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Eine Reisereportage von Berthold Baumann

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Eine Wanderung in den Tombstone Mountains im kanadischen Yukon

Auszug aus meinem Buch "Nachts sind alle Tiere Bären"
Yukon Rundmails - Teil V

  In den Grabstein-Bergen  

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Ich nahm mein Kanu wieder aufs Dach und fuhr durch Regen die 75 Kilometer bis zum Tombstone Mountain Zeltplatz. Wegen des Wetters war ich ein wenig frustriert. Sollte meine Wanderung zu den Tombstones zum vierten Male im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen? Außerdem war ich weit weniger fit als im letzten Jahr und dachte mit Schrecken an das äußerst anstrengende Bush whacking, das mir bevor stand. Wenn das wieder nicht klappen sollte, so überlegte ich während der Fahrt, würde ich die Berge einfach überfliegen und mit Dynamit dem Erdboden gleich machen, so dass ich nicht mehr dahin müsste. Ich entschloss mich, es auf jeden Fall zu versuchen – also die Wanderung, nicht die Sprengung, jedenfalls vorerst nicht.




Ich meldete mich bei der zukünftigen Park Rangerin (da die Regierung des Yukon es noch immer nicht geschafft hatte, daraus den seit Jahren geplanten Territoriumspark zu machen). Sie erkannte mich vom letzten Jahr wieder. Da ich Karte und Wegbeschreibung noch hatte, waren die Infos für die Tour und das Ausleihen des bärensicheren Lebensmittelbehälters schnell erledigt. Ich plante dieses Mal jedoch nicht den am Grizzly Creek beginnenden Rundweg, sondern durch das Tal des Nordarms des Klondike Rivers hin und auch wieder zurück zu wandern, unterbrochen durch einen Tag, am dem ich mich dort oben herum treiben wollte.



Da ich übrigens gerade an einem Artikel über die Tombstones arbeite, lasse ich hier ein paar Worte davon zum Park einfließen: Der Tombstone Mountains Park soll 2.164 Quadratkilometer umfassen, die beiderseits des Dempster Highways liegen. Von etwa Kilometer 54 bis 114, hauptsächlich auf der westlichen Seite, aber auch östlich davon. Er umfasst die schroff geformten Gipfel und die funkelnden Seen der Tombstones, die zu den Ogilvie Mountains gehören, sowie die ausgedehnte Tundralandschaft der Blackstone Uplands. Vergleichbare Tundra findet man sonst nur viel weiter nördlich in der Arktis. Eine Region, die seit vielen Jahren bei Naturliebhabern und Jägern gleichermaßen beliebt ist. Sie diente schon vor Jahrhunderten zwei Indianerstämmen als ergiebiges Jagdgebiet. In dieser Gegend gibt es viele seltene Pflanzen, weil sie während der letzten Eiszeit nicht von Gletschern überzogen war.

Geologie, Wetter, Viecher und Pflanzen



Verschiedene Einflüsse haben die Landschaft geformt: Das Aufeinandertreffen tektonischer Platten hat den Grund aufgeworfen, der vor zwei Milliarden Jahren Meeresboden war. Ströme von Magma und Gletscher sind darüber gezogen und darüber hinaus hat die Witterung über hundert Millionen Jahren daran genagt. In den Tombstones sind oberhalb der Baumgrenze alpine Pflanzen zu finden und die Hügel sind von verschiedenen Sträuchern dicht bedeckt. Währenddessen dominieren in den baumlosen Blackstone Uplands Flechten und Moose. Es ist sowohl die Heimat vieler Vögel, Murmeltiere, Dallschafe, Karibus und Elche, als auch ihrer Jäger, den Greifvögeln, Schwarz- und Grizzlybären. Überall stößt man auf die Pfade der Karibus, die seit mehr als einer Million Jahre durch diese Region ziehen.

  Am Angelcomb Mountain  

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Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei -7°, im Januar bei -23° und arktische Tiefdruckgebiete können sie im Winter für Wochen auf -40° und weniger fallen lassen. Unter anderem deshalb ist dieser Gegend 1910/11 eine Hundeschlittenpatrouille der Mounties erfroren, die berühmte „Lost Patrol“. Obwohl es im Sommer – Juli bis Mitte August – bis weit über 25° warm werden kann, sollt man jederzeit auf schnelle Wetterumstürze gefasst sein. Die südlichen Ogilvie Mountains sind die Hauptbarriere der im Herbst von Alaska herauf ziehenden Stürme. So fallen rund 450 Millimeter Niederschlag pro Jahr – mehr als die Hälfte davon als Schnee, in höheren Regionen auch ganzjährig. Die Bergkette blockiert ebenfalls das im nur eine Stunde entfernten Yukontal herrschende kontinentale Klima.




Vor der Schutzhütte stand ein Van von Pauls Firma. Jau, das senkte meine Laune noch mehr. Aber es war eine mir unbekannte Führerin, die mit drei Deutschen und einem Schweizer Touristen unterwegs war. Abends hingen die Wolken sehr tief, es regnete und so gab es keine geführte Wanderung (na Andre, hast du die noch in guter Erinnerung?) sondern einen Bärenfilm. Nein Jungs, nicht das was ihr meint, sondern einen Lehrfilm über das richtige Verhalten im Umgang mit Schwarz- oder Grizzlybären. Anschließend fuhr ich zu dem kleinen Platz oberhalb des Tombstone Mountains Aussichtspunktes am Dempster Highway und begab mich in Rusty zur Ruhe.

Starten oder nicht?



Als ich früh morgens aufwachte, standen Wolken am Himmel, aber dazwischen war viel blauer Himmel. Ich überlegte hin und her, ob ich gehen sollte oder nicht, weniger wegen des Wetters, als wegen schlechter physischer und – aufgrund der miesen Yukon Kanutour – auch nicht so guter mentaler Form. Ich entschied mich, zu gehen, meldete mich im Besucherzentrum ab und wanderte los. Der Himmel klarte weiter auf und ich lief auf guten Pfaden am rechten Ufer des Klondikes entlang. Dann durchquerte ich den Fluss an einer flachen Stelle in meinen Trekking-Sandalen.




 

© Berthold Baumann, 6 Einträge im Gästebuch von Berthold Baumann
Kanada ist ein Spezialgebiet von Berthold Baumann.





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