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Eine Reisereportage von Berthold Baumann

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Auszug aus meinem Buch "Da draußen ist ein Tier!"
Yukon Rundmails - Teil II



Wenigstens hatten wir dieses Mal auf dem Weg die Küste entlang nach Anchorage gutes Wetter und konnten die auf der Hinfahrt ausgefallenen Fotos nachholen. Wir fuhren etwa 70 Kilometer vor dem Denali auf einen Campingplatz. Drei Angler warnten uns vor einer Grizzlybärin mit einem Jungen, was uns natürlich veranlasste, sofort da gucken zu gehen. Waren aber leider schon weg.

  Mt. McKinley  

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Da auch am nächsten Morgen das Wetter noch gut war, fuhren wir einen Kilometer zu einem Aussichtspunkt zurück. Es war das erste Mal, dass ich den Mt. McKinley live in seiner vollen Pracht zu sehen bekam. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Es war auch das letzte Mal.


  Zerschossens Elchschild  

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Bereits als wir am Visitor Centre des Parks waren, war alles bewölkt. Da wäre ich auch beinahe rückwärts raus gegangen: Rund 200 Leute bevölkerten den Raum. Glücklicherweise machten die meisten nur eine Busfahrt über die einzige Straße des Parks. Private Pkws sind nicht erlaubt, bzw. nur für einen kleinen Teil der Strecke oder unter besonderen Umständen. Wir suchten uns einen Bereich aus, in dem wir wandern wollten. Für jeden Bereich sind nur eine gewisse Anzahl Backpacker zugelassen, so dass wir unsere Unit erst für den übernächsten Tag buchen konnten. Anschließend fuhren wir wieder raus und suchten uns einen Campingplatz. Der kostete uns die Kleinigkeit von zehn Dollar plus fünf Dollar für Holz. Ich war so baff, dass ich einfach bezahlte. Der Preis von 2,5 Dollar für die Dusche schockte uns dann kaum noch. Der Abend war mit Klamotten zusammenstellen und packen sowie reichlich Regen gut ausgefüllt.




Für den nächsten Morgen nahmen wir den Camper-Bus für die Rucksack-Touristen. Der ist günstiger als der normale Touri-Bus und es fahren artverwandte Seelen mit. Wir wollten bis zum Wonder Lake, dem Ende der Parkstraße mit und dann wieder zurück bis zu unserem Campingplatz innerhalb des Parks fahren, damit ich mal alles zu sehen bekam. So sieht man auch die meisten Tiere. Erwähnte ich übrigens schon, dass es regnete? Die Landschaft war trotzdem großartig: Zuerst mit ziemlich verkrüppelten Bäumen bewachsen und nachher eher Tundra. Berge, Gletscher und riesige Urstromtäler. Ein Schrei „Bear at ten o'clock“, ließ unseren Busfahrer bremsen, alle auf die linke Seite des Busses springen – vorne war halt twelve o'clock –, die Zwergschiebefenster aufreißen, Fotoapparate mit riesigen Objektiven aus den Rucksäcken nehmen und alles was sich bewegte wurde fotografiert. Was meine Mitreisenden bei dem Regen in einem schaukelnden Bus einen Bären in zwei Kilometer Entfernung erkennen ließ, blieb mir verborgen.

  Karibu - Geweihstange  

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Doch wir sahen einige Bärinnen mit Jungen, dank der Adleraugen der anderen. Einmal angeblich auch einen richtigen Elchbullen mit Geweih, aber ich glaube immer noch nicht, dass es diese Tiere wirklich gibt. Seit zehn Jahren – der ersten Tour in Schweden – renne ich den Viechern jetzt hinterher, aber alles was ich sehe sind Kühe und Kälber. Auch dieses Mal wollten sie mich reinlegen: Man sah nicht den Elch – er soll angeblich von einem Busch verdeckt worden sein – sondern nur ein riesiges Geweih. Wenn die Jungs vom Park glauben, mich verarschen zu können, indem sie irgend etwas basteln, das nach einem riesigen Geweih aussieht und das auf den Boden legen und mir erklären, dass an dem Geweih ein riesiger Elchbulle dranhängt, dann müssen sie aber früher aufstehen!!!!!!!!!!!!

  Wolf  

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Unser Busfahrer, Chuck, erzählte uns auch von einer anderen interessanten Geschichte aus dem Park: Vor zwei Wochen sei ein junger Elchbulle – also einer mit nur einem kleinen Geweih – von Wölfen gejagt und verletzt worden. Danach war er verschwunden, am Vortag erneut von den Wölfen verletzt worden und stände jetzt direkt an einer Brücke am Fluss. Wir kamen an diese Brücke, sahen den verletzten Elch, drei Wölfe in gehörigem Abstand drum herum sowie eine sehr interessierte Grizzlybärin mit zwei Jungen. Den Wölfen war der Elch noch zu fit – seine Hufe sind tödliche Waffen und zwei Wölfe waren bei der Jagd bereits verletzt worden – und die Bärin hatte Angst, dass sich die Wölfe über ihre Jungen her machen würde, wenn sie sich an den Elch machen würde. Man hörte fast jeden im Bus Luft holen, als der Elch sich hin legte und alle glaubten sein Ende sei nah. Auf der Brücke sahen wir rund 20 Profifotografen, die von der Story Wind bekommen hatten und nun wie die Geier auf ihre Beute lauerten. Während der ganzen Weiterfahrt, wurde unser Driver durch seine Kollegen über den aktuellen Stand unterrichtet und gab das an uns weiter. Einige glaubten die Wölfe würden das Rennen machen, andere tippten auf die Bären und nur ein Spaßvogel setzte auf die Raben.






 

© Berthold Baumann, 6 Einträge im Gästebuch von Berthold Baumann





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