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| 18. April 1993:Zwar hatten sich zu dem Lauf mit dem größten Teilnehmerfeld der Welt nicht alle angesagten 35 750 Läuferinnen und Läufer eingefunden, trotzdem schlug die Zahl von 26 000 Startern alles Dagewesene. Für mich ais einer der 400 deutschen Teilnehmer mit einer Reisegruppe aus Duisburg unterwegs, war das Besondere, hier mein Marathondebüt zu bestreiten. Mit 380 Trainingskilometern seit Jahresanfang und einem Halbmarathon als längste einzeln gelaufene Strecke fühlte ich mich zwar unsicher, aber doch im Rahmen der Möglichkeiten für den Start gewappnet. Beim Abholen der Startunterlagen am Vortag, bei der Pasta-Party zum Auffüllen der Kohlenhydratlager am Abend, sowie in der S-Bahn zum Start nach Blackheath, überall herrschte dichtes Gedränge, bis hinein ins Startgelände. |
Berlin Marathon
Erschöpfte, aber glückliche Teilnehmer im Ziel eines Marathons |
Mit der Nummer 10 482 hatte ich mich im 10. Block, einige hundert Meter nach der Startlinie einzuordnen. So vergingen zähe fünf Minuten nach dem Startschuss, bis ich die Startlinie erreicht und die eigentliche Laufstrecke beginnen konnte. Von nun an konnte ich mein angepeiltes Tempo von cirka sieben Minuten pro Meile halten und erreichte nach einer Stunde und 34 Minuten die Halbmarathonmarke. Die Zuschauerunterstützung war von Anfang bis Ende phantastisch. Zwei Millionen Menschen säumten teilweise in dichten Reihen die Strecke. Kinderhände boten Bonbons oder wollten abgeklatscht werden. Immer wieder spielte eine Musikgruppe nimmermüde Anfeuerungslieder oder skandierten Gruppen Durchhalteparolen.
Mir half es am meisten, als bei Kilometer 25 und einem ersten Tiefpunkt ein Läuferkollege der LGJ Unterschwarzach zu mir aufgelaufen war. "Grüess de", sagt er im breiten schwäbisch, "bischt du au in Öpfingen glaufa?" Worauf ihm dann aber einfiel, dass wir uns beim Lindauer Halbmarathon gesehen hatten. Dort hatte er mich noch auf der Zielgerade abgefangen. Seine anerkennenden Worte wirkten wie ein Schub, ich konnte ihm bis ins Ziel wieder davonlaufen. Trotzdem baute ich auf der zweiten Hälfte der Strecke ab, konnte die Ausblicke auf St. Pauls und den Buckingham Palast nicht so recht genießen. Auch trug der teils böige Wind ein übriges zum Kräfteverschleiß bei. Erst in Nähe der Zielgeraden hatte ich wieder Kraft. Ein Endspurt, getragen vom Hochgefühl es geschafft zu haben. Auch die Zeit von 3:15:39 Std. reichte immerhin zum 3529. Platz und einer Platzierung unter den ersten zehn der 400 deutschen Marathontouristen. Gewonnen hatte der Brite Eamonn Martin in 2:10:50 Std., ebenfalls bei seinem Marathondebüt. Nur war er mit einem wöchentlichen Trainingspensum von 200 Kilometern professionell vorbereitet und nicht ais Volksläufer am Start. Bis heute ist diese Zeit nur knapp hinter meiner persönlichen Bestzeit von 3:04:39, gelaufen beim Köln Marathon 2005 zurück, und damit eigentlich nicht vergleichbar, denn in London wurde noch ohne Chip gemessen und so ein Aufschlag bis zum Überqueren der Startlinie hinzuaddiert.
Gerhard Maucher
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