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Eine Reisereportage von Tilo S.

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Eine kurze Zeit später kam dann die Braut herein. Eine robust gebaute Schwedin mit langem Kleid und blonden, geflochtenen Haaren. Das sind meine ersten Erinnerungen an sie. Die Schwedin hat sich ebenfalls sehr gefreut, dass ihnen jemand hilft, eine rechtmäßige Hochzeit hinzubekommen. Es sollte auch wirklich gleich losgehen.



Die Schwedin und der Marokkaner setzten sich neben die beiden Beamten mit ihren großen Büchern. Im Zimmer blieben ansonsten alle Männer sitzen. Frauen waren immer noch nicht dabei. Die eigentliche Prozedur der Vermählung war irgendwie paradox. Der Fernseher war mit voller Lautstärke an und alle Anwesenden schauten angestrengt hin. Lediglich das Brautpaar, die beiden Beamten und ich waren nicht auf den Fernseher konzentriert. Die riesigen Bücher wurden geöffnet und die persönlichen Daten des Brautpaares eingetragen. Anschließend wurden meine Daten ebenfalls in den Büchern vermerkt. Nachdem das Eintragen beendet war, mussten wir drei jeweils noch unterschreiben. Immerhin kamen einige der Anwesenden noch auf die Idee, Fotos vom Brautpaar und auch Fotos vom Paar mit mir zu machen. So war die ganze Zeremonie wenig feierlich und lief eher zwischen einer Soap und den Nachrichten im Fernsehen ab. Schräg. Naja, mir soll es egal sein. Es war ja nicht meine Hochzeit.



Dann erklärte man mir, dass es nun noch eine Feier geben würde. Leider war die Hochzeit nicht lange im Voraus geplant worden und deshalb sollte die Feier nicht so groß ausfallen. Dennoch machten sich Mitglieder auf den Weg, etwas Alkohol heran zu bekommen. Sie müssen dafür einen langen Weg mit dem Auto auf sich genommen haben, denn Sie brauchten einige Zeit dafür. Allerdings hatte es sich gelohnt. Die Gastgeber konnten Wein, Bier und Whiskey anbieten. So konnte es doch eine richtige Feier geben. Zum Feiern teilte sich die Gesellschaft allerdings weiterhin entsprechend ihres Geschlechts auf. Die Frauen machten es sich in einem kleineren Raum gemütlich. Die Männer saßen mit mir zusammen in einem großen Zimmer um 2 runde Tische. Nach und nach wurden Essensdelikatessen vom Feinsten serviert. Lamm, Fisch und anderes Fleisch soviel wir wollten. Dazu Gemüse und diverse andere Beilagen. Alle aßen gemeinsam mit etwas Brot von dem leckeren Speisen. Noch heute nach einigen Jahren ist das Essen eine der prägenden Erfahrungen an diesem Tag gewesen. Als einzige Frau kam ab und zu wenigsten die Braut zu uns herein. Sie war anscheinend immer noch froh, dass ich mitgekommen war. Naja, bei dem Essen lass ich mich nicht lumpen.



Nun interessierte mich doch, wie es zu dieser ungewöhnlichen Zusammenstellung und den komischen Umständen der Hochzeit kam. Die beiden hatten sich per Internet-Chat kennen gelernt. Die Schwedin war das 2. Mal in Marokko. Da ihr Bräutigam nicht nach Schweden einreisen durfte, bedeute dies, dass sie sich erst das 2. Mal insgesamt sahen. Beim ersten Mal war sie für 2 Wochen und diese Mal für 5 Wochen in Meknes. Drei Tage nach der Hochzeit musste sie schon wieder zurückfliegen. Ich fand es ganz schön eilig, so schnell zu heiraten, aber ich habe ihnen das nicht gesagt. Nicht, dass ich mich mit diesen Bedenken aus der Veranstaltung manövrieren würde. Auch mit den anderen Freunden des Bräutigams habe ich mich gut unterhalten. Auch sie waren wirklich angenehme Zeitgenossen.



Eigentlich passierte an diesem Abend nicht mehr viel. Deshalb wunderte es mich, dass wir doch sehr lange bis in den Morgen hinein gefeiert haben. Im vernebelten Morgengrauen bin ich dann mit einem der Gäste zurück zur Jugendherberge gefahren. Aus dem Plan vom Anfang des Abends, gemütlich schlafen zu gehen, wurde jetzt eh nichts mehr. Aber dafür hatte ich ein Erlebnis gehabt, an das ich mich wohl mein Leben lang erinnern werde. Ich packte also meinen Rucksack voll und konnte gleich zum Busbahnhof fahren, um den Bus nach Nador zu nehmen.



Zu dieser Geschichte gibt es keine eigenen Bilder von mir, da ich in der Hektik, mit der die Hochzeit begonnen hatte, nicht an Fotos gedacht hatte. Ein anderes Zeichen für die Schnelligkeit ist, dass ich mich an keinen der Namen des Brautpaares am nächsten Tag erinnern konnte und sie deshalb hier als „Schwedin“ und „Marokkaner“ bezeichnet werden. Es interessiert mich aber schon sehr, was aus ihnen Heute geworden ist. Es gibt wahrscheinlich kaum eine Möglichkeit, dies zu überprüfen.



 

© Tilo S. aus Berlin, In das Gästebuch von Tilo S. schreiben






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