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Eine Reisereportage von Karl-Heinz Mayer

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Ardèche & Cevennen: Diese zwei südfranzösischen Gebiete üben wohl auf jeden eine magische Anziehungskraft aus. Wilde Schluchten und gigantische Bergpanoramen, malerische Bergdörfer, romantische Städtchen in denen die Zeit vor Jahrhunderten stehengeblieben scheint. Die französische Gelassenheit lassen den Alltag in Zeit und Raum völlig vergessen. Motorradfahren in diesem Gebiet bedeutet definitiv keinen Meter Langeweile – Strecken vom allerfeinsten. Zumindest eines haben Motorradfahrer mit Zugvögeln gemeinsam – zu gewissen Zeiten zieht es sie unwiderstehlich nach Süden. Beste Vorraussetzungen für einen tollen Motorradurlaub. Gehen Sie doch einfach mit auf diese Reise.



Angelika, meine liebe Frau meinte, wir müssten nach 10 Jahren mal wieder einen Frankreich Urlaub machen. Gegen das gemischte Doppel mit Motorrad – Vergnügen und Gaumenfreuden hatte ich selbstredend nichts einzuwenden. Von unserem letzten Frankreich Urlaub waren wir derart begeistert, dass wir uns damals fest vornahmen, noch einmal dort zu touren. Weil aber die schönsten Motorradreviere Europas nicht direkt vor unserer Haustüre liegen und die fast 1000 Kilometer lange Anreise ins südliche Frankreich nicht nur die Nerven sondern auch das Reifenprofil unserer Yamaha strapaziert, haben wir dem Anreise-Stress ein Schnippchen geschlagen. Gottlob reisen wir jetzt anders, da wir uns im vorigen Jahr einen Motorradanhänger zugelegt haben. Dies war für uns eine neue Anreise – Qualität und eine Alternative zum beliebten Autoreisezug. Wäre nur nicht diese elendlange, öde Anreise über die Autobahn quer durch Frankreich! Aber alles der Reihe nach.

  Verladen der Yamaha   
  Siegburg, Deutschland West[29]

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Am Freitag, den 11. Mai 07 haben wir in aller Ruhe gepackt und unser Moped schon mal auf den Anhänger geschoben und Dank guter Spanngurte klappte es mit dem festmachen ganz gut. Das Packen war diesmal kein Problem, da wir nicht nur auf Seitenkoffer, Topcase und Tankrucksack angewiesen waren. Endlich mal nicht diese Grundsatzdiskussion was man auf einem Motorrad transportieren kann und was nicht.


Unsere Tour starteten wir am Samstag dem 12. Mai 2007



Das asthmatische Krächzen unseres Reiseweckers setzte um 18:00 Uhr ein und ich war sofort hellwach. Klick - Kaffeemaschine angeworfen, Wasser ins Gesicht, Rollladen hoch. Schlüssel, wo sind die Schlüssel? Immer dasselbe Theater. Ein Liedchen auf den Lippen und Begriffe wie Freiheit und Abenteuer im Sinn, fahren wir gegen 19:30 Uhr mit dem Gespann Richtung Bonn. In früheren Zeiten haben wir der guten alten Straßenkarte vertraut um ans Ziel zu kommen, heute verlässt man sich gern auf sein Navi. Die Koordinaten wurden eingegeben und das Wundergerät sagte mir 948 Kilometer. Die Reiseroute führte uns über die Eifel weiter nach Luxemburg über die Grenze auf die französische Autobahn. Unser Motorrad sicher auf dem Anhänger verstaut, schaukeln wir sorgenfrei durch die Nacht der südfranzösischen Sonne entgegen. Und da auf der Autobahn nach Metz nur vereinzelte Fahrzeuge fuhren, (so um 02:00 Uhr) kam es mir vor, als wären wir auf einer Geisterbahn. Über Nancy, Dijon, Lyon auf der “Autoroute du Soleil“ ging die Fahrt weiter und hörte nicht auf. Stunde um Stunde vergeht. Ich kann kaum noch sitzen. Den berühmt berüchtigten Autobahntunnel von Lyon ließen wir unbeschadet hinter uns. Der Grund lag bestimmt am Sonntagmorgen 09:00 Uhr. Danach fuhren wir an der Rhone entlang nach Süden mit starkem Gegenwind. Die Strecke ist zwar nicht besonders reizvoll, aber dafür kommen wir schnell vorwärts. Unter den langen Geraden fliegen die Kilometer nur so dahin. Gemäß der Anfahrtsbeschreibung von Lilo, verlassen wir an der Autobahnabfahrt Nr. 17 ( A7, Montelimar Nord) die Bahn und folgten den Wegweisern Le Teil. Die Straße schlängelt sich weiter Richtung Aubenas durchs Gebirge und verlangt von mir wegen des Anhängers etwas mehr an Aufmerksamkeit. Drei Kilometer hinter Villenneuve-de-Berg biegen wir links ab auf die D 103.

