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Eine Reisereportage von Holger Richter

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Als im Jahre 1990 die letzten ausländischen Touristen das damals noch zu Jugoslawien gehörende heutige Montenegro verließen, ahnte noch niemand, dass es 12 Jahre dauern würde, bis wieder Touristen aus dem Westen Europas in diese Region kommen. Wegen der politischen und militärischen Querelen auf dem Balkan blieben die Touristen fortan aus und eine florierende Tourismusindustrie mit seinerzeit gerade angeschafften 45 neuen Mercedes-Reisebussen brach zusammen, ebenso wie viele andere Industriezweige.

Nach der jüngsten erfreulichen Beruhigung wagten nun deutsche Reiseanbieter im Jahre 2002 wieder, diese Region anzubieten. Gebrauch wurde davon gemacht, in welchem Maße kann man sicher erst am Ende der Saison sagen. Vorsichtig ausgedrückt hatte man wohl mehr Zuspruch erwartet, und das nicht zu Unrecht. Nach eigenen Feststellungen waren die Mehrheit der deutschen Urlauber aus den neuen Bundesländern. Hier ist man offenbar eher bereit ein gewisses Risiko einzugehen und eventuelle Unwägbarkeiten in Kauf zu nehmen. Unter den vielen einheimischen Urlaubern verloren sich aber die wenigen Deutschen bzw. Holländer und Belgier.

  Budva bei Nacht  

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Montenegro gehört seiner Lage nach zum mittleren Mediterran in Südeuropa.
Mit seinen 13.812 Quadratkilometern Fläche ist es ein kleines Land. Sachsen ist mit 18.338 km2 ein Viertel größer. Im Südosten grenzt Montenegro an Albanien, im Nordosten an Serbien und im Nordwesten an Bosnien / Herzegowina. Schließlich hat es im Westen noch die Grenze zu Kroatien und die insgesamt 293 km lange Adriaküste im Südwesten des Landes ermöglicht Seereisen in das über die Adria nur 190 km entfernte Italien. Politisch ist Montenegro eine parlamentarische Demokratie, traditionell bestehen enge Verbindungen zu Serbien. Die Währung ist Euro, was für deutsche Touristen vorteilhaft ist. Allerdings sollte man sich schon mit ausreichend Bargeld ausrüsten denn Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Man bekommt weder mit EC Karte, noch anderen ansonsten weltweit gültigen Kreditkarten Geld. Eine Notlösung für den „verarmten“ Touristen ist eine organisierte oder private Reise nach Kroatien, zumeist nach Dubrovnik. Dort kann man an Automaten Geld der dortigen Landeswährung Kuna holen und in einer Wechselstube zum Kurs von rund 7,2 in Euro umtauschen.

Im Land leben 662.000 Montenegriner, die überwiegend in der Küstenregion und der Hauptstadt konzentriert sind. Die Hauptstadt Podgorica, die auf manchen der erhältlichen Landkarten noch Titograd heißt, hat 173.000 Einwohner und bildet das wirtschaftliche Zentrum.

  Die Altstadt von Budva  

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Touristisches Zentrum ist die Stadt Budva mit einer nach dem Erdbeben im Jahre 1979 fast vollständig zerstörten und mit außerordentlicher Sorgfalt restaurierten historischen Altstadt. Die wechselvolle Geschichte dieser Region wird durch die mehr als 2500 Jahre alte Stadt, eine der ältesten Siedlungen an der Adria, eindrucksvoll repräsentiert. Von Phöniziern gegründet, herrschten hier zunächst Griechen und noch 168 vor Christus die Römer. Nach dem Zerfall dieses Imperiums übernahmen die Byzantiner die Macht. Es siedelten sich Stämme der Slawen und Anwaren an. Im Jahre 841 zerstörten die mit einer Flotte erschienenen arabischen Saraszenen die Stadt. Nach der 1183 erfolgten Übernahme in den Machtbereich der serbischen Nemanjiden wurde die Stadt autonom. Von 1442 bis 1797 hatten die Venezianer die Stadt okkupiert. Danach war der Ort abwechselnd von Österreichern, Russen sowie Franzosen besetzt und gehörte von 1814 bis 1918 zur österreichisch-ungarischen Donaumonarchie. Auch Piraten hatten hier oft einen Schlupfwinkel.


  Der Hafen von Budva  

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Als 1979 die Erde bebte, wurden von 180 Häusern in und um die Altstadt 160 zerstört. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Die mauerumgebene Altstadt mit einer Ausdehnung von ca. 200 x 250 Metern ist ein Kleinod mit vollständig restaurierten Gebäuden, mit engen Gassen, zwei Kirchen, vielen kleinen Gaststätten und Geschäften, die im Angebot das nahe Italien nicht verleugnen können. So findet man neben Pizzerias kleine Eiskaffees aber auch moderne Bars und vor allem die in den Boutiquen angebotenen Textilien und Schuhe lassen besonders Frauenherzen höher schlagen. Allerdings wiederspiegeln die Konfektionsgrößen der angebotenen Textilien auch den Durchschnitt der dortigen weiblichen, vor allem der jugendlichen schlanken Bevölkerung. Damenbekleidung über Konfektionsgröße 42 muss man demzufolge schon suchen. Ein Bummel durch die engen Gassen, in denen man manchmal mit ausgestreckten Armen die beiden gegenüberliegenden Hausmauern berühren kann, ist schon ein Erlebnis. Mit Blick auf die nur etwas über 100 km entfernte, in Kroatien befindliche und zum Weltkulturerbe gehörende Stadt Dubrovnik, kann man Budva auch durchaus als „Klein-Dubrovnik“ bezeichnen.


  Enge Gassen in Budvas Altstadt  

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  Badebucht in Budva  

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Montenegros Territorium besteht zu 98 % aus Bergen, von denen der höchste 2.522 m erreicht. Mit 240 Sonnentagen im Jahr ist diese Region von „Klärchen“ zweifellos begünstigt und die Badesaison dauert deshalb auch 180 Tage. Warmes, mediterranes Klima mit 27,4 Grad sommerlicher Durchschnittstemperatur der Luft laden zum Bad an einem der vielen Strände, die zusammen eine Länge von 73 km ergeben. Dabei gibt es dicht bewaldete, direkt bis an den Strand reichende felsige Strände, von Karstgestein dominierte steinige Ufer ebenso wie grob- und feinkörnige Kiesstrände unterschiedlicher Länge und Breite, die in Urlaubszentren bewacht und bewirtschaftet sind. Eine Liege kostet je nach Strand von 0,50 bis 2 Euro, ein Sonnenschirm 1 Euro pro Tag. Das klare Wasser der Adria war schon Anfang Juli 26 Grad warm und kann im Laufe des Sommers 27 Grad erreichen. Der mit 3,5 – 3,8 % schon als kräftig zu bezeichnende Salzgehalt bietet den Schwimmern Auftrieb, was das Baden für Alt und Jung zum Vergnügen werden lässt. Süßwasserduschen sind nicht überall vorhanden, aber das trockene Salz auf der Haut schadet nicht.




Für den an der Unterwasserwelt interessierten Urlauber ist die Mitnahme einer Taucherbrille und eines Schnorchels zu empfehlen. Die Sicht soll an günstigen Stellen bis in mehr als 30 m Tiefe möglich sein, aber es genügen schon wenige Meter für die Betrachtung der Unterwasservielfalt. Zwischen Fischen zu schwimmen ist praktisch überall möglich und, wenn man Glück hat, kann man auch mal einen Tintenfisch in seiner Höhle ärgern, bis er eine Tintenwolke abgibt. Wenn man nicht vorher weiß wie die Badestelle beschaffen ist, sind Wasserschuhe günstig und das nicht nur wegen der allgegenwärtigen Seeigel. Tauchschulen gibt es kaum. Über die Qualität der Ausbildung sowie des Materials kann der Verfasser nicht urteilen.

  Fangfrischer Fischverkauf direkt am Hafen  

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© Holger Richter, 1 Eintrag im Gästebuch von Holger Richter





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