 |
Auszug aus meinem Buch "Tuktu vor Pingo"
Yukon Rundmails - Teil VI |
Während der Fahrt von Whitehorse nach Johnson’s Crossing verdunkelten viele Wolken den Himmel und es regnete. Da hatten wir uns wohl genau den richtigen Tag für die Autofahrt ausgesucht. Bei Johnson’s Crossing versteckten wir das Rad und bogen auf die South Canol Road ab. Diese war vollkommen verlassen: Keine Tiere, keine Autos. Trotzdem war es in Rusty 2 sehr heiß und es roch nach Öl. Sollte das auf sein baldiges Ende hin deuten? Ich beschloss diese dezenten Hinweise einfach zu ignorieren. |
Erst am späten Abend kamen wir am Quiet Lake Campground. Silke hatte schon gedacht, dass Keno City am A.... der Welt liegt, doch die South Canol Road belehrte sie eines besseren. Am Campground war ein Pärchen, das geschickterweise in der Kochhütte übernachtete. Ich hatte an diesem Abend noch einen besonderen Task: Ich montierte die neuen Reifen an Rusty. Dabei wurde ich von zahlreichen impertinenten Mücken angegriffen und schlüpfte schnell wieder in das mit Muskol getränkte Mückenshirt. |
Morgens fuhren wir Rusty bis direkt an den See und entluden ihn. Ich fuhr in weg, um ihn irgendwo zu parken, wo er nicht stören würde. Dabei sah ich, dass er eine Pfütze hinterlassen hatte. Es war kein Öl, sondern die Flüssigkeit vom Automatikgetriebe. Ich hoffte, dass er nur raus drückte, was ich zuviel eingefüllt hatte. Ansonsten wollte ich mich nach der Kanufahrt ausführlicher mit dem Problem befassen, von dem ich wollte, dass es kein großes war. |
Schließlich waren wir auf der Höhe der Gebäude der Straßenwartung, dem eigentlichen Einsetzpunkt. Von hier paddelten wir noch eine weitere Stunde zum Ende des Sees und an dessen Ufer entlang, um den Seeausgang zu finden. Zum Schluss kamen sogar noch Wind – der als Anti-Mücken-Wind herzlich willkommen war – und damit einhergehend einige Wellen auf und wir stellten fest, dass das Kanu zu zweit doch recht kippelig war. Oder hatten wir einfach zu viel Gepäck dabei und das zu hoch gelagert? Oder hatte ich doch nicht so viel abgenommen, wie erhofft? |
Am Ufer entdeckten wir auf jeden Fall ein schönes, gut ausgebautes Camp mit kleinem Holzvorrat sowie Tisch mit Bänken und landeten an. Etwa 50 Meter davon entfernt war sogar eine mit einigen Annehmlichkeiten wie Bettgestellen, Matratzen, Tisch, Stühlen usw. eingerichtete Hütte, die jeder benutzen durfte. Ich glaube, dass die vom verstorbenen Abenteurer Franz Six gebaut worden war. Sie hatte sogar ein Gästebuch, in dem für dieses Jahr noch nicht sehr viele Einträge waren. Gut so. Wir beschlossen es damit für den ersten Tag bewenden zu lassen. |
Wegen einsetzenden Regens bauten wir schnell das Zelt auf und hielten ein Nickerchen (Nein, da ist kein falscher Buchstabe am Wortanfang, Michael!). Nach dem Essen lief ich viele der dortigen Wege entlang, die sich früher oder später alle im Nirwana verloren. Ich saß noch am Lagerfeuer, dessen Rauch bei Windstille langsam kilometerweit über den See dahin zog, wie ein weißes, langsames Nordlicht. Ein wenig lesen, die tolle Aussicht auf den See genießen und dem Loon lauschen rundeten den Tag ab. |
Bachlauf – See, Bachlauf - See
Der Bachlauf lag direkt bei der Hütte. Schnell hatten wir ihn hinter uns und fuhren in den Sandy Lake ein, den wir ebenfalls nach kurzer Zeit hinter uns ließen. Der Bachlauf dahinter war schon etwas länger und schließlich paddelten wir auf den Big Salmon Lake. Der war ebenfalls etwas größer. An einer Sandhalbinsel hatte sich ein Ausrüster mit einem Camp breit gemacht, dass jedoch nicht belegt war. Das finde ich ja blöd, wenn derart schöne Plätze auf viel genutzten Flüssen beziehungsweise Seen in Privatbesitz gelangen. Noch blöder fand ich das riesengroße Schild, das den Zutritt verbat. War ja fast wie in Deutschland. Aus Protest pinkelte ich es an! |
Auf der Halbinsel dahinter sahen wir einen Weißkopfseeadler, der sich gerne fotografieren ließ. Kurz darauf hatten wir den Big Salmon River erreicht, der eine Menge Wasser führte. In der flotten Strömung mussten wir vor allem auf Sweeper und im Fluss liegende Baumstämme achten. Wir stießen auf den großen Log-Jam und wurden ganz vorsichtig. Wir treidelten die schwierigsten Stücke und sägten einen umgestürzten und angetriebenen Baum, der im Wege lag kurzerhand durch. Auf dem Grund des Flusses sahen wir einige Kanuwrackteile und wunderten uns wie das wohl passiert war. |

|