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Eine Reisereportage von Tilo S.

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Dieser Bericht handelt von einem Fußballspiel in Bangladesh, bei dem ich als Spieler mitgemacht habe.



Im Jahr 2004 habe ich im Süden des südasiatischen Landes Bangladesh ein Praktikum bei einer lokalen NGO gemacht. Während meiner Zeit dort war ich unter anderem in dem Dorf Chokaria etwa 100 km südlich von Chittagong, der zweitgrößten Stadt des Landes. Da generell in Bangladesh nicht viele Ausländer und erst recht nicht viele davon in dieser ländlichen Region sind, hat sich meine Ankunft dort recht schnell herumgesprochen. Unter anderem haben davon einige Studenten gehört, die bei einem Fußballturnier teilgenommen haben. Eine Mannschaft ganz aus der Nähe von Chokaria hatte es im Laufe des Turniers bis in das Finale geschafft. Nun hatte jemand dieser Mannschaft erzählt, dass ein Deutscher für eine Weile bei der NGO in Chokaria ist. Anscheinend hat die Mannschaft angenommen, dass alle Deutschen Fußball spielen können. Sicherlich sind die meisten bekannten Deutschen in Bangladesh Fußballer, aber nicht jeder Deutsche hat Interesse an diesem Spiel. Mit mir hatte man allerdings Glück und ich war wirklich an Fußball interessiert und habe auch selbst aktiv gespielt. Allerdings nur in einer kleinen Freizeitmannschaft in Berlin.



An einem Nachmittag kamen nun einige Vertreter der Studentenmannschaft in das Büro der NGO und wollten anfragen, ob ich bei ihnen für ein Spiel mitmachen könnte. Zunächst wollte ich das Angebot ablehnen, da ich keine wirklichen Schuhe zum spielen mithatte und in meiner Zeit in Bangladesh keinen Meter gerannt bin. Deshalb war ich voll außer Form. Allerdings wurde ich ein zweites und drittes Mal gefragt und habe mich schließlich überreden lassen. Was gab es dabei zu verlieren, einfach mit ein paar Studenten zu kicken.



Als erstes musste ich dafür sorgen, das wenigstens meine normal Straßenschuhe vom Hauptbüro der Organisation in Chittagong nach Chokaria kommen. Es war ein so warmes Klima, dass normale Schuhe für mich hier sinnlos erschienen und ich hatte deshalb nur Sandalen mit. Glücklicherweise kam an einem der nächsten Tage ein Mitarbeiter aus dem Hauptbüro nach Chokaria. Er hatte den Auftrag, meine eingestaubten Schuhe mitzubringen. Für den Tag des Spiels wurde verabredet, dass ich gegen Mittag abgeholt werde. Um diese Zeit des Tages kam also ein Mini-Taxi auf das Gelände der NGO gefahren. Der Weg zum Spielort betrug immerhin 40 Kilometer. So bin ich mit 2 anderen Mitarbeitern der NGO zum Spielort gefahren. Es ging über die typischen Strassen des flachen Landes, die meistens auf höher gelegten Dämmen angelegt und aus Ziegeln zusammengesetzt sind. Da diese Bauart sehr störanfällig ist, gab es viele Schlaglöcher und Unebenheiten, die die Fahrt sehr in die Länge gestreckt haben. Schließlich kamen wir in das Dorf, wo das Spiel stattfinden sollte und wir sind mit dem Mini-Taxi gleich zum Fußballplatz gefahren. Der Platz lag neben einem großen Schulgebäude, das über die gesamte Länge einer Seite des Platzes reichte. Außerdem gab es kleine Baracken daneben, die als Umkleidekabinen dienten. Plötzlich hatte sich nach unserer Ankunft eine große Traube von Menschen wie aus dem nichts um uns versammelt. Alle wollten mich anscheinend sehen. Es wurden immer mehr Menschen und der Andrang wurde immer größer. Er wurde so groß, dass wir fast in die Umkleidekabinen flüchten mussten und die beiden Mitarbeiter der NGO waren damit beschäftigt, die Menge draußen zu halten.



Nun teilten mir die zwischenzeitlich eingetroffenen Verantwortlichen des Turniers mit, um welches Spiel es sich eigentlich handelt. Das Spiel war das Finale eines Turniers zwischen allen Studenten Bangladeshs. Also, dass es sich um so ein wichtiges Spiel handelt, hatte ich nicht gedacht und wurde nun auch leicht nervös, da ich nicht einschätzen konnte, auf welchem Niveau gespielt wurde. Meine Nervosität wurde allerdings noch größer, als die Spieler meiner Mannschaft eintrafen. Sie waren alle etwas jünger als ich, aber sehr kräftig. Sie stellten sich mir einzeln vor und ich fragte sie, wo sie sonst Fußball spielen würden. Einige Spieler waren Profispieler und spielten sogar in der U21-Nationalmannschaft Bangladeshs. Und ich sollte mit ihnen ohne Praxis in der letzten Zeit zusammen spielen? Ich konnte nur hoffen, dass ich sie nicht zu stark enttäuschen würde, ganz davon zu schweigen, für sie eine Verstärkung zu sein. Also hieß mein Motto für das Spiel: Schadensbegrenzung.



Da es vor den Umkleidekabinen und auch um das Feld herum immer voller wurde, blieben wir drinnen und machten uns dort warm. Das heißt, wir sind ein paar Mal durch den Raum gejoggt und haben uns einige Runden den Ball zugeschoben. Anschließend gab es eine kurze Spielberatung. Ich sollte wirklich von Anfang an mitspielen und ein erfahrener Spieler sollte für mich Platz machen. Da ich so groß war und eine Position ohne viel Rennerei haben wollte, bekam ich den Platz des Vorstoppers vor einem klassischen Libero. Der Libero war einer derjenigen, die schon in der Nationalmannschaft spielten und er gab mir noch einige Tipps. Nun ging es aus den Kabinen auf das Feld hinaus. Selbst diese wenigen Meter mussten wir uns lange durch das Gedränge kämpfen. Beim Vorbeigehen habe ich den Mitabeitern der NGO noch meine Kamera in die Hand gedrückt und sie sollten einige Fotos machen. Ich war geschockt von der Menge der Zuschauer. Dicht an dicht um das gesamte Feld standen Menschen. Auch über alle Etagen des Schulgebäudes waren Zuschauer verteilt. Es saßen sogar Leute in den Kronen der angrenzenden Bäume. Au man! Und ich mittendrin. Ich kam mir vor, als ob einige tausend Augenpaare auf mich gerichtet waren und von mir Gottesgleiches erwarteten.



Auf dem Feld konnten wir uns noch kurz weiter warm machen. Unsere gegnerische Mannschaft aus Dhaka war hier ebenfalls schon eingetroffen. Der Platz war wirklich nicht sehr gut, aber immerhin an den meisten Stellen mit Rasen überdeckt und er hatte eine ausreichende Größe. Der Vorteil für mich auf dem Feld war wenigstens, dass die Außenlinie eine unsichtbare Grenze darstellte, über die die Zuschauer nicht treten werden. Wenn sie es doch taten, wurden sie von Ordnern mit Stöcken zurückgeschlagen. Echt brutal, aber es schien die einzige Möglichkeit, nur 22 Spieler und einen Schiedsrichter auf dem Platz zu haben.




 

© Tilo S. aus Berlin, In das Gästebuch von Tilo S. schreiben





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