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Eine Reisereportage von nepalgoods

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1987 reiste ich zum ersten Mal nach China. Ich war voller Vorurteile und hatte bis dahin nur gehört, dass es fast unmöglich sei, alleine und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in China zu reisen. Ich flog nach Hongkong und dann weiter nach Xian. Meine Stationen waren danach Chengdu - Jiuzaigou - Kunming - Guilin - Yangshuo - Guangzhou. Hier gebe ich eine kleine Übersicht über die Stationen dieser Reise mit Zitaten aus meinem Reisetagebuch.

  Hochhäuser  
  Hong Kong, Hongkong[22]

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Ich kam in Hongkong an und war sofort fasziniert von dieser lebhaften Stadt.

"Auf Hongkong-Island gehe ich zu Fuss weiter und verliere mich im Gewirr der Hochhäuser. Es gibt Über- und Unterführungen. In den Hochhäusern befinden sich funkelnde Ladenpassagen mit weiten Plätzen, Spring-brunnen und Cafés. Unvermittelt stehe ich am Statue Square, wo am frühen Morgen die Chinesen ihre Taiji-Übungen machen. In kleinen Gruppen absolvieren sie ihre Bewegungen im Zeitlupentempo. Auch in den abgelegensten Ecken des Parks sind sie beim Schattenboxen. Ein Mann steht auf einem flachen Stein und singt volltönend Opernarien."


  Kind mit einem Phönix aus Zucker  

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Im Zug von Xian nach Chengdu lerne ich Anita kennen, mit der ich die nächsten zwei Wochen zusammenreise.

Wir besuchen in Chengdu u.a. den Zoo.

"Erleichtert aufatmend stehen wir nach der langen Busfahrt vor dem pompösen Eingang des Zoos. Das Panda-Gehege ist nicht weit dahinter. Es gibt ein grosses Aussengehege, in dem sich zwei Pandas träge bewegen. Alles sieht ein wenig schmuddelig und ungepflegt aus. Die Smogwolke hängt so tief, dass es dämmrig ist am hellen Tag! Für Fotos ist es zu dunkel. Ich wende mich von den Pandas ab. Menschen sind mir doch interessanter. Gleich nebenan stellt ein Junge auf einer Marmorplatte Figuren und Drachen aus flüssigem Zucker her, der auf der kalten Platte sofort hart wird. Kleine Kinder stehen mit grossen Augen dabei und freuen sich, wenn ihnen der Papa so etwas als Lutscher kauft. Es sind zarte zauberhafte Gebilde, die viel zu schade zum Aufessen sind. Strahlend nimmt ein kleines Mädchen mit grossen roten Schleifen im Haar einen bunten Phönix in Empfang. Am liebsten möchte ich mir so etwas als Souvenir mitnehmen, aber leider sind die kleinen Kunstwerke viel zu zerbrechlich. Sehnsüchtig schaue ich der Kleinen nach."


  Stadtmauer in Xian  

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Mich hielt es nicht lange in Hongkong. Schnell hatte ich einen Flug nach Xian gebucht. Xian ist von seiner alten Stadtmauer umgeben. Wunderschön!

"Als ich in Xian aus dem Flugzeug steige, scheint die Sonne. Der Flughafen mit einigen so gar nicht international aussehenden Ge-bäuden döst in der Mittagshitze. Die Abfertigungsräume sind fast zu klein für die vielen Passagiere aus unserer Maschine. Passkontrolle, Gesundheitskontrolle, Gepäck, Zollkontrolle. Alles dauert ewig. Warten, warten... Man darf kein chinesisches Geld einführen. Also schaue ich mich als erstes nach der Bank um. Mit etwas Mühe finde ich einen Verschlag in einer Ecke, auf dessen verstaubten Glaswänden „Bank of China“ steht. Nach den dicken Schichten Staub auf den Tischen und Telefonen darin zu urteilen, war diese Bank schon lange nicht mehr geöffnet und würde so schnell auch nicht wieder öffnen.

Ich stehe etwas erstaunt, verwirrt und hilflos auf dem Platz vor dem Flughafen und weiss nicht, wie es weiter-gehen soll. Taxen, Busse - alles ist da direkt vor mir und doch ausserhalb meiner Möglichkeiten. Wie mögen wohl die Taxifahrer in diesem kommunistischen Land reagieren, wenn ich ihnen USDollar anbiete? Vielleicht gibt es in der Umgebung eine Bank. Ich weiss zwar nicht genau, wo dieser Flughafen liegt. Aber es ist sicher viel zu weit, um mit dem schweren Rucksack zu Fuss in die Stadt zu gelangen. Da stehen die Taxifahrer und schauen mich erwartungsvoll an.

Ich wende mich zurück zum Flughafengebäude, zögere, weiss nicht, was tun. Da sehe ich ein Pärchen wie-der, das mit mir im Flugzeug gesessen hat. Er ist mit Sicherheit Amerikaner, doch sie eindeutig Asiatin, Chinesin. Ich hatte gleich den Eindruck, dass sie Chinesisch sprechen kann. Ich frage sie, ob sie mir helfen können, Geld wechseln ... Sie laden mich ein, mit ihnen im Taxi in die Stadt zu fahren. Sie heisst Sue und er Walter. Sie haben ein Zimmer im Renmin-Hotel reserviert. Das passt mir gut, denn ich weiss aus meinem Reiseführer, dass das Renmin-Hotel mitten in Xian liegt. Ein guter Ausgangspunkt für meine eigene Unter-kunftssuche! Das Renmin-Hotel selbst wird zu teuer für mich sein."


  Männer im Viertel der Hui.  

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In den alten Gassen des Viertels der muslimischen Minderheit der Hui lief das Leben noch sehr beschaulich ab. In der Sonne spielten die Kinder auf der Strasse und die Männer spielten ein altes Brettspiel.


  Terracotta-Armee  

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Die bekannteste Sehenswürdigkeit Xians ist natürlich die sog. Terrakotta-Armee. I

"Natürlich will ich sofort die berühmte Tonarmee des ersten Kaisers von China sehen. Das Ausgrabungsgelände liegt einige Kilometer ausserhalb von Xian. Im Hotel hatte mir ein Westler gesagt, dass vom Bahnhof aus Minibusse zu der Tonarmee fahren. Ich solle nach „Bing Ma Yong“ fragen. „Bing Ma Yong“ heisst „Soldat und Pferd Figur“, die chinesische Umschreibung für die Tonarmee.

Am Bahnhof stehen Hunderte von Bussen. Taxen und Rikschas warten. Tausende von Menschen laufen herum. Wie soll ich da den richtigen Bus finden? Ich spreche Chinesen an einer Bushaltestelle an: „Bing Ma Yong?“ Einer weist auf die andere Strassenseite. Als ich zögere, geht er mir voraus, winkt mir freundlich lächelnd zu, ihm zu folgen. Er bringt mich zu einem Minibus, in dem schon ein paar Leute sitzen, alles Chine-sen. Ich frage wieder „Bing Ma Yong?“ Alle nicken erfreut. Hier bin ich richtig! Nur spricht leider niemand Englisch. Egal! Da muss ich durch!

Ein junger Bursche knöpft mir das Fahrgeld ab. 10 Yuan. Ist das nun zuviel oder doch der richtige Preis? Ich bin da etwas misstrauisch, habe das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden. Doch wie soll ich mich, ohne Chinesisch zu können, beschweren? 10 Yuan sind nicht viel Geld, ca. 5,- DM. Für die Chinesen ist das viel, für mich allerdings ist es immer noch sehr billig.

Der Busfahrer wartet, bis auch der letzte Platz besetzt ist. Dann fährt er los. Ein junger Mann erzählt über Mikrofon etwas auf Chinesisch. Der Reiseleiter! Alle schauen mich neugierig an. Ob die merkwürdige West-lerin wohl etwas versteht? Sie versteht rein gar nichts und fragt sich mal wieder, worauf sie sich da wohl eingelassen hat. Ich sitze in einem Bus mit fast unbekanntem Ziel, ich weiss nicht, wie lange die Fahrt dauern wird und wie ich wieder zurück nach Xian kommen soll. Ausserdem knurrt mir jetzt schon sehr vernehmlich der Magen."


  Die herrliche Bergkette  

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Da Anita unbedingt tibetische Dörfer sehen wollte, beschlossen wir, zusammen nach Jiuzhaigou zu fahren, einem Nationalpark mit 5000m hohen Bergen und idyllischen Dörfern. Von dem allerdings so gut wie gar nichts in unseren Reiseführern stand.

"Ich kann die wunderbare Landschaft, die uns umgibt, gar nicht richtig geniessen. Die Berge sind dicht mit Mischwald bewachsen. Die Blätter strahlen in roten und goldenen Herbstfarben. Unter uns tost das Wasser des Flusses am Fusse der Schlucht. Von allen Seiten ergiessen sich Wasserfälle in das Tal. Wir verlassen den Fluss und fahren einen Pass hinauf. Die Bewaldung wird weniger. Als wir die höchste Stelle erreichen, herrscht dichter Nebel, was nicht gerade zu unserer Beruhigung beiträgt. Es ist empfindlich kalt und feucht. Von weitem glänzen Schneefelder. Hinter dem Pass hält der Bus für eine kurze Pause. Ich stehe zitternd vor Kälte eine kurze Weile in der frischen Luft. Ich atme tief ein. Das ist besser als die gelbe Smogwolke von Chengdu!

Die Abfahrt ist dann etwas angenehmer. Der Weg ist zwar nur noch ein besserer Feldweg, aber es befindet sich kein tiefer Abgrund mehr neben der Strasse. Das einzige, was mich jetzt noch stört, sind meinen wunden Knie und der alte Chinese, der auf der anderen Seite des Ganges ständig hustet und spuckt. Manchmal komme ich mir vor wie auf dem Ausflug eines Lungensanatoriums.

Da wir schon lange kein Dorf mehr passiert haben, gibt es auch keine Gelegenheit für ein Mittagessen. Glücklicherweise haben wir unsere Kekse, die Cola und die kleinen Kiwis. Wir malen uns aus, dass das Wein und köstliche Delikatessen wären. Essen ist für einige Zeit unser einziges Gesprächsthema. Wir haben viel Spass dabei. Zwischendurch merken wir, dass der Busfahrer ein paar Mal besorgt aus dem Fenster am Bus entlang schaut. Probleme?

Im ersten Ort nach dem Pass hält er an. Nach eingehender Prüfung steht fest, dass ein Reifen gewechselt werden muss. Erst jetzt fällt uns auf, dass die Reifen eigentlich gar kein Profil mehr haben. Wie gut, dass wir das nicht vorher gesehen haben! Denn dann hätten wir noch mehr geschwitzt."






 

© nepalgoods aus Hannover, In das Gästebuch von nepalgoods schreiben
China ist ein Spezialgebiet von nepalgoods.





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