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Hausboote auf dem Dal-Lake
Das Tal – mit der Stadt Srinagar im Mittelpunkt – ist Kaschmirs fruchtbares Herzstück mit einer Kulisse grüner Berge. Dichte Fichten- und Kiefernwälder, Felder voller kostbarer Safrankrokusse, Reisterrassen, Maulbeerhaine; Gärten mit Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Walnussbäumen. Der größte Teil von Kaschmirs legendärer Schönheit ist immer noch unversehrt. Selbst im Herzen Srinagars, wo kastenförmige Betonhäuser aus dem Boden schießen, ist genug Altes intakt, um die Phantasie des Besuchers zu beflügeln. Der Dal-See (umgeben von den hohen Gipfeln des Himalaya und den Kämmen des Pir Pandschal), der Fluss Dschelam und ein mäandernder Kanal, der die beiden verbindet, machen aus dem geschäftigsten Viertel der Stadt eine Insel. Von den etwa zwei Dutzend Brücken, die sich über Fluss und Kanal wölben, kann man beobachten, wie die Kaschmiris mit kleinen Holzbooten an den alten Häusern vorbeistaken. |
Shikaras warten auf die Touristen
Wir unternehmen eine Shikara-Fahrt durch die Lotusfelder, alle Menschen grüßen uns sehr freundlich, da sich in diesen Teil Indiens bis jetzt nur wenige ausländische Gäste verirren, meistens sehen wir indische Ferienreisende und Hochzeitspärchen. Abends sitze ich am Wasser, höre das leise Plätschern der abendlich heimkommenden Shikaras, mit einem Gondelfahrer habe ich ein sehr interessantes, philosophisches Gespräch, was mir wieder d a s Indien zeigt, das mich weiterbringt. Und da ist sie, eine der Antworten auf die Frage, warum ich immer wieder dieses Land bereise. |
Blumenverkäufer in Srinagar
Wir werden oft fotografiert und immer wieder gefragt, wie wir Kaschmir finden. Ein Shikarafahrer knüpft mir eine Kette aus Lotusblüten, ich bin wie verzaubert… Hätte das jemals ein Mann in Deutschland für mich gemacht (selbst wenn es hier Lotusblüten auf einem See geben würde)? Nie! Der hätte höchstens gesagt: Knüpf dir deine Kette selber, du bist doch emanzipiert! |
Damit komme ich zur anderen Seite dieses Teils von Indien – die allgegenwärtige Präsenz des Militärs und das geopolitische Spannungsfeld zwischen Indien und Pakistan. Hier lebt ein Volk, dessen Angehörige sich weder für Inder noch für Pakistanis sondern für Kaschmiris halten und sich durch eine künstliche Linie getrennt sehen. Indische Soldaten patroullieren in den Straßen unaufhörlich. Sie tragen kugelsichere Westen über Tarnuniformen, dazu Maschinenpistolen. An jeder Ecke Sandsackunterstände, Militärposten und Checkpoints. Bunker mit starkem Maschendraht vor den Eingängen, zum Schutz vor Granaten mit gestapelten Sandsäcken abgedeckt, beherrschen die größeren Verkehrskreuzungen. Milizsoldaten halten Autos und knatternde Dreiradtaxis an, scheuchen die Fahrer herum und suchen unter den Sitzen nach Bomben und Waffen. Der Hass in den Blicken von Passanten lassen keinen Zweifel zu, dass die Kaschmiris die Soldaten als Besatzungsarmee betrachten. |
Sandsackunterstand für Militärposten
Die Region ist seit fast einem halben Jahrhundert Streitobjekt zwischen Indien und Pakistan. Seit der Abspaltung Pakistans von Indien im Jahre 1947 führten die beiden Staaten zwei Kriege um das Kaschmirtal, das unter Vermittlung der UN 1949 aufgeteilt wurde. Ein Drittel des Gebietes ging an Pakistan, zwei Drittel erhielt Indien. Ende der achtziger Jahre flammte der Kaschmir-Konflikt wieder auf. Seitdem kämpfen im indischen Teil Kaschmirs moslemische Rebellengruppen um die Loslösung des überwiegend von Moslems bevölkerten Gebiets. Wen wundert’s, dass Kaschmir als einer der gefährlichsten Explosionsherde der Erde gilt. Im Januar vergangenen Jahres leiteten die beiden Atommächte allerdings einen Friedensprozess ein. |
Nach 7 wunderschönen Tagen auf meinem Hausboot und gemischten Gefühlen verlasse ich Kaschmir in Richtung Zanskar, dem buddhistischen Teil meiner Reise. |

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