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Nach Jahren haben mich die deutschen Mittelgebirge im Großraum von Kassel wieder in den Wald- und Seenreichen Nordwesten von Hessen, ins Waldecker Land gelockt.
Alle Sinne standen auf Empfang, jeder Gasstoß sorgte für das berühmte Kribbeln im Bauch – auf Tour gehen, das war mein großer Wunsch. Die vielen Kurven, sie machten nach einem Jahr Abstinenz doppelt so viel Spaß. Aber halten wir uns nicht allzu lange mit der Vergangenheit auf, denn das wäre jetzt Zeitverschwendung. |
Es ist immer aufs neue ein Aufatmen, wenn ich ins Sauerland komme.
An einem ganz normalen Frühlingstag, von denen es in diesem Jahr nur wenige gab, und an dem sehnsüchtig meine Gedanken hingen, wenn es draußen regnete, folgte nach einem schönen Frühstück das Prozedere; Motorrad bepacken! Kurzer Abschied und dann geht es los. Zunächst ging es mit gemächlichen Tempo durchs heimatliche Bergische Land. „Mit der Nase im Wind“ inhaliere ich die noch kühle Luft am Morgen die im Wonnemonat Mai so toll riecht und schmeckt. Der anfängliche Verkehr stört meinen Fahrrhythmus den ich erst im Sauerland finde. Der gewählte Weg zum Edersee führt mich über Nebenstrassen durch dichte Wälder, vorbei an saftigen Wiesen und blühenden Feldern und abgelegenen Ortschaften. Vorbei an Sachsenhausen, durch Ober- und Nieder-Werbe, setzt sich die Bummeltour am Hinweisschild zur Edertalsperre fort. Gern nehme ich als reisender Motorradfahrer das Gas zurück, tuckere gemütlich durch die Gegend und genieße in vollen Zügen. Wahnsinn, sprudelt es aus mir heraus, als ich hinter Wunderthausen dem Einzylinder zum ersten Mal eine Pause gönne. Da es ohnehin Zeit ist für eine Rast, setze ich mich inmitten strahlend gelber Löwenzahnwiesen und lasse mir die Wegzehrung schmecken wobei ich die Stimmung der Landschaft in mich aufnehme. Die Gegend hier ist wunderschön, genau die richtige Landschaft zum Touren - hier ist die Welt noch in Ordnung. Beinahe unberührt wirkende Wälder, die noch unbeeinträchtigt von großen Industrieanlagen frische Luft produzieren dürfen, fein heraus geputzte Dörfchen mit den typischen Fachwerkhäusern und der obligatorischen Landluft aus den Kuhställen nebenan echte Motorradstrecken, die fernab stark befahrener Bundesstraßen noch die Umgehung des Berufs – und Touristenverkehrs erlauben. |
Schnell die Maschine abstellen und ein paar tiefe Züge nehmen von dieser würzigen und klaren Luft
So biege ich in Hallenberg wieder nach links ab, um fahrerisch auf meine Kosten zu kommen. Keine Ampeln, keine Staus, dafür immer wieder landschaftliche Abwechslung und kleine verschlafene Ortschaften, wo sich Fuchs und Hase noch gute Nacht sagen. Rechts und links wechseln Laub und Nadelwald immer wieder mit gelbblühenden Löwenzahnwiesen und den für das nördliche Hessen typischen Rapsfelder. Eine Kurve folgt auf die nächste – ohne Unterbrechung. Gerade als das Adrenalin der letzten Kurve verebbt, öffnet sich der Wald, und das Vorderrad zeigt direkt in eine Fjordlandschaft. Bloß nicht an die Rückfahrt denken. Zum Glück lenkt der Edersee meine Gedanken gleich wieder in angenehmere Bahnen. Ganz gleich aus welcher Himmelsrichtung man auch kommt, eigentlich führen alle Wege zum Edersee. |
Ein paar Minuten sammeln, sich vorbereiten auf den nächsten Kurvenrausch
Untertourig bummele ich mit meiner GN 250 über die Uferstrasse des Edersees. Wer Kurven mag, ist hier richtig aufgehoben – ein absolutes Eldorado für Motorradfahrer. Nach nur wenigen Kurven der Uferstrasse werfe ich den Anker, um den Anblick des Sees zu genießen. Hier kann man an einer der meistfrequentierten „Badewanne“ des Landes eine beschauliche Seeidylle finden, wie man sie sonst nur aus den einsamen Weiten Skandinaviens kennt. Kein Wunder, dass sich die Menschen aus dem Ruhrgebiet hier herrlich erholen können - aber nicht nur sie. Kleine Fischerboote dümpeln da unten, ein Fahrgastschiff zieht seine Bahn. Mit fast 30 km Länge und über 200 Millionen Kubikmeter Wasser zählt der Edersee zu den größten europäischen Stauseen. Dass die grüne Fraktion mit dem Blaulicht dort gerne mit Radargeräten schöne Fotos macht ist hinreichend bekannt. Das ist aber halb so schlimm, denn ich bin ohnehin nicht scharf darauf einen schnell über die Strasse springenden Touri am Lenker hängen zu haben. Darüber hinaus ist die Landschaft schön anzusehen, und der richtige Motorradspass spielt sich ohnehin vor und nach den Flaniermeilen des Edersees ab. |
Blick auf Schloss Waldeck
Ein weiteres Highlight liegt hoch über dem See (links oben) das Schloss Waldeck und die unweit liegende Stadt mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern aus dem 18 Jh., geben einer faszinierenden Region ihren Namen. Als ich meinen Eintopf die Serpentinen nach Waldeck hochpfeifen lasse, entweicht in mir so langsam die Hast und tauche anschließend beim Blick auf den Edersee ein in fünf Minuten Zeitlosigkeit. |
Still und leise ruht der Edersee
Von der Terrasse aus bietet sich ein phantastischer Blick auf den Stausee mit seinen zahlreichen Windungen weit ins Edertal. Schon allein wegen dieser Aussicht lohnt sich die Auffahrt. Bei guter Fernsicht kann man sogar die Türme von Korbach sehen. |
durch die hessische Berglandschaft
Vom Hauptort Waldeck gönne ich mir einen wunderschönen Blick auf die blauen Fluten.
Seit der Wiedervereinigung liegt das Ferienland "Waldeck" fast mitten in Deutschland. "Früher" lag das Ferienland im östlichen Teil der westlichen Republik, nach der Wende ist es fast in die Mitte gerutscht. Es biete zwar keine alpine Höhen aber malerische Landschaften und süchtig machende Kurven.
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Staumauer
Nachdem ich mich von dem wunderschönen Anblick losreißen konnte, schwinge ich gemütlich weiter Richtung Staumauer, wo weit und breit kein Motorrad zu sehen ist an dem sich im Sommer viele Motorradfahrer zum Benzinplausch treffen. Nun heißt es, erst einmal Beine vertreten, Gräten Stecken und schlendere anschließend über die 400 m lange Staumauer aus Grauwackebruchstein. Dabei versuche ich mir vorzustellen, wie sich die 202 Millionen Kubikmeter Wasser, die der Stausee fasst, in einer gigantischen Flutwelle Richtung Kassel ergießt, denn in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 flogen britische Lancaster-Bomber so tief über den Edersee, dass man die Piloten gut erkennen konnte. Drei der speziell für den Talsperren-Angriff entwickelten Rollbomben fielen. Erst die dritte riss ein gewaltiges Loch in die Staumauer. Durch die gesprengte Mauer stieg eine gewaltige Wassersäule in die Luft, aber die Waldecker auf ihrem Berg blieben unversehrt. Im Gegensatz zu den Menschen im Tal, über die eine apokalyptische Flutwelle hereinbrach. |

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