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| Mit dem Bus ins Tal des Zanskar |
Ich schrecke im Bett in Srinagar, Kaschmir, hoch. Es ist 5.00 Uhr morgens. Was war heute? Ach ja, richtig, es geht weiter Richtung Zanskar, in den Himalaya. Mein Entdeckergeist meldet sich und ich bin hellwach. Habe mich entschlossen, alleine weiterzureisen, ist für mich immer noch die beste Art der „Entdeckertour“ anderer Länder.Ich lasse mich zuerst mit meiner kleinen „hauseigenen Gondel“, einer Shikara, ans Ufer und dann mit Jeep zum Busbahnhof bringen.
Ich lasse mich zuerst mit meiner kleinen „hauseigenen Gondel“, einer Shikara, ans Ufer und dann mit Jeep zum Busbahnhof bringen.Die vor einigen Jahrhunderten 14-tägige Karawanenreise nach Zanskar ist inzwischen eine schon fast bequeme Reise von 48 Stunden geworden, unterbrochen von einer Übernachtung im moslemischen Kargil, 2.650 m hoch.
Die vor einigen Jahrhunderten 14-tägige Karawanenreise nach Zanskar ist inzwischen eine schon fast bequeme Reise von 48 Stunden geworden, unterbrochen von einer Übernachtung im moslemischen Kargil, 2.650 m hoch. |
An die Stelle der Esel und Packpferde sind öffentliche Busse, buntbemalte Lastautos und grün gestrichene Fahrzeuge der Armee getreten. Unser Bus schlängelt sich über eine mehr oder weniger asphaltierte Straße, die sich über hohe Pässe, enge Schluchten und trockene Steinebenen unbeschreiblichen Ausmaßes schlängelt. Über teilweise noch alte Holzbrücken, dem Flusslauf folgend, führt die Straße durch enge Täler. Kleine Dörfer mit sattgrünen Wiesen, Pfirsich-, Birn- und Apfelbäumen säumen den Weg. Schneebedeckte Berge, Nadelwälder und Weideland oberhalb der Baumgrenze werden sichtbar. Der Militärposten gibt die Passstraße für den Zivilverkehr frei, es beginnt der steile, kurvenreiche Anstieg auf einer engen Schotterstraße, die bereits von manchem Reisenden vergangener Zeiten gefürchtet wurde. Der Dras-Fluss wird zum ständigen Begleiter. Wilder Rhabarber wächst im ganzen Tal. Ponies, Kühe, Schafe und Ziegen finden ausgezeichnetes Weideland. Kleine Ortschaften sowie das Militärlager sind die einzige Unterbrechung bis sich 2 Flüsse vereinen und die Straße nunmehr am reißenden Suru-Fluss entlanggeht. |
Wir sind in Kargil, endlich. Mir ist dieser Ort unheimlich. Ein knappes Viertel dieses Distrikts wurde von Pakistan besetzt, dessen Grenze nur 30 km entfernt ist. In den vergangenen Jahren wurde dieser Ort oftmals beschossen und es schleicht sich ein beklemmendes Gefühl bei mir ein. Abends wird mir nach plötzlichem Stromausfall im Fotoladen zugeflüstert, mich doch schnell in mein Hotel zu verziehen. Dies trägt natürlich nicht gerade zu einem ruhigen Schlaf bei… Um 3.00 Uhr morgens schleiche ich mich mit Sack und Pack zum stockdunklen Busplatz. Mir ist schlecht – wie immer bei solch nächtlichen Busfahrten, mich nervt einfach alles und jeder. Irgendwie steige ich dann doch in den richtigen Bus nach Padum, „Hauptstadt“ der südlich des Indus gelegenen Provinz Zanskar ein.
Dann beginnt sie: die wundervollste und interessanteste, aber auch anstrengendste und schlimmste 16-stündige, 240 km lange Busfahrt meines Lebens:
Dann beginnt sie: die wundervollste und interessanteste, aber auch anstrengendste und schlimmste 16-stündige, 240 km lange Busfahrt meines Lebens: |
Im Sommer 1978 legte das erste motorisierte Fahrzeug diesen ehemals zehntägigen Fußmarsch unzähliger Karawanenzüge auf der neuen, bislang unasphaltierten Straße zurück. Seit diesem Bau bricht in die Kultur des Mangels die Barbarei des Überflusses ein. Der Alltag wird beeinflusst von Handel, Tourismus und indischen Bürokraten, die auch diese Täler modernisieren möchten. Die Technik beeinflusst nunmehr Leben und Mentalität der Bevölkerung, die Jahrhunderte lang den eigenen Kräften und Tieren als Mittel der Fortbewegung vertraute. Infolge der Motorisierung wird sich der bisherige Rhythmus um ein Vielfaches beschleunigen und die jahrhundertealte tibetische Kultur verändern. Zweifellos wird die neue Straße die Zanskaris dem erwünschten Fortschritt nach westlichem Muster näher bringen, doch wie viel Nutzen das Land daraus zieht, bleibt offen….Es ist ihnen zu wünschen, dass sie keinen Schaden an ihrer Seele nehmen. (Näheres dazu in meinem Bericht über Ladakh) |
Es fängt an mit immer wiederkommenden indischen Kontrollpunkten: kleine Zeltstädte mit „Militärhonorationen“, in denen ich mich als Ausländer melden und in ein Buch eintragen muss. Dieses soll sich nun die nächsten Hunderte von Kilometern unaufhörlich wiederholen. |
Der reißende Fluss Zanskar
Eigentlich ist die „Straße“ nur ein halbtrockener Flusslauf mit riesigen Gesteinsbrocken darin, an einigen Stellen knöcheltiefem Wasser und vielen anderen Gemeinheiten. |
Aber es beginnt auch ein Märchen. Ich erreiche nämlich das Auenland der Hobbits. Ja, ihr habt richtig gehört. Doch der Reihe nach: |

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