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| In dieser kleinen Geschichte geht es um eine recht ungewöhnliche Hochzeit, bei der ich vor einigen Jahren in der marokkanischen Stadt Meknes war. |
Seit einigen Wochen war ich in Marokko unterwegs. Dabei bin ich neben vielen anderen Orten auch nach Meknes gekommen. Meknes ist eine Stadt, die weniger spektakulär als die übrigen 3 Königsstädte im Maghreb ist, aber, wie sagt man, „ihren ganz besonderen Reiz“ hat. Hier war ich nun für ein paar Tage. Übernachtet habe ich in der Jugendherberge der Stadt. Da es Winter und damit auch Nebensaison war, waren neben mir nur noch 2 marokkanische Gäste in der Herberge. An diesem Tag habe ich mir die Stadt angeschaut. Außerdem hatte ich mich um ein Busticket für den nächsten Tag gekümmert. Ich hatte geplant, weiter nach Nador im Norden zu fahren, um meinen Freund Boudjema zu besuchen. Eigentlich wollte ich den Abend ganz gemütlich in der Hergerbe verbringen. Viel anderes hätte es nicht zu tun gegeben. |
Als ich in die Herberge zurück kam, es war schon dunkel geworden, sprach mich der Pförtner der Herberge ganz aufgeregt an. Mit meinen wenigen Französischkenntnissen habe ich verstanden, dass es um eine Hochzeit geht. Meine erste Assoziation mit diesem Wort war dabei sehr geprägt von einigen Erfahrungen in den letzten Tagen. Ob ernsthaft oder spaßeshalber wurden mir das eine oder andere Mal die Tochter des Hauses zur Heirat angeboten. Damit von der Familie wenigstens die Kinder auf den gelobten Kontinent Europa kommen. „Non, merci“, habe ich immer dankend abgelehnt. Allerdings schien in dieser Situation in der Herberge etwas anders zu sein. Der Pförtner meinte seine Sache ernst. |
Also, es gab eine Hochzeit. Ce soir. Heute Abend. Naja, schön, dachte ich mir, nur was habe ich damit zu tun. Ok, also versuchen, weitere Brocken aus dem Französischen zu verstehen. Ich sollte hier ein paar Minuten warten, bis jemand mir die Sache auf Englisch noch einmal erklären sollte. Der Pförtner telefonierte und nach kurzer Zeit kam in einem Taxi ein recht ordentlich gekleideter Mann an. Er war Anfang bis Mitte 30 und begrüßte mich in sehr gutem Englisch, was ja in Marokko nicht immer gegeben ist. Nun erklärte er mir die Lage. |
Sein Bruder wollte eine Schwedin heiraten. Anscheinend benötigen aber die schwedischen Behörden für die Anerkennung einer Hochzeit in Marokko einen Trauzeugen, der christlich ist. Und da ich ja aus Deutschland komme war ich anscheinend prädestiniert, ein Christ zu sein. Ich sollte also Trauzeuge werden. Naja, auf dem Papier hatte er mit dem Christ sein sogar Recht, aber die geistige Haltung dazu hatte ich nicht. Wie ich mir schon dachte, war ihm das in diesem Moment egal. Ich fragte ihn weiter, wann denn die Hochzeit stattfinden sollte. Ich muss gestehen, dass ich über seine Antwort sehr überrascht war. Es sollte sofort losgehen. Die Beamten, die die Hochzeit leiten sind schon bereit, auch das Essen ist schon gemacht und die Gäste warten schon. Ich meine, ich war der einzige in der Herberge, der augenscheinlich aus dem christlichen Europa kam und auch sonst wäre es ad hoc schwierig gewesen, einen Ausländer für solch eine Aktion in Meknes aufzutreiben. Aus meiner Sicht war ich weit und breit der einzige, der ihnen helfen konnte und dennoch war alles schon vorbereitet? In dem Moment war ich auch wahrscheinlich der einzige, der sich diese Frage gestellt hat. |
Ich musste für den offiziellen Hochzeitsakt noch schnell meinen Pass einstecken und dann bin ich so wie ich war, verschwitzt vom Tag in meinem Armeepullover und einer Jeans mit dem Bruder des Bräutigams im Taxi losgedüst. Wir mussten den Bräutigam von seinem Haus abholen und ihm natürlich erst einmal mitteilen, dass es mit der Hochzeit nun ernsthaft losgehen kann. Wir sind zunächst eine Weile durch die Stadt gefahren. In einem Viertel mit eher reicheren Einfamilienhäusern sind wir angehalten. Das Haus war großzügig eingerichtet. Alle Leute waren sehr feierlich angezogen und relativ hektisch. Als erstes hat mich also der Bruder des Bräutigams zum Bräutigam selbst gebracht. Der hat sich riesig gefreut. Auch er konnte ein sehr gutes Englisch. Er hatte eine wirklich angenehme und überlegte Art, was für meinen Geschmack in Marokko selten vorkommt. Wir blieben aber nur recht kurz in dem Haus. Bald ging es mit einem anderen Taxi weiter. Der Rest der Familie fuhr uns mit ihren Autos hinterher. |
Langsam verließen wir die Gegend mit den Einfamilienhäusern und kamen in ein Viertel, das nur aus Betonhochhäusern bestand. Vor einem dieser Häuser hielten wir an. Das Hochhaus erschien weniger für eine Feier geeignet zu sein als das Einfamilienhaus zuvor. Aber mal schauen, wie es sich von Innen anlässt. Mit dem klapprigen Fahrstuhl sind wir einige Etagen nach oben gefahren. Hier wurde uns eine der Wohnungstüren geöffnet. Die Wohnung kam mir sehr groß vor und vom Flur gingen viele Zimmer ab. Soviel konnte ich in den wenigen Bruchteilen von Sekunden erkennen bis die Hektik losging. |
Die Männer und Frauen in der Wohnung waren sichtlich erfreut über das Erscheinen der restlichen Familienmitglieder. Allerdings war ich natürlich eine Überraschung, über die sich fast noch mehr gefreut wurde. Keiner konnte ja ahnen, dass sich jemand zu dieser Geschichte überreden lässt. Ich wurde gleich in einen großen Raum der Wohnung geführt. Hier waren um das ganze Zimmer herum Sofas aufgestellt. Auf diesen Sofas versammelten sich ausschließlich die Männer, die in der Wohnung waren. Alle Plätze waren belegt. In einer Ecke saßen noch 2 weitere Männer, die sich vom Rest durch ihre bürokratische Erscheinung und 2 riesige Bücher unterschieden. Ich wurde von allen herzlich begrüßt. Mir wurden eine ganze Menge von Fragen gestellt, die die Männer interessiert hatte. Woher? Wohin? Wie lange in Marokko? Frau? Meine Arbeit? Und so weiter. Ich beantwortete so gut es ging alle Fragen. Allerdings wunderte ich mich, wie nun die Hochzeit ablaufen sollte. Frauen waren nicht zu sehen. Das fand ich auch nicht verwunderlich, da ja eine häusliche Trennung der Geschlechter bei Besuchen in Marokko normal ist. Aber wo war die Braut? Und sollte es wirklich gleich losgehen? Und waren die beiden Herren mit ihren großen Büchern schon die „Standesbeamten“? |

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