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Eine Reisereportage von Franz Frey

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  Hamar-Frauen vor der Bull-Jump-Zeremonie   

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Wir überquerten das Flußbeet und setzten uns auf einem schattigen Platz an der Uferböschung. Nicht weit von uns wurden die Haare des Bräutigams hergerichtet. Der Bullenspringer wird hier Bräutigam genannt, eigentlich zu Unrecht. Denn der Bullensprung ist für ihn nur die Berechtigung, zu heiraten. Er muß deswegen aber nicht. Die Hamar-Frauen führten ihre Tänze auf und machten dazu aus ihren Tröten einen Höllenlärm. Erinnerte ganz stark an Fußballfans. Nach einer halben Stunde war die Zeremonie plötzlich unterbrochen. Polizei und eine vornehm gekleidete Dame erschienen und neben uns entwickelte sich eine angeregte Diskussion.


  Die Folgen des Festes  

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Wir wußten nicht recht, was los war. Unser Guide klärte uns auf, daß die Regierung das Schlagen der Frauen verbieten wolle, das aber unbedingt zum Ritus gehöre. Wenn man diese schreckliche Narben am Rücken der Frauen sieht, muß man das unterstüzten. Andererseits wollen die Frauen aber unbedingt geschlagen werden, weil sie nur durch das Ertragen der Schmerzen ihre Liebe beweisen können. Ich glaub, man macht es sich da zu einfach. Auch wenns noch so grausig ist, man kann einem Volk nicht einfach die Kultur verbieten. Man kann höchstens versuchen, sie zu überzeugen.


  Hamar-Frauen vor der Bull-Jump-Zeremonie   

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Die Polizei und ein paar Männer gingen rüber ins Dorf und nun begann das große Warten. Ein paar mal führten die Frauen einen Tanz auf, dann setzten sie sich wieder in den Schatten. Es passierte weiter nichts, außer aufgeregten Diskussionen überall.


  Warten auf den Bull-Jump  

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Die Hamar-Männer kamen aus dem Dorf zurück und begannen ihre Beine mit weißer Farbe zu verzieren. Der Bräutigam machte inzwischen ein Nickerchen. Es hieß, daß er Malaria habe und sich recht schwach fühle. Die Hamar-Frauen tauchten ihre Haare in rotem Lehm. So verging fast der ganze Nachmittag, ohne das irgendwas passierte. Nur die Touristen wurden immer mehr. Dafür hat es jetzt am späteren Nachmittag völlig aufgerissen und je später es wurde, desto unglaublicher wurde das Fotolicht.


  Warten auf den Bull-Jump  

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Unser Guide hat dann das herrschende Problem erfahren: Ein Freund des Bräutigam hat bei einer Zeremonie, trotz des neuen Verbotes, ein Mädchen geschlagen und wurde ins Häfen gesteckt. Ohne Freund wolle er aber den Bullensprung nicht machen. Man war überein gekommen, daß der Freund aus dem Häfen geholt werde. Das lag aber ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, Richtung Omorate, und es würde noch einige Zeit dauern, bis man ihn bringen werde.


  Warten auf den Bull-Jump  

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Mir machte die lange Warterei eigentlich recht wenig aus. Den Bullen-Sprung mußte ich nicht unbedingt sehen. Ich war völlig fasziniert von diesen unglaublichen Motiven in einem grandiosen Licht. Nur die Touris nervten gewaltig, eine solche Ansammlung von Dummköpfen wie sie hier versammelt waren, hab ich auf meinen letzten 20 Reisen zusammen nicht kennengelernt. Zwei junge Mädchen taten sich dabei besonders hervor, weil sie glaubten, unbedingt mit den Hamar-Frauen mittanzen zu müssen und das Fotografieren somit unmöglich machten. Auch die wütenden Schreie der Fotografen schienen sie nicht zu stören. Und keiner schaute, ob er jemandem ins Bild rennt oder nicht.


  Warten auf den Bull-Jump  

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Nun schien es loszugehen. Die Hamer-Frauen eilten ein paar hundert Meter flußaufwärts. Da wurde eine große Kuhherde ins Flußbeet getrieben und von den Frauen lautstark mit ihren Tröten lautstark begleitet. Aber die Herde ging nur bis zur Straße und bog dann ab. Allgemeine Ratlosigkeit und es hieß wieder warten.


  Warten auf den Bull-Jump  

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Unter den Zuschauern war auch ein Holländer. Er ist seit ein paar Jahren mit einer Hamer-Frau verheiratet und er erzählte, daß auch er vor der Hochzeit den Bull-Jump machen mußte. Wie es heute weitergehen soll, das wußte aber auch er nicht.



   

 

© Franz Frey, 27 Einträge im Gästebuch von Franz Frey






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