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Eine Reisereportage von Brigitte & Heinz

Inhalt

 
1. Ankunft in Tokyo, erste Eindrücke
 
2. Takayama: Kleinstadt in den Bergen; Teil 1
 
3. Takayama: Kleinstadt in den Bergen; Teil 2
 
4. Kyoto: Einführung & modernes Leben
 
5. Kyoto: nicht nur Pflanzen sind Bonsai
 
6. Kyoto: das Leben in der (Alt)stadt
 
7. Kyoto: Tempel und Schreine
 
8. Kyoto: der Mythos der Geishas
 
9. Essen in Japan
 
10. Japan: Platz ist der grösste Luxus
 
11. Tokyo: Bahnhofsviertel & Asakusa
 
12. Tokyo: Shinjuku & Odaiba
 
13. Tokyo: Akihabara & Ginza
 
14. Tokyo: Ueno
 
15. Tokyo: Shibuya
 
16. Tokyo: Harajuku
 
17. Schlussgedanken

  15. Tokyo: Shibuya  
  Shibuya, Tokyo[1]

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Shibuya hat genau wie der Nachbardistrikt Shinjuku ein Kommerz- und Verwaltungszentrum und ebenso ein Vergnügungsviertel.
Auf der kommerziellen Seite hat Shibuya die grösste Ansammlung von Firmen aus der Informationstechnologie-Branche in Japan und wird deshalb Shibuya Bit Valley genannt.
Das Vergnügungsviertel hat die die grösste Konzentration von Love Hotels (Stundenhotels) der Welt.

Übrigens: Der Umgang mit Regenschirmen wird in Japan auch anders gehandhabt als sonstwo in der Welt. Einfach zur Vorsorge tragen die Japaner keinen Schirm mit sich herum. Wenn es dann doch regnet, kauft man sich einen billigen Schirm, den man bei Einbruch der Trockenheit oft stehen lässt. Wenn man bei Regen (oder Sonne) einen verlassenen Schirm am Strassenrand findet, darf man Ihn ruhig mitnehmen, genauso wie die vielen Schirme die jeweils am Eingang der Gästehäuser zur Verfügung stehen.



Sehenswürdigkeit: Love Hotel Hill

Wohl auch als Konsequenz davon, dass sogar junge japanische Paare in der Öffentlichkeit kaum Gefühle zeigen und die kleinen Wohnungen kaum eine Privatsphäre bieten, gibt es in Japan unglaublich viele Stunden-Hotels.

So befindet sich z.B. in Tokyos Stadtteil Shibuya in der Gegend um die Dogenzaka Strasse, welche auch Love-Hotel-Hill genannt wird, die (angeblich) grösste Konzentration von Stundenhotels in der Welt.
Diese sind oft sehr luxuriös gebaut und offerieren Themenzimmer, welche die meisten Phantasien für ein paar Stunden befriedigen sollten. Um die Anonymität der Kunden zu wahren, sind die Eingänge von aussen nicht einsehbar und zudem von den Ausgängen getrennt. Dort wo man von der Strasse auf die Parkplätze sehen kann, werden die Nummernschilder der Kundenautos vom Hotel abgedeckt. Geld und Zimmerschlüssel werden durch eine schmale Öffnung ausgetauscht, ohne viel Kontakt zwischen der Rezeption und den Gästen. Den gewünschten Zimmertyp suchen sich die Kunden anhand von Bildern auf Flachbildschirmen aus.

  Love Hotel  
  Shibuya, Tokyo[1]

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Sogar junge japanische Paare zeigen in der Öffentlichkeit kaum Gefühle und wir haben deutlich mehr romantische Paare in den Parks von Malaysia gesehen, wo der Islam dominiert.
Natürlich gibt es auch Zeiten da Japaner ihre Gefühle ausleben wollen. Deshalb gibt es in ganz Japan unglaublich viele Love-Hotels (Stunden-Hotels). Am Love Hotel Hill in Shibuya soll es davon die grösste Konzentration der Welt geben.


Soziale Bindungen



Im Vergleich zu westlichen Kulturen zeigt der Japaner viel weniger Individualität und die Gruppe ist von viel höherer Wichtigkeit. Soziale Bindungen halten normalerweise ein ganzes Leben, auf der andern Seite ist es aber für Neuzuzüger recht schwierig in einen Kreis aufgenommen zu werden. Um alle zufrieden zu stellen, wird vom Einzelnen erwartet, dass er Dinge nicht in Frage stellt und keine eigene Meinung äussert. Es wird nicht erwartet, dass man jeden in seinem Umfeld mag, aber es wird erwartet, dass man an jeden in seinem Umfeld denkt.

Japaner nach ihrer Meinung zu fragen ist wie wenn man sie foltern würde. Auf der andern Seite scheinen all diese Regeln nicht mehr zu gelten, wenn Japaner betrunken sind. In diesem Zustand traut nun jeder seine Meinung zu äussern weil er dann überhaupt keine Angst davor zu haben braucht, dass sich jemand an seine „törichten“ Bekenntnisse erinnern würde, wenn sie alle wieder nüchtern sind!

  nach den Überstunden in den Ausgang  
  Shibuya, Tokyo[1]

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Dass ganze Abteilungen nach Arbeitsschluss, wann auch immer dies sein mag, gemeinsam zum Essen und (exzessiven) trinken gehen, ist üblich und wird von jedem erwartet. Wir waren oft in Restaurants, welche sich nach 22 Uhr mit Gruppen von Berufsleuten füllten. Vom Chef, über die Sekretärin bis zum Laufburschen waren alle mit von der Partie.


  lauter Clubs  
  Shibuya, Tokyo[1]

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Wir haben aber auch oft gesehen, wie ganze Bürogemeinschaften nach der Überzeit ins Rotlicht-Milieu ausschwärmen. Dies betrifft wohl vor allem männliche Berufsleute. Wir haben vorher noch nirgends so viele und so riesige Rotlicht-Milieus gesehen wie in Tokyo. Ganze Strassenzüge beherbergen ausschliesslich Sex-Clubs und es können über hundert pro Gebäude sein. Ausländer sind in den echten japanischen Etablissements unerwünscht. Allerdings existieren auch Nachtklubs mit ausländischen und englischsprechenden Türsteher. Sie sind wohl ein Indiz dafür, dass dort speziell für Ausländer etwas geboten wird… Geschäft ist Geschäft…

Tabus in der Gesellschaft und ein auf’s Minimum reduziertes Familienleben führt zu weiteren neuen Geschäftszweigen. Wir haben erfahren, dass bei allen japanischen Business-Hotelzimmern der Fernseher mit einem münzbetriebenen Sexkanal „ergänzt“ ist.


  choose a boy  
  Shibuya, Tokyo[1]

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Es wird im Rotlicht Bezirk nicht nur für Herren, sondern auch für Damen etwas geboten.

Von den japanischen Frauen wird nach der Hochzeit erwartet, dass sie ihren Beruf aufgeben. Ihre Ehemänner kommen aber regelmässig erst zwischen Mitternacht und 1h morgens von der Arbeit (und so…) nach Hause und stehen um 4h30 bereits wieder auf, um die erste U-Bahn zurück zur Arbeit zu nehmen. Deshalb können Paare dann aber so wenig Zeit miteinander verbringen, dass es nur normal ist, dass sich die japanischen Frauen zu Hause langweilen und deshalb anderweitig ihrem Vergnügen nachgehen.

Ganze Fassaden von Hochhäusern, welche nichts anderes als Sex-Clubs beherbergen, sind dekoriert mit nummerierten Fotos von jungen Männern mit ausgefallenen Frisuren, die sich selbst anbieten. Die interessierte Frau muss am Empfang nur noch die Nummer ihres (temporären) Traummannes nennen. Wenn Besetzt, einfach eine andere Nummer wählen oder eine halbe Stunde warten...


  Werbung vor der Karaoke Bar   
  Shibuya, Tokyo[1]

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Für neue CD’s wird oft auf riesigen Trucks Werbung gemacht. Die Werbung ist wie eine beleuchtete Reklametafel und wird vom Laster durch die nächtlichen Strassen gefahren. Dieses Bild entstand vor einer Karaoke Bar die auch in Japan, genauso wie in ganz Asien sehr beliebt sind.


  golden week  
  Shibuya, Tokyo[1]

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Zeit ist in Japan ebenso wertvoll wie Platz. Auch im heutigen Japan wird von vielen Firmen erwartet, das die Arbeitnehmer aus „Dankbarkeit“ gegenüber der Firma auf (den grössten Teil) ihres Urlaubsanspruchs verzichten. Diese wiederum revanchiert sich bei den dankbaren Arbeitern, indem sie ihnen alle 10-15 Jahre einen zweiwöchigen Urlaub finanziert.

Die Regierung versucht intensiv, die Arbeitnehmer dazu zu bewegen, dass sie ihren jährlichen Urlaubsanspruch auch einziehen. Jedes Jahr im Frühling feiert man in Japan die goldene Woche. Anfänglich waren es drei Feiertage innerhalb einer Woche gewesen. Die Regierung erklärte schlussendlich noch einen Brückentag zusätzlich als Feiertag und später die ganze Woche zu einer nationalen „goldenen Woche“, damit die Bevölkerung doch endlich einmal NICHT arbeite!
Natürlich konnte dies bei weitem noch nicht alle davon abhalten.

Unsere letzten Tage in Tokyo fielen mit der Ferienperiode der goldenen Woche zusammen, aber sowohl die Post, als auch alle Geschäfte und Restaurants waren nach wie vor 7 Tage geöffnet. Es fühlten sich nach wie vor immer noch viele Büroangestellte verpflichtet zur Arbeit zu gehen. Diejenigen die ausnahmsweise die Gelegenheit wahrnahmen und mit ihren Familien ausgingen, konnten sich aber nun etwas lockerer kleiden d.h. sie trugen etwa das, was Menschen in anderen Ländern zur Arbeit tragen würden…braun und beige dominierte.



Mehr dazu im Reisebericht Japan: Unerwartetes an allen Ecken und Enden

   

 

© Brigitte & Heinz aus der Zentralschweiz, 5 Einträge im Gästebuch von Brigitte & Heinz






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