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Eine Reisereportage von Gerhard Maucher

Inhalt

 
Das Basislager 'Plaza de Mulas'
 
Gedenktafel 'Matthias Zurbriggen'
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Es ist kalt, minus 12°C. Ich schlafe mit Schüttelfrost, phantasiere bei leichtem Fieber und bin am nächsten Morgen wie erschlagen, kann mich kaum aus meinem Schlafsack erheben.
Die anderen kümmern sich um mich, geben mir heißen Tee zu trinken und gegen 11 Uhr sind wir bereit, den Abstieg in Angriff zu nehmen. Das Wetter hat umgeschlagen, es stürmt und an einen Aufstieg zum Gipfel ist nicht zu denken.
Ich gehe angeseilt und mit einer Hand am Rucksack meines Vordermanns, so kommen wir einigermaßen voran.
Nach einer Stunde treffen wir auf Dan und Rich aus Colorado,
die ebenfalls meinen Abstieg unterstützen. Am Nachmittag sind wir am Plaza de Mulas.
Damian hat inzwischen per Funk den dort stationierten Doktor
informiert. Ich werde durchgecheckt: Puls 92, Blutdruck 120/70, leichtes Fieber 37,5°.
Im Arztzelt päppeln sie mich mit Suppe und Saft auf, ich hätte viel zu wenig getrunken, 4 - 5 Liter am Tag seien
hier notwendig, wird mir erklärt.



Die nächsten 2 Tage bleibt das Wetter schlecht, ich habe mich inzwischen entschieden, keinen zweiten Versuch auf den Gipfel zu wagen und begnüge mich, den gegenüberliegenden 5658m hohen Cima Bonete zu besteigen, von dem man eine herrliche Rundsicht über die Anden und bis zur chilenischen Küste hat.



Beim Basislager steht ein Hotel, das für 25 USD in 4-Bett-Zimmern Übernachtungen anbietet und zudem Vollverpflegung gewährleisten kann.

Der Speisesaal ist drapiert mit Fahnen, T-Shirts, Erinnerungen an den Cumbre (Gipfel) aus Spanien, Frankreich, Kanada, Polen, Griechenland, Südafrika, Kolumbien und Mexiko.

  Gedenktafel 'Matthias Zurbriggen'  

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An der Wand unter vielen Aufklebern erinnert ein unscheinbarer Zettel an Thomas Kopp aus Bayern, Erstbesteiger des Südpfeilers 1947 und an seine Frau Gerlinde. Sie war 1950 die erste Deutsche auf dem Gipfel.
Am alten ursprünglichen Plaza de Mulas wurde zum 100jährigen Jubiläum der Erstbesteigung am 14. Januar 1897 dem aus Saas Fee stammenden Schweizer Bergführer Matthias Zurbriggen zu Ehren eine Gedenktafel angebracht.




Alexander ist heute im zweiten Versuch auf den Gipfel zu steigen, gescheitert.
Auf 6430 Metern mußte er wie alle anderen umkehren, zuviel Wind und Kälte, man kam nicht mehr vom Fleck.

Der Gipfel



Alexander ist heute im zweiten Versuch auf den Gipfel zu steigen, gescheitert.
Auf 6430 Metern mußte er wie alle anderen umkehren, zuviel Wind und Kälte, man kam nicht mehr vom Fleck.

Am nächsten Morgen wache ich mit einer Entzündung des linken Oberkiefers auf. Der Doktor gibt mir Antibiotika und empfiehlt, baldmöglichst ins Tal abzusteigen.

Alexander hat inzwischen den dritten Anlauf zum Gipfel unternommen, und wie er am nächsten Tag zu berichten weiß, erfolgreich. Bei angenehmen Temperaturen konnte er den Grat, die letzten Höhenmeter über die Traversie und die 240 m hohe Rinne Canaleta zum Gipfel gehen.



Zur gleichen Zeit unterwegs waren zwei argentinische Marinesoldaten. Unvorsichtig sich ein Paar Steigeisen teilend, glitten sie in der Traversie aus. Einer stürzte zu Tode, der andere kam mit Bein- und Rippenbrüchen davon.
Jedes Jahr kommen mehrere Leute an diesem Berg um, der mit seinen fast 7000 Metern über die Normalroute ohne alpinistische Schwierigkeiten zu begehen ist.
Trotzdem hat dieser Berg fast 100 Tote bisher gefordert. Die widrigen Wetterverhältnisse, die Höhe und schlicht Unvorsichtigkeit kosten diese Opfer.



Am selben Nachmittag packen wir unser Zelt zusammen und steigen bis Confluencia ab. Trotzdem wir alles übrige Essen verschenkten, haben wir fast 20 kg schwere Rucksäcke zu tragen, die mit der Zeit schwer auf den Schultern lasten.

So sind wir froh am darauffolgenden Morgen wieder in Puente
del Inca zu sein und uns durch Dusche und Körperpflege zurück zu zivilisierten Menschen zu verwandeln.

   

 

© Gerhard Maucher






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