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Erstmals war ich im Dezember 96/Jänner 97 im Jemen. Schon damals war ich von diesem unglaublich vielfältigen Land fasziniert. Heuer war mein mein Urlaub limitiert, weil ich schon im März 5 Wochen in Südamerika gewesen bin. Kein einziger freier Tag und tägliche Überstunden waren die Basis, daß ich doch noch 3 Wochen Urlaub zusammenkratzen konnte. Für die Ziele die ich eigentlich im Sinn hatte zuwenig, für ein Land wie Jemen gerade richtig. Dennoch ist mir ein ganz schwerwiegender Fehler bei der Planung unterlaufen den ich erst merkte als alles gebucht war. Ich hatte den Beginn des Ramadan übersehen und in allen Reiseführern wird explizit davor gewarnt, im Ramadan in ein islamitisches Land zu fahren.
Die Anreise:
Diesmal hab ich es mir mit der Anreise einfach gemacht und einen billigen Flug von Linz nach Frankfurt gefunden. Ich startete um 4h mit meinem Auto nach Linz und hatte bald den ersten Schock als ich merkte, daß ich den Reiseführer und die Broschüre mit dem Tourverlauf zu Hause liegen gelassen habe. Zum Umkehren war es aber zu spät und keine wirkliche Tragik wars ja auch nicht, trotzdem ärgert man sich über die eigene Blödheit. Mit der Morgenmaschine gings also die eine Stunde von Linz nach Frankfurt und dort erstmals in den Buchladen. Die hatten eine Riesenauswahl von Reiseführern aus aller Welt, nur nicht von Jemen. Ein zwar angenehm kleiner aber alter und inhaltsleerer Marco Polo war die einzige Ausbeute. Den Vormittag verbrachte ich zuerst erfolglos mit der erfolglosen Suche nach dem Yemenia Schalter. Irgendwann fand ich dann doch eine Schautafel die mir sagte, daß ich am falschen Terminal war. Also mit dem Skytrain zum Terminal 2. Der Schalter war noch zu, deshalb ging ich einmal auf ein letztes Hefeweizen und weil es das letzte sein würde, zur Vorsicht noch eins. Das Einchecken war überaus langwierig weil die Yemeniten mit einer Unmenge Taschen reisten. Dann der nächste Schock im Duty Free. Weil der Flieger in Rom eine Zwischenlandung macht, gabs keine Zigaretten, gottseidank war man wenigstens beim Whisky gnädig. Das Gate war sehr schnell gefunden, auch weil die vollverschleierten Frauen zu auffällig waren. Ich war überrascht über den guten Zustand des fast neuen Airbus, dafür starteten wir gleich mit einer halben Stunde Verspätung. Zuerst eineinhalb Stunden nach Rom, dort war eine Stunde Aufenthalt und dann