 |
| In drei Jahren legten wir gemeinsam mit unseren Kindern Jennifer (heute 10) und Jannes (heute 11) rund 42.000 Kilometer zurück. |
Allein oder als Paar reisen viele Globetrotter. Aber auch mit Kindern sind Langzeitreisen möglich. In drei Jahren legten wir gemeinsam mit unseren Kindern Jennifer (heute 10) und Jannes (heute 11) rund 42.000 Kilometer zurück. Allein auf uns gestellt segelten wir von Südfrankreich aus durchs Mittelmeer über Gibraltar zu den Kanarischen Inseln. Nach einem längeren Zwischenstopp auf La Gomera führte der Kurs dann über die Kapverden Richtung Südamerika. In Brasilien wurde das Schiff an Land gestellt. Per Bus ging die Reise weiter durch Brasilien, Bolivien, Peru und Argentinien bis nach Feuerland. „So war das nicht geplant! – Eine außergewöhnliche Familienreise“ (ISBN 978-3-8334-8524-4) lautet der Titel unseres Buches, in dem wir über unsere gesamte Reise berichten: http://www.bod.de/index.php?id=1132&objk_id=89326 |
Als wir starteten, ahnten wir nicht, in welche Abenteuer uns diese Reise führen würde! Um anderen Familien Mut zu machen, haben wir unseren Reisebericht ergänzt durch erprobte Ratschläge für das Reisen mit Kindern. (siehe auch „Segeln mit Kindern“ unter www.bluewater.de/kinder.htm).
Weitere Fotos und Hintergründe zu unserer Reise sind zu finden auf: http://richert.bodautor.de |
Hier berichten wir über unsere Erlebnisse im Pantanal, Brasilien:
Um 11:30 steigen wir in Campo Grande in den Kleinbus von Ecological Expeditions. Endlos ziehen sich die Rinderfarmen auf beiden Straßenseiten. Nach rund 250 Kilometern und insgesamt fünf Stunden Fahrt hält der Bus an einer einsamen Straßenkreuzung mitten in der Pampa: umsteigen! "Buracao das Piranhas" steht an der Imbissbude. Daneben warten einige kleine Allrad-Lastwagen mit Sitzbänken auf der Ladefläche und ein Allrad-Pickup. Wir werden mit dem Pickup in eine Lodge am Rio Miranda gebracht. Für die sieben Kilometer Sand- und Buckelpiste brauchen wir zwanzig Minuten. Die Lodges kann man sich als einfache eingeschossige Jugendherberge auf Stelzen vorstellen. |
Im Morgengrauen beginnt es mit einem lauten Kollern und Schnattern, dann folgt ein Zwitschern in allen Tonlagen, das schließlich durch ein auf- und abschwellendes Kreischen übertönt wird. Jenni und Jannes sind als erste draußen. Hunderte verschiedener Vögel sitzen auf den Bäumen, flattern herum oder hüpfen und stelzen auf der Wiese. Besonders hübsch ist der Kardinal mit seinem roten Spitzenhäubchenkopf, seiner weißen Brust und den dunkelgrauen Flügeln. Am lautesten sind die Schwärme kleiner grüner Papageien, die Loros. |
Nach dem Frühstück wartet unser Tourführer schon auf uns. Er hatte uns bereits gestern Abend Ausrüstungshinweise gegeben: Sonnencreme, Mückenlotion, Wanderschuhe, lange Hose, Kopfbedeckung, pro Nase einen Liter Wasser, Fernglas, Kamera. Damit die Touristen aus allen Ländern seinen Namen aussprechen können, nennt er sich Joni Indiano, tatsächlich heißt er Pitipuranga und ist ein Terreino-Indianer. Seine langen schwarzen Haare hat er zusammen gebunden. Joni ist Mitte Vierzig, klein und kräftig, und der Schalk lächelt aus seinen Augen. Joni dirigiert uns so in sein Peque-peque, dass es keine Schlagseite bekommt. Das Peque-peque ist ein schmales Langboot. Zwei Leute können nebeneinander sitzen, insgesamt ist Platz für acht bis zehn Passagiere. Mit uns fahren noch Hein und Esther, ein holländisches Paar, Guy und ein zehnjähriger Junge aus Jonis Verwandtschaft, der uns auch gleich vom Ufer abstößt. Aber erstmal treiben wir rückwärts Richtung Flussmitte bis es Joni endlich gelingt, den altersschwachen 15-PS-Aussenborder anzuwerfen. |
Als erstes sehen wir weiße Reiher auf Ästen am Flussufer sitzen, später auch Löffelschnabel-Reiher und Tigerreiher, dann viele verschiedene Ibisarten und Eisvögel. Die Leguane sind auf den Zweigen inmitten der grünen Blätter nur schwer auszumachen. Immer wieder schaltet Joni den Außenborder ab und lässt das Boot ans Ufer gleiten, so dass wir die Tiere aus nächster Nähe beobachten können. Rechts voraus stehen einige hohe Bäume am Ufer. Joni weist auf die Wipfel. Wir sehen nur einige schwarze Verdickungen auf den Ästen. Joni legt die Hände an den Mund und stößt einige dumpfe gurgelnde Rufe aus. Das Peque-peque gleitet ans Ufer, wir gehen möglichst leise auf die Bäume zu. Allmählich kommt Bewegung in die Wipfel und die Rufe werden lauthals beantwortet. Kein Wunder, dass diese Affen Brüllaffen heißen. Sie sind über unseren Besuch nicht erfreut, bewerfen uns mit abgerissenen Blättern und Zweigen und lassen ihre Verdauungsprodukte fallen. Nachdem die Fotos gemacht sind, lassen wir sie auch schnell wieder in Ruhe. |
Ein Stück flussaufwärts kommen wir ganz nahe an eine Familie Cabivaras heran, das sind Wasserschweine. Sie sehen aus wie die großen Geschwister der Meerschweinchen. Während die Mutter mit den Jungen flüchtet und ins Wasser taucht, bleibt das Männchen am Ufer stehen bis das Boot wenige Zentimeter vor ihm auf das Ufer gleitet. Es beobachtet uns und will uns offensichtlich von seiner Familie ablenken. |

|