  Das alte Landgut "Mas de Vigneredonne"  

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Über Roums, La Croisée-de-Jalés fahren wir bis nach St. Paul-le-Jeune und wenden dort, weil die Einfahrt ins Gästehaus Mas de Vigneredonne an der D 104 zwischen dem Weiler Les Avelas und St. Paul-le-Jeune spitzwinklig in einer Kurve liegt. Durchgeschwitzt und müde erreichten wir schließlich nach ca.18 Std. Fahrt (inkl. Pausen) unser Quartier bei strahlendem Sonnenschein und 23 Grad – das isses! Lilo bat uns gleich zu einem kühlen Begrüßungsschluck auf die Terrasse. Eine aufmerksame Gastgeberin, für die ich sofort Sympathie empfinde. Diese überträgt sich umgehend auf den Haus – und Hofhund Atout, der mit einem Ball im Maul zum Spielen auffordert. In aller Ruhe wurde anschließend das Motorrad abgeladen und in die zur Verfügung gestellte Garage geschoben, das Zimmer bezogen und ab unter die Dusche. Die Temperatur des Duschwassers wurde etwas höher eingestellt, um die verspannte Muskulatur wieder zu lockern. Das Zimmer mit DU+WC war einfach, sauber und zweckmäßig eingerichtet. Wir waren gespannt was uns hier so alles erwarten wird.


  Terrasse von Mas de Vigneredonne  

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Das Tourenfahrer Partnerhaus wird von der Pfälzerin Lilo Riedl geführt. Einst Lehrerin ist sie heute für Kamera, Kettensäge und Kochlöffel zuständig. Mit Lilo vor Ort hatten wir eine Person, die uns die besten Ecken der Stadt und das Umland zeigen konnte. Unser Zuhause für die nächsten 10 Tage, ist eines dieser schönen alten Häuser, die so typisch für Südfrankreich sind. Für uns ungewöhnlich, einen Motorradurlaub nicht mit täglich wechselnden Übernachtungsplätzen, sondern in einem festen Quartier zu verbringen. Die dort vorherrschende Atmosphäre lässt sich als sehr herzlich bezeichnen.

Mehr über das Gästehaus "Mas de Vigneredonne" auf der offiziellen Homepage: http://www.vigneredonne.com


  Im Schatten der Bäume bleibt es angenehm kühl  

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Unser PKW bekommt seinen Platz inmitten eines Kastanienwaldes. In der gesamten Region steht alles im Zeichen der Kastanie, was der Blick auf die Speisekarten der umliegenden Restaurants noch unterstreicht. Bis zum Abendessen blieb noch genügend Zeit, sich das 300 Jahre alte Gutshaus anzuschauen und sich langsam an die französische Lebensart zu gewöhnen.


  Gemeinsames Abendessen mit gleichgesinnten Motorradfahrern, Eva & Andreas  

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Dank der umtriebigen Eigentümerin Lilo, konnten wir um 19:30 Uhr zum ersten mal ihre Kochkunst testen. Ungewöhnlich für uns spät abends noch so viel zu essen. Von deren 3 – Gänge – Menü – waren wir nicht nur angenehm überrascht, nein, wir waren begeistert. Nun konnte ich die positiven Gästebucheinträge auf ihrer Homepage nicht nur verstehen, sondern auch genießen. Gemeinsam mit anderen Gästen – allesamt Motorradfahrer, wird bis spät abends getafelt, unterbrochen von anregenden Benzingesprächen. Als Vorspeise gab es einen herrlichen grünen Salat mit einer leckeren Pastete. Die Hauptspeise bestand aus Hühnerbrust, Nudel, Rübchen mit einer wunderbar dazu passenden Soße, und dazu lassen wir uns einen süffigen Rotwein servieren. Übrigens, Lilo ist ein wahrer Soßenspezialist. Der Service ist perfekt und so genießen wir den herrlichen Abend in vollen Zügen.


  Gezaubert hatte das die Chefin selbst   

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Hinterher wurde ein süßes Dessert und zur späten Stunde Käsesorten aus der Region gereicht, an Verzicht ist nicht zu denken. Abgerundet wurde das Ganze durch den Genuss eines dezent feinen Maronenlikör. Zufrieden und wohl genährt sinken wir gegen 22:30 Uhr in unsere Betten. Im Haus ist es jetzt Totenstill. Die Stille wurde von nichts durchbrochen als sei der große Kastanienwald verstummt.






 

© Karl-Heinz Mayer aus Siegburg, 25 Einträge im Gästebuch von Karl-Heinz Mayer





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