uns von einem Taxi zum Grenzübergang bringen. Ute bittet die bolivianischen Grenzer um ein 90-Tage-Visum, üblich sind dreißig Tage. Der Beamte fragt: „Warum?“ Ute erzählt, dass Bolivien ein so schönes und großes Land sei, das könne man unmöglich innerhalb eines Monats bereisen. Der Grenzer lacht, da habe sie vollkommen Recht, und stempelt unsere Pässe wie gewünscht.



Kaum sind wir zur Tür hinaus, spricht uns ein Mann an. Ob wir ein Taxi bräuchten? Wie viele Horrorgeschichten haben wir über gefälschte Taxis, Fahrten in abgelegene Gegenden und bis aufs Hemd ausgeraubte Touristen gelesen. Im Moment denken wir gerade nicht daran. Ja, wir wollen zur Bahnstation. Der Fahrer bringt uns zu seinem Taxi: ein uralter US-Straßenkreuzer, der auseinander zu fallen droht, kein Taxischild, keine Taxi-Rufnummer an den Türen …, wir fragen aber wenigstens vorher nach dem Fahrpreis: wir könnten mit brasilianischem Geld bezahlen, zehn Reais. Wir steigen ein. Woher wir kommen, wohin wir wollen? Ute ist etwas wortkarg. Aber wir kommen ohne Probleme an, unser Fahrer hilft uns beim Ausladen unserer Rucksäcke.



Der Ferrobus kommt pünktlich. Unsere Rucksäcke haben wir abgegeben, sie werden in verschließbaren Fächern unter den Waggons verstaut. Die Sitze sind bequem, aber die Klimaanlage hat den Waggon auf Kühlfachtemperatur heruntergekühlt. Zum Glück haben wir unsere Jacken dabei. Eine nette Bolivianerin leiht unseren Kindern noch ihre Badehandtücher zum Zudecken.



Als sich der Zug in Bewegung setzt, beginnt ein Gerüttel, Geschüttel und Geschaukel. Ich denke, dass das an den vielen Weichen im Bahnhof liegen muss. Aber es hört nicht auf. Sind die Gleise nicht parallel verlegt? Hängen sie stellenweise durch? Als per Video eine halsbrecherische Verfolgungsjagd über Straßen und Fußwege und mit Schleudereinlagen gezeigt wird, haben wir das Gefühl, wir säßen mitten im Film. Das Abendessen gerät zu einem Jonglierakt, bei dem es nicht zu vermeiden ist, dass etwas daneben geht. Nur schwer finden wir in den Schlaf.




 

© Wilfried Richert aus San Sebastian de la Gomera, In das Gästebuch von Wilfried Richert schreiben





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