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Auszug aus meinem Buch "Es riecht nach Schnee"
Yukon Rundmails - Teil III |
Lake Louise mit Fairview Mountain
Am Morgen drauf machte ich dann die obligatorische Lake Louise-Fotosession, so wie jeder andere Touri auch. Die vielen Busse spuckten vor allem ganze Japanerhorden, aber auch viele meiner Landsleute aus, die sich auch nicht viel besser benahmen. So, jetzt hatte ich den Banff Park lange genug ausgehalten. Raus hier und zwar zum Yoho Nationalpark. Hier wollte ich mir auf jeden Fall den Takakkawa (vielleicht erzähle ich euch nach meiner Rückkehr mal, wie man das ausspricht, wenn ich es bis dahin nicht wieder vergessen habe; übersetzt aus der Indianersprache ins püttische würde es in etwa „bor, geil ey“ heißen) Wasserfall ansehen, da die Straße dorthin im Herbst letzten Jahres ja schon geschlossen war. Sie ist schön schmal und kurvig. Da gibt es drei ganz enge Serpentinen, die besonders den riesigen Tourbussen einige Probleme bereiten. Sie fahren das erste Stück rückwärts hoch, da sie bei der ersten Kurve nicht genug Platz zum einbiegen haben. Ich hatte drei Tourbusse vor mir, so dass ich es mir erst mal gemütlich machen und das Spektakel angucken konnte. |
Takakkwa Falls
Die Fälle sind rund 260 Meter hoch und damit die vierthöchsten, freiliegenden Fälle in ganz Kanada. Ich kletterte die rund 100 Meter bis direkt zu den Fällen hoch, was mir die eine oder andere kalte Dusche einbrachte, die aber bei sonnigem Wetter sehr willkommen war. Anschließend fuhr ich zum nahe gelegenen Whiskey Jack Hostel (war ja klar, dass mich dieser Name reizte), weil mir dabei der Gedanke an eine warme Dusche gekommen war, die ich doch mal wieder nötig hatte. Schließlich wollte ich langsam mal wissen, was Dreck und was Sonnenbräune war. Das Hostel sah noch geschlossen aus, aber Olga erklärte mir schnell, dass sie schon geöffnet hätte. Sie leitet es seit 23 Jahren und wir haben erst mal eine halbe Stunde gequatscht. Sie war ganz begeistert davon, dass ich im Sommer im Yukon leben würde, weil der Norden ein großer Traum von ihr ist. Trotzdem die Dusche erst noch repariert werden musste, quartierte ich mich dort ein. Endlich mal wieder in einem richtigen Bett schlafen, wo ich meine Beine ganz ausstrecken konnte. Dafür ist Rusty nämlich leider etwas zu kurz geraten. Whiskey Jack hat übrigens überhaupt nichts mit dem von mir geliebten Getränk zu tun, sondern ist der Name eines ziemlich neugierigen und recht dreisten Vogels, eines Hähers. Richtig heißt er Gray Jay, aber er wird oftmals als Camprobber bezeichnet, weil er alles Essbare, das er tragen kann, stibitzt. |
Klein, aber Yoho
Zum Wandern hatte ich keinen richtigen Bock, so dass ich es mir auf die Veranda des Hostels bequem machte und ein wenig las. Sowohl von dort, als auch von dem von mir ausgesuchten Bett, hatte ich direkten Blick auf den Wasserfall. Ich hörte die ganze Zeit das Rauschen und brauchte nur kurz von der Zeitung aufsehen und hatte ihn im Visier. Bei bewölktem Himmel und ab und an Regen, fuhr ich nach einer Weile noch ein wenig durch den Park. Der konnte mich noch immer nicht so richtig überzeugen, weil auch hier der Trans-Canada-Highway und die Bahnlinie durchführen. Und sein einziger Ort Fields ist ein ziemlich trübes Scheißkaff. Plötzlich durchzuckte es mich wieder: „Lake O´Hara, superschöne Gegend“ und schon brauste ich mit Rusty dort hin. Der Zugang zu diesem Tal ist beschränkt und auf der Straße ist – ähnlich wie im Denali Nationalpark – der Individualverkehr verboten. Lediglich Busse fahren vier Mal täglich hin und zurück. Kurz vor der Busabfahrt kam ich dort an, aber es war alles ausgebucht. Nix mehr zu machen. Man kann auch über einen Trail zehn Kilometer dort hin laufen, aber wie geschrieben, warum soll ich laufen, wenn ich auch fahren kann? |
Zurück am Hostel erfuhr ich als erstes, dass die Duschen noch nicht repariert werden konnten. Na klasse. Außer mir waren sechs andere Gäste eingetrudelt: Eine Familie aus Alberta, wobei Vater und Sohn teilweise mit dem Rad durch die Parks gondelten, während Muttern das Versorgungsfahrzeug fuhr, eine Malerin aus Vancouver, die von den Wasserfällen ganz angetan war und ein Zahnarzt aus Vancouver mit seinem Kumpel, der in Fields aufgewachsen war. Es war der längste Tag des Jahres und wir genossen den Abend am Lagerfeuer, das ich vorbereitet hatte. Endlich wieder ein Lagerfeuerchen. Olga hatte Popcorn gemacht und am Lagerfeuer machte sich in unserer kleinen Gruppe eine richtig familiäre Stimmung breit. Wir unterhielten uns nett, während das Feuer prasselte, der Wasserfall im Hintergrund rauschte und ab und zu das Pfeifen eines Murmeltiers zu hören war. Andere Tiere, die ich bis dato eigentlich nicht wirklich vermisst hatte, tauchten ebenfalls auf: Mücken. Jedoch noch in handhabbarer Anzahl. Es wurde viel später, als von mir eigentlich geplant. |
Fast wollte ich am nächsten Tag schon aus Yoho raus fahren, aber dann fuhr ich doch zum Visitor Centre und buchte für den folgenden Tag einen Trip zum Lake O`Hara. Muss ich ja doch irgendwie gesehen haben, wenn ich darüber einen Dia-Vortrag machen will. Zurück am Hostel quartierte ich mich für eine weitere Nacht dort ein. Und für diesen Tag stand der Iceline Trail an, den Olga mir wärmstens empfohlen hatte. Bei gutem Wetter ging es direkt steil bergauf. Umgehend hatte ich also eine Mischung aus Schweiß und Sonnencreme in den Augen, was weder mir noch ihnen gefiel. So grummelte ich auch nur ein kurzes „Hey“, als ich von zwei Typen überholt wurde, die ich direkt als Deutsche identifizierte. Auch bei den nächsten drei Begegnungen – mal überholte ich sie, dann sie wieder mich – war ich nicht viel gesprächiger. Erst nachdem ich mir an einem Bach die Augen ausgewaschen hatte, stoppte ich zu einem kurzen Small talk. Jochen und Boris studieren in Marburg Geographie, waren als Austauschstudenten zehn Monate in Quebec gewesen und guckten sich jetzt noch mal den Rest Kanadas an. |
Deutsche unterwegs
Wir schlossen uns schnell zusammen und wanderten den Rest des Tages gemeinsam. Für mich war es mal was anderes und auch ganz schön wieder deutsch zu sprechen (außerdem bekam ich so Menschen auf meine Fotos). Es war sehr interessant mal Informationen über den französisch sprechenden Teil Kanadas zu bekommen, den ich ja nun gar nicht kenne, wenn man von einer kurzen Stippvisite in Montreal absieht. Nach dem ersten steilen Teilstück waren die weiteren An- und Abstiege marginal. Wir wanderten kurz unterhalb der Baumgrenze des Tals entlang. Die Aussicht war erneut spektakulär: Von oben konnten wir alle Bergspitzen und die dahinter liegenden Gletscher sehen. Auch denjenigen, der die Takakkawa-Fälle speist. Der Weg heißt also nicht ohne Grund Iceline-Trail. Etwas weiter war es noch schöner, als wir durch subalpine Wiesen wanderten. Mittlerweile blühten auch zwei verschiedene Blumensorten. Anemonen, wenn ich das richtig mit bekommen habe (nicht nur Kevelaer, auch Yoho blüht auf) und noch eine andere, deren Namen ich wieder vergessen habe. |

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