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Wir sind auf einer 2-wöchigen Campingtour mit Crocodile Camp Safaris.
Wir waren schon in Victoria-Falls, in Serondella am Ufer des Chobe und in Savuti. Nun sind wir in Moremi im Gomoti Camp. Beim Abendessen haben wir von einem der Safari-Guides einen Tipp bekommen. Und dafür stehen wir morgen früh auch gern mal etwas früher auf.
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Samstag, den 18. Juni 2000
Heute erwartet uns etwas ganz besonderes |
Ein Kaphase schaut uns neugierig an
Es ist 4:45 Uhr.
Abruptes Aufstehen mag ich nicht. Ich stelle den Wecker lieber immer etwas früher. So kann ich vor dem Aufstehen noch etwas entspannen und mich auf den kommenden Tag einstellen. Anne ruft. Wir geben ein Signal, dass wir wach sind. Dann meldet sich Evans. Wieder unser Okay.
Karl-Heinz steht auf und geht zum Waschen. Frische Luft weht vom Eingang ins Zelt. Ich kuschele mich noch einen Augenblick in meine mollige Decke und schaue hinaus in die Nacht. Im Mondlicht kann ich die Silhouette vom Wasserloch sehen. Ich denke zwei Jahre zurück. Da haben wir fast aus dem gleichen Blickwinkel von unserem Bett aus unten am Wasser Elenantilopen beobachtet. Damals dämmerte es gerade und wir mussten bald abreisen. Noch zwei volle Safaritage liegen hier vor uns. Was werden sie uns bescheren? Schnell mache auch ich mich startklar. Eine Tasse Kaffee und ein Plätzchen. Mehr kann ich zu dieser frühen Stunde nicht herunter bekommen.
Schon vor der verabredeten Zeit sitzen wir Fünf ganz aufgeregt im Jeep. Evans, unser Guide startet den Motor und stört dabei die nächtliche Stille. Als wir am Wasserloch vorbeifahren scheuchen wir einen Schwarm Vögel auf. Erschrocken flattern sie ein Stück durch die Luft und lassen sich wieder nieder und ein Kaphase kreuzt unseren Weg.
Im Camp ist noch Schlafenszeit. Auch hinter den Kulissen des Camps ist es noch ganz ruhig. Vor zwei Jahren war um diese Zeit schon rege Betriebsamkeit. Holz wurde gehackt, das Feuer geschürt, Brot gebacken. Inzwischen ist es in der Küche komfortabler geworden und die Essenzubereitung geht schneller.
Unsere Versorgung heute morgen hat Evans übernommen. So brauchte keiner vom Personal früher aufzustehen. |
Sonnenaufgang
Ich verstecke meine Hände in den Handschuhen, ziehe meine Mütze weit über die Ohren und kuschele mich ganz dicht an Karl-Heinz. Gleich wird mir wärmer. Afrikanische Nächte können mitunter recht kalt werden. Vor zwei Jahren hatten wir sogar Frost. Langsam dämmert es. Trotzdem kann man wenig sehen. Im dichten Buschwald können sich die Tiere gut verstecken. Einzelne Impalaböcke, ein paar Kudus und Halbmondantilopen nehmen vor uns Reißaus. Evans fährt vorsichtig, denn immer wieder versperren Schlammlöcher die Weiterfahrt.
Die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen den Busch. Noch ist sie nicht aufgegangen. Wir bitten Evans, einem Moment zu halten. Es dauert nur ein paar Minuten und wir werden von ihrem grellen Licht geblendet. Ich denke an die Worte von Thomas. Er hat Evans ganz genau erklärt wohin wir müssen. Den Mopanewald haben wir hinter uns gelassen, trotzdem stehen auch hier noch viele hohe Bäume, auch mehrere Schirmakazien. Ich bin in voller Erwartung auf die einzeln stehende Akazie, als Evans eine Vollbremsung macht. Er zeigt nach rechts in den Busch und flüstert: „Dort sind sie“.
