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Eine Reisereportage von Berthold Baumann

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Der Yukon führte gleichfalls reichlich Wasser und wir kamen schnell vorwärts. Am 4. Juli drehten wir eine Extrarunde in einer Flussschleife, die passenderweise „4th of July-Bend“ heißt, weil ich zu faul war, uns in die Hauptströmung zu paddeln. Zuerst schien die Sonne noch, dann folgten dunkle Wolken, Sturm und a bisserl Regen. Hier hatte ich jetzt ja wieder eine Karte und wir steuerten die Twin Creeks an. Am Bach lagen schon zwei Kajaks und ein Kanu. Iiiiieeeeehhhhhh, Menschen, obwohl wir sie nicht sahen. Wir paddelten weiter, weil ich mich daran erinnern zu können meinte, dass dahinter ein weiteres Camp war.

Iiiiieeeeehhhhhh, Menschen



Zu meinem Glück – wir waren schon ziemlich weit gepaddelt und es war recht spät – war etwa 400 Meter weiter wirklich noch ein Camp. Es lag etwa zwei Meter über dem Fluss. Schnell hoben wir unsere Klamotten und das Kanu an Land, stellten das Zelt auf und konnten den Regen darin abwettern. Abends kam noch ein Motorboot vorbei geschossen und wir sahen wirklich die ersten Menschen nach einer Woche. Nachdem Silke schon im Schlafsack war, ging ich einige der Wege, die vom Zeltplatz in den Wald führten. Doch alle endeten im Nichts und waren wohl nur der eifrigen Nutzung der Spatengänger zuzuschreiben.

  Indianerfriedhof  

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Nach straightem Paddeln kamen wir schon früh am Little Salmon Village an. Hier hatte sich einiges getan: Es gab viele Schlichthütten mit Planen als Dach als Fischbasiscamp und es war eine riesige Versammlungshütte für die Little Salmon Natives gebaut worden. Am Friedhof mit den bunt bemalten Grabhütten schossen wir einige Bilder, nachdem wir vorher die drei Indianer, die an der Hütte bastelten, gefragt hatten, ob das erlaubt sei. Die Indianer sind da ein bisschen komisch geworden, wahrscheinlich weil einige Touristen sich an den Grabstätten respektlos benommen oder Grabbeigaben gestohlen hatten. So Idioten wie der Vollidiot halt.




Bei „Scheiß-Hitze“ bzw. „Yukon-Wetter“ (Hallo Ralf!) ließen wir uns teils treiben und teils paddelten wir. Neben dem Yukon war der Campbell Highway zu sehen und wir hörten Laute der Zivilisation: Motorenlärm. Irgendwie kam ich mit der Karte überhaupt nicht zurecht und gab dauernd falsche Entfernungsangaben. Doch um 18 Uhr erreichten wir den Coalmine Campground von Samantha und Dale in Carmacks. In der Snackbar gönnten wir uns ein Eis, bevor wir das Kanu ausräumten und das Zelt aufstellten.

Hamburger Globetrotter



Wir trafen am Campground auf Hanne und Drews, zwei Hamburger Globetrotter, die seit elf Jahren mit dem Unimog im Yukon und überall auf der Welt unterwegs sind. Drews war früher Kapitän auf Tankern und anderen Schiffen und die beiden hatten in Yukon und NWT schon viele Kanutouren unternommen. Insbesondere der Trip auf dem South Nahanni hatte es ihnen angetan. Der steht ja auch noch auf meiner Liste, aber das Einfliegen ist eben recht teuer. Doch ich bekam einige interessante Tipps.



Wir wollten eigentlich nur kurz zu ihnen rüber gehen, aber dann gesellten sich Peter (ebenfalls Deutscher) und John aus Fairbanks dazu und wir quasselten bis 23 Uhr. Außerdem gab es ein Bier dazu, ein Genuss auf den ich seit zwei Tagen aus Mangel an Hopfen- und Malzgebräu hatte verzichten müssen. Es war ein lustiges und interessantes Erzählen. John war gebürtiger Fairbankser und meinte, dass die Stadt vor dem Bau der Pipeline viel schöner gewesen wäre. Wieder am Zelt, stellten wir fest, dass sich ein blödes Hörnchen über unser Brot her gemacht hatte, das wir auf dem Tisch hatten liegen lassen. Überhaupt nicht süß!



 

© Berthold Baumann, 6 Einträge im Gästebuch von Berthold Baumann
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