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Eine Reisereportage von Gerhard Maucher

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Guatemala hat von allem: tropischer Dschungel, zahlreiche Vulkankegel, malerische Seen, fröhliche Indio-Feste, farbenfrohe Märkte, Sonne, Strände und atemberaubende Bergstraßen und Talschluchten. Im Vorfeld der Reise hatte ich mir gedacht, nichts konkret zu planen, sondern mich die 5 Wochen zwischen Hin – und Rückflug nach Cancun in Mexiko treiben zu lassen vom Zufall, Begegnungen und Stimmungen geleitet. Ein gewisses Maß an Vorsicht war trotz alledem angebracht, war Guatemala doch wegen seiner hohen Kriminalität und Gewalt kein ungefährliches Pflaster zum Reisen. Nach einer Unfrage der Tageszeitung "prensa libre" vom Juli 2004 geht 65,2 % der Bevölkerung aus Furcht vor Verbrechen nachts nicht aus dem Haus. 28.2% wurden letztes Jahr Opfer eines Verbrechens, darunter 23,8 % Raubüberfälle und Diebstähle. 15,8% der Betroffenen erstatten schon keine Anzeige mehr. Von Januar bis Juni dieses Jahres wurden 3219 Personen ermordet und 9354 Menschen verletzt, 17 Tote pro Tag. Mit einer landesweiten Demonstration im August diese Jahres wurde gegen dieses erschreckende Ausmaß der Kriminalität und Gewalt, das die Polizei des Landes in vielen Regionen nicht mehr im Griff hat, protestiert.

  Atitlansee  

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Atitlansee am Morgen mit Vulkan San Pedro, 3020 m




Ankunft in Cancun: Statt auf die vom Hurrikan Ivan beschädigte Isla Mujeres fahre ich geradewegs nach Süden. Ein gut elfstündiger Direktflug mit LTU (Airbus A330) liegt hinter mir. Ein Shuttlebus bringt mich nach einer Paß- und Zollkontrolle, die fast eine Stunde dauerte, vom Flughafen zum Zentrum in Cancun. Vorher lädt der Fahrer sämtliche andere Fährgäste an den großen Hotels: Mariott, Regent, Riu und Playa Real ab. Am Busbahnhof nehme ich den nächsten Bus der Gesellschaft "Mayab" bis Tulum. Die Küstenstraße ist gut ausgebaut und auf halbem Weg in Playa del Carmen wechseln die meisten Reisenden im mäßig besetzten Bus. Als ich nach dem Weg zum Strand frage, treffe ich Xi, die mich zu der Bungalow-Anlage Retiro Maya (http://www.retiromaya.com) mitnimmt, wo sie als Masseuse und Heilpraktikerin arbeitet. Am nächsten Morgen brauche ich nur wenige Schritte zu gehen und bin im Meer, das seichtwarm ist, aber die hohen Wellen behindern die Orientierung, sodass ich es bei einem kurzen Schwimmen belasse. Der Strand in Boca Paila ist kilometerlang und fast menschenleer. Etwa 5 km nördlich von meinem Quartier direkt am Meer kann man die Ruinen von Tulum besichtigen. Die Strandunterkünfte in Boca Paila sind alle sehr teuer. Ich bezahlte für einen einfachen Bungalow ohne Strom 35 USD die Nacht. Als ich mich am nächsten Morgen bei der Wirtin über den hohen Preis beklagte, stimmte sie mir zu und rechtfertigte diesen mit dem Bau des Bades. Da sie zu keinen Zugeständnissen bereit war, entschloss ich mich, weiter zu ziehen und nahm am Nachmittag den Bus bis Chetumal, der Grenze zu Belize, eine 4-stündige, 250 km lange Busfahrt entlang von meist grünem Dickicht links und rechts der Straße. Das Einzelzimmer im Hotel Brasilia mit Ventilator und Bad für 110 Pesos, etwa 10 USD entsprach meinen Vorstellungen von Preis und Leistung. Im Park neben dem Regierungspalast wurde der 30. Jahrestag der Regierung Quintana Roo gefeiert. Zuerst mit einem großen Feuerwerk und dann mit einer Salsaband, die nimmermüde für Stimmung sorgte.

  Strand Boca Paila  
  Tulum, Mexico[62]

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Wie schon gestern Nacht in Tulum, prasselte heute Morgen ein kurzer Schauer auf das Vordach des Hotels und weckte mich endgültig auf. Das "Museum de la Cultura Maya" zeigt deren Geschichte seit 2500 vor Chr., z.B. Tikal, eines meiner nächsten Ziele, mit den ersten Dorfgemeinschaften 1000 v. Chr. und seinen Tempeln, z.B. Tempel IV 700 vor bis 900 Jahre nach Christus (klassische Periode 300 – 900 nach Chr.). Neben der Information über Tiere und Pflanzen erfährt man auch einiges über die Anordnung dieser Gebäude : In der Mitte stehen die Tempel und Pyramiden der Götter. In den Häusern und Palästen darum herum wohnen jene, die ihre Kunde und Zeichen verbreiten. Weiter draußen leben diejenigen, die den Handel kennen, die geschickt mit ihren Händen sind und allgemein die Handwerker. Mit moderner Bildschirmtechnik kann man den Quetzalvogel, den Papagei "Ara Macao", Tukan, Eulen, Reptilien, Raubtiere wie Jaguar, Fische und Insekten betrachten. Der Tempel IV von Tikal für den König Yaxhin Caan Chak erbaut, ist mit 65 m eines der höchsten Gebäude Mittelamerikas. Weiter sind zu sehen und werden erklärt: Stelen, Wandmalereien, die Schriftzeichen, von denen etwa 700 verschiedene bekannt sind, das Zahlensystem, das die Zeichen 0,1 und 5 deren Multiplikation mit 20 bis zur Dreierpotenz kennt, der Kalender, identisch mit unseren 365 Tagen im Jahr und einem zweiten rituellen, heiligen Kalender von 260 (20 mal 13) Tagen, die Beobachtung der Sterne und des Himmels, wovon sie das Schicksal und die Vorhersagen wichtiger Ereignisse ableiteten, sowie die Unterwelt und die Gaben an die Götter. Das Museum lohnt seinen Preis von 50 Pesos, den der Eintritt für Ausländer beträgt. Am Abend gab es nochmals neben dem Regierungspalast, mit 500 Plätzen bestuhlt ein Programm für die ganze Familie, südamerikanische Folklore der Gruppe "Las raizes" , argentinischer Tango und kubanische Verse und Gesang zur Gitarre. Dazu wurden Schildkappen mit dem Logo Quintana Roo 30 Jahre verteilt. Wohl war der anwesende Gouverneur um seine Wiederwahl besorgt.

  Argentinischer Tango  
  Chetumal, Mexico[62]

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Zum 30. Jahrestag der Regierung von Quintana Roo wird die Bevölkerung u.a. mit argentinischem Tango unterhalten.




Mit dem Expressbus waren wir um 14 Uhr Ortszeit in Belize City, wo sich meine Wege von Debbie und Graeme`s aus London trennten, die ich bei der Ankunft in Chetumal kennen gelernt hatte. Der Expressbus bedeutete, ohne Wechsel die Grenze passieren zu können und er war komfortabel und klimatisiert, sowie sicherer Schutz vor dem Regen, denn unterwegs schüttete es zweimal. Zudem wechselte der Busschaffner mexikanische Pesos in Belize Dollars. Zwar zu keinem guten Kurs aber für das beruhigende Gefühl am Sonntag mit Landeswährung ausgestattet zu sein. Auf jeden Fall wollte ich nicht im wegen seiner Kriminalität berüchtigten Belize City bleiben und so entschied ich mich an der Busstation für die Weiterfahrt bis San Ignacio, wohin der Bus um 15.30 Uhr startete. Ich probierte es mit der 1. Klasse a/c für 11 BD, 4 Dollar Unterschied zur 2. Klasse. Dort angekommen, fragte ich in Eva s Restaurant nach einer Unterkunft in der Nähe und kam so in das HI-ET Guesthouse, wo aber nur noch ein, zwar geräumiges Zimmer mit Bad für 30 BD =15 USD frei war. Ich akzeptierte das Angebot, zumal ich nicht im voraus bezahlen musste, da morgen ein Feiertag folgte und die Bank geschlossen hatte. Auch sonst war Steve, der seit 9 Jahren in San Ignacio lebt, überaus freundlich und machte Tourenvorschläge bzw. riet davon ab, die Rio Frio Höhle und die Ruinen von Caracol zurzeit zu besuchen, da es nach dem Regen noch zuviel Schlamm habe. Für mich am geeignetesten hörte sich sein Tipp, früh den Bus zur Fähre zu nehmen und von der anderen Flussseite des Rio Mopan nach Xunantunich zu gehen. Bis zur letzten Fähre um 4 Uhr nachmittags müsse ich zurück sein.Zum Essen empfahl er das chinesische Rest. und beschrieb den Ort als sicher und ein weiterer Vorteil, das Wasser habe Trinkwasserqualität. Draußen war eine seltsame Stimmung. Rund um das 8000 Einwohner zählende San Ignacio, das an einem steilen Hügel gebaut ist, gab es ein Wetterleuchten und Donnergrollen. Nur der Ort selber blieb bislang vom Regen verschont. Gegen 22 Uhr regnete es dann doch noch und sorgte wenigstens für etwas Abkühlung. Belize ist dünn besiedelt. Auf etwa 23 000 qkm leben nur 230 000 Einwohner, ein Großteil der Fläche ist bewaldet.

  Xunantunich  

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Von den Maya-Ruinen in Xunantunich bei San Ignacio in Belize überlickt man fast das ganze Tiefland bis zur Küste.




Frühstück in Eva`s Restaurant, wo weitere Touren in die Mountain Pine Ridge, nach Tikal und zum Lost Creek Tal angeboten werden, ab 60 BD die Tagestour bis 195 BD dreitägig, Von der Bushaltestelle an der Fähre sind es noch eine Meile Fußmarsch steil bergauf bis zu den Maya Ruinen von Xunantunich ("Steinerne Frau") Die Stätte hatte ihre Blütezeit zwischen 650 n. Chr. bis 1000 n. Chr., wurde 1938 entdeckt und kostet 10 BD. Eintritt. Vom Platz A-3 im Norden wird der Ballspielplatz in südlicher Richtung durch ein kleineres Monument geteilt, nur halb so hoch wie das Hauptmonument im Süden, "El Castillo" von Xunatunich. Von dort wurde das gesamte westliche Flusstal kontrolliert und es ist immerhin das zweithöchste Bauwerk Belizes nach Caracol.. In einem kleinen Museum nebenan ist die Xunatunich Stele 9, datiert 830 n.Chr., ausgestellt. Sie zeigt den Herrscher mit den Federn eines Quetzal geschmückt, der als Krieger Schild und Schwert hält. Auf dem Weg von und zur Fähre kann man ebenfalls Vögel und faustgroße Schmetterlinge betrachten.




 

© Gerhard Maucher





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