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Eine Reisereportage von Karl-Heinz Mayer

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  Gorges du Chassezac  

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Die Nacht war herrlich ruhig. Der mit Spannung erwartete erste morgendliche Blick aus dem Fenster lässt uns jubeln. Die Sonne ist schon vor uns aufgestanden und setzt sich gerade erfolgreich gegen einige Wölkchen durch. Nach dem Frühstück tragen wir uns wie jeden Morgen in die im Foyer ausliegende Liste fürs Abendessen ein - sonst gibt’s am Abend nix. Erst mal zum Warmwerden die mir vom Vortag bekannte Kurvenstrecke nach Les Vans. Von hier folgen wir der kurvenreiche D 113 in Richtung Pied-de-Born. Ein neuer Tag ein neuer Gorges. Im strahlenden Sonnenschein kurven wir weiter auf einer schmalen, eng gewundenen Straße entlang des Gorges du Chassezac, vorbei an bizarren, von Erosion geformte Felsen. Das man in dieser Region eigentlich keine Fehler bei der Streckenwahl machen kann bestätigen die folgenden Bilder.


  Entlang des Gorges du Chassezac   

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Man ahnt schon nach wenigen Metern, worauf man sich da eingelassen hat. Die Straße ist zwar durchgehend breit genug, dennoch halten wir uns stets an der Bergseite, denn ganz ungefährlich ist die Sache nicht. Einmal überbremst, einmal weggerutscht und schon könnte die Fuhre samt Fahrer mit Sozia in der tiefen Schlucht landen – da findet dich so schnell keiner, falls es überhaupt noch was zu finden gibt. Auf derartig Adrenalin fördernde Variationen in Sachen Platzangst kann meine liebste Sozia heute gut verzichten. Schon deshalb betätige ich den Gasschieber mehr defensiv und bin mit offenen Augen unterwegs.


  Am Gorges du Chassezac  

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Meine Angelika ruft vom Rücksitz gegen den Fahrtwind und Helm: "Hast Du die Häuser gesehen, die hat man einfach in den Steilhang eingebaut". Nein, erwidere ich von vorn und bringe die Fuhre zum stehen. Die Wahrnemungen während der Fahrt differieren zwischen uns ganz schön. Kurzum: Gerade für Motorradreisende sind die Cevennen ein wahres Paradies.


  Ruinen mit eingestürzten Dächern vermitteln eine trostlose Stimmung   

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Aufgegebene und eingefallene Gehöfte weisen auf die Schwierigkeiten der Lebensumstände der Bewohner hin. Im Flusstal des Chassezac stehen noch die Gebäude der ehemaligen Spinnereien und Webereien. Kurvenreich und wenig befahren führt uns die D 113 nach Pied-de-Borne.


  Ausgangspunkt vieler Wanderungen   

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Bei Pied-de-Borne mündet der Fluss in einer mächtigen Staustufe des Chassezac. Gegenüber der Kapelle Ste-Marguerite-Lafigére führen riesige Röhren den Berg hinunter, und Leitungsmasten überspannen den Fluss. Das Elektrizitätswerk verschandelt leider den Gesamteindruck. Hier entscheide ich mich für die Weiterfahrt auf die D 151 nach La Bastide Puylaurent. Jetzt heißt das Flüsschen plötzlich "Borne".


  Durch schier unendliche Kastanienwälder  

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Das Sträßchen sorgt mit seinem welligen Belag für ordentliche Unruhe im Fahrwerk. Gabel und Federbein stehen im Dauerbeschuss der Frostaufbrüche und Teerflicken. Hakenschlagend balanciere ich die Yamaha um herabgefallene Äste und herumliegende Gesteinsbrocken, durch die dichten Kastanienwälder. Das geringe Verkehrsaufkommen ist trügerisch - Wetten dass der einzige Gegenverkehr genau dann kommt, wenn ich mal eine Kurve nicht so gut erwischt habe und auf der Gegenfahrbahn gelandet bin? Auf grünen Wiesenterrassen stehen alte, gepflegte Esskastanienkulturen. Die Früchte von Borne waren seit jeher für ihre Qualität bekannt und sind auch heute wieder eine wichtige Einnahmequelle seiner Bewohner.


  Borne-Stausee   

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Da liegt er, ein schöner Stausee, schlank schmiegt er sich ins Tal, gesäumt von Felsen, Bäumen und Schafweiden. Es wäre eine Sünde hier nicht zu verweilen. Wir finden ein wunderschönes Pausenplätzchen zum ausruhen. Die Pause tut natürlich gut, denn meiner Angelika machte der Ischiasnerv wieder zu schaffen.


  Auf einer kleinen Anhöhe pausierend genießen wir den Ausblick  

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Absolute Einsamkeit, fast keine Menschen nur das Gebimmel der Glocken von Schafen in der Ferne. Auf dem Weg durchs Tal der Borne kommt man ab und zu mal durch kleine abgelegene Bauerndörfer, in denen man keine Kneipe findet, vor der man ein Gläschen Wein trinken kann. Absolut idyllisch, wenn man an so was Gefallen findet. Genau so haben wir uns das gewünscht.



   

 

© Karl-Heinz Mayer aus Siegburg, 27 Einträge im Gästebuch von Karl-Heinz Mayer






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