Wir können nichts sehen. Wir beobachten die angegebene Stelle eine Weile. Dann auf einmal sehe ich einen Rücken, dann noch einen. Meine Aufregung steigt. Zwei Löwinnen kommen ein Stück auf uns zu, schauen und ziehen sich wieder zurück. Wurden sie durch unser Motorgeräusch aufgeschreckt? Wir staunen erneut über den Evans. Nach der Beschreibung von Thomas hätte ich hier nie die Löwen vermutet. Einerseits bin ich froh, dass sie so weit von uns entfernt mitten im Busch sind, andererseits hätte ich sie gern etwas Näher in Augenschein genommen. Von der Sicherheit ist es hier natürlich viel besser. Schließlich sitzen wir im offenen Fahrzeug. |
Löwenhochzeit
Bei unserem „Hochzeitspaar“ in Savuti hatte ich keine Bedenken. Die waren so mit sich beschäftigt, dass sie von uns überhaupt keine Notiz genommen haben.
Evans erklärt, dass Löwen am Riss besonders aggressiv sind. Er bittet uns, ganz ruhig zu sein. Wir sollen uns nur ganz vorsichtig bewegen, damit der Jeep nicht so sehr ins Schwanken gerät und uns auf keinen Fall herausbeugen.
Löwen sehen den Jeep als geschlossene Einheit Sie können keine einzelnen Personen in ihm ausmachen. Krach oder Veränderungen der Silhouette betrachten sie als Gefahr. Im schlimmsten Fall würden sie sogar angreifen. |
Rings um uns herum sind Löwen
Evans startet den Motor, dreht das Lenkrad nach rechts und fährt mitten hinein in den Busch. Ich bin nahe der Versuchung: “Halt, Halt nicht noch weiter“ zu brüllen. Doch ich verkneife es mir.
Ich traue meinen Augen nicht. Vor uns liegt ein riesiges Löwenrudel. Alle sitzen auf der Lauer und starren uns entgegen. Und der Evans fährt und fährt. Der Abstand zwischen uns und den „Bestien“ wird von Sekunde zu Sekunde kleiner. Dann bleibt er endlich stehen.
Als er dann auch noch den Motor abstellt ist meine Aufregung am Überschäumen. Hoffentlich springt der wieder an, sonst haben die Löwen noch eine leckere Nachspeise. Denn von der Giraffe ist nicht mehr viel übrig.
Inzwischen hat sich auch der Pascha des Rudels den Bauch vollgeschlagen. Als die andern gestern hier vorbeikamen war das Männchen noch nicht mit dabei. Normalerweise ist er immer als Erster am Riss und bekommt die besten Happen ab. Doch gestern hatte er den Anschluss verpasst. Die Weibchen waren clever und haben in seiner Abwesenheit die Beute erst einmal unter sich aufgeteilt.
Wir verhalten uns mucksmäuschenstill. Unter den Löwen tritt wieder Ruhe ein. Wir werden nicht mehr beachtet und sie widmen sich wieder ihrer z.Zt. wichtigsten Aufgabe, dem Fressen. |
Was wird sie wohl über uns denken?
Langsam legt sich meine Aufregung. Karl-Heinz stupst mich an und zeigt auf die Kamera. Ich beginne zu Filmen.
Dann beobachte ich Evans. Er sitzt auf dem Sprung, eine Hand am Zündschlüssel, jederzeit startbereit. Seine Augen kreisen hin und her, hat alles im Blick. Und das muss er auch. Denn inzwischen sind wir von den Löwen regelrecht eingekreist. Etwas weiter entfernt unter einem Strauch entdecke ich ganz kleine Babys. Sie werden noch gesäugt, deshalb nimmt die Mutter sie noch nicht mit zum Riss. Sie pendelt zwischen den Jungen und dem letzten Rest der Beute hin und her. An der Unruhe, die sie gepackt hat sind wir schuld. Denn wir stehen mit unserem Jeep genau im Sichtfeld zu den Kleinen.
Die meisten der Löwen liegen mit ihren prall gefüllten Bäuchen träge in der gerade aufgehenden Sonne. Doch in der Trägheit liegt auch eine gewisse Anspannung. Ich merke, dass wir ununterbrochen beobachtet werden. Immer wieder kommt Unruhe auf. Jedes der Weibchen will noch einen guten Happen abbekommen. Die Kräftigeren verteilen an die Schwächeren Prankenhiebe und wollen sie aus dem Fressbereich vertreiben. Die Schwächeren brüllen als Gegenwehr zurück. Nur einen Halbwüchsigen lässt man ganz in Ruhe an den Überresten nagen. Vielleicht ist es ein angehender Patriarch, dem man schon heute Respekt zollt. |

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