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| Zum Eisdach des heißen Kontinents |
Schon beim ersten Blick im Anflug auf Mombasa lockt das Dach Afrikas, der Kilimandscharo zu einer Besteigung. Nur eine Eiskrone von knapp 100 Metern und gut zu übersehen: unter diesen Bedingungen müsste es auch für einen Nicht-Alpinisten wie mich zu schaffen sein.
Der Bus nach Tansania fährt sonntags nicht. Also hatte ich einen Tag mehr Zeit, mich im indischen, arabischen und afrikanischen Schmelztiegel Mombasa, der zweitgrößten Stadt Kenias umzusehen. Der erste Eindruck: hässliche Wellblechhütten und Betonplattenbauten erinnern eher an ein Obdachlosenasyl als an eine Hafenstadt mit großer kultureller Vergangenheit. Das verwinkelte, arabisch geprägte Zentrum der Altstadt mit Marktständen, dem Shiva-Tempel, der Mandhry-Moschee um das portugiesische Fort Jesus verwischen allerdings diesen ersten Eindruck. |
Im Bus nach Taveta, der Grenzstation treffe ich Hideo aus Tokio. Sein Rucksack mit 40 Kilo Bergsteigerausrüstung räumt jeden Zweifel aus: er hat dasselbe Ziel wie ich. An der Grenzstation spricht uns Richard Temu an, einer der vielen Organisatoren für eine Kibo-Besteigung, dem Hauptgipfel des Kilimandscharos. Diese Touren kosten je nach Veranstalter zwischen 200 und 500 Euro, unterscheiden sich aber nach ihrer Leistung im wesentlichen nicht. Wir wurden bei 250 Euro für 5 Tage An- und Abstieg handelseinig. Dabei musste sich Hideo von seinem Traum verabschieden, den Mawensi, den Felsgipfel gegenüber dem Kibo ebenfalls besteigen zu können. Trotz seiner perfekten Ausrüstung mit Seilen, Karabinern etc. weigert sich Richard, das Risiko auf sich zu nehmen. Nur gerade eine Hand voll der über 50 Führer zum Kilimandscharo würden überhaupt den Mawensi gehen. Außerdem sei der Fels momentan zu nass und damit zu wenig griffig. In Marangu werden wir in das einfache, blumenumrankte Babylon Lodge einquartiert. |
Aufstieg
Was der Tourist braucht, was die Besteigung bequemer macht, tragen die Träger: Schlafsack, Proviantkiste, Kocher, Wasserkanister, Töpfe, Porzellangeschirr, karierte Tischdecken zum Frühstück, zum Dinner, zum Lunch, alles wird 4000 Meter für jeden Gast hinauf und wieder hinunter getragen. Die drei Hütten Mandara, Horombo, und Kibo bleiben von festen Einrichtungsgegenständen wie Pritschen, Bänken und Tischen entblößt. Wie in einem Schildbürgerstreich werden die übrigen Gebrauchsgegenstände wöchentlich antransportiert. |
Start zur Tour
Am nächsten Morgen lernen wir Tosha, 33 Jahre alt und seit 7 Jahren Führer am Kibo, sowie unsere vier Träger Devis, Colman, Frank und Rechnold kennen. Von nun an müssen wir beide, Hideo und ich, uns um nichts mehr kümmern. Verpflegung, Transport des Gepäcks, Unterkunft, alles ist organisiert. Nur laufen müssen wir selber, den kleinen Rucksack mit persönlichem Gepäck auf den Schultern. |
Mandara, früher Bismarck-Hütte genannt, ist das Ziel des ersten Tages. Sie liegt auf 2750m, umgeben von tropischem Bergwald, Baumriesen, die dicht mit meterlangen Schleiern von Schmarotzerpflanzen behängt sind. Es ist feucht und neblig, vom Gipfel ist noch nichts zu sehen. Am nächsten Morgen verlassen wir den Wald, gehen durch Gras- und Hochmoorland hinauf zur Horombo, ehemals Peter-Hütte.
Unterwegs reißt der Nebel auf und der Kibo und Mawensi zeigen sich in schönster Sonnenpracht.
Der Kilimandscharo ist ein relativ junges Gebirge, 750 000 Jahre alt. Vor 500 000 Jahren brach der Vulkan aus, türmte die Lava übereinander und wuchs stetig zur heutigen Höhe von 5896 Metern. Vor 100 000 Jahren geschah der letzte nennenswerte Ausbruch, seitdem ist der Gipfel mit Eis bedeckt.
Das Abendessen ist ganz ausgezeichnet. Es gibt Gemüsesuppe, Leber mit Kartoffeln, Nudeln, Kraut, Karotten, Brot, Butter Bananen und Tee, alles frisch zubereitet. Inzwischen sind wir 1000 Meter höher und 14 Kilometer weiter dem Gipfel näher gestiegen. |
Gedenkstein für den Erstbesteiger Hans Meyer
Der erste Erforscher des Kilimandscharo, der Leipziger Geograph Hans Meyer konnte den Gipfel erst in seinem dritten Versuch, 1889 bezwingen, und zwar mit dem besten Bergsteiger seiner Zeit, dem Österreicher Ludwig Purtscheller. |
Da unser Träger Coleman Fieber bekommt und die nächsten Tage auf der Horombohütte bleiben muss, verzögert sich der weitere Anstieg zur Kibo-Hütte. Wir vermuten Malaria, ich gebe ihm zwei meiner Fansidar-Tablettten, die ich für Notfälle eingepackt hatte.
Die Kibo-Hütte liegt über der Vegetationsgrenze, 4700m hoch, nur noch Geröll, Staub und Steine, die letzte Wasserstelle eine Wegstunde zurück. Ich fühle mich gut akklimatisiert, mein Ruhepuls noch 64, mein Leistungspuls noch unter 140, das ständige Training der letzten Wochen mit dem Rad, Joggen und Schwimmen zeigt Wirkung. Die Hütte ist im Gegensatz zu den Holz-Bungalows von Mandara und Horombo aus Stein mit großen Schlafsälen und Stockbetten. Trotz Minusgraden und ohne Heizung ist es hier wärmer zum Übernachten. |
Gillman`s Point
Um Mitternacht heißt es Aufstehen, Tosha bringt uns heißen Tee und Kekse. Um ein Uhr geht es los im Mondlicht, Schritt für Schritt, den steilen Anstieg zum Gillman`s Point am Kraterrand. Mit dieser Höhe, 5680 Meter, begnügen sich die meisten Kibobesteiger. Tosha fragt vorsichtig an, wie wir uns fühlen. Ich klage über Magenbeschwerden, fühle mich aber sonst fit und möchte weiter gehen. Für Hideo ist es auch keine Frage, wenn es geht, ist es Ehrensache bis zum höchsten Punkt, dem Uhuru Peak zu gehen. |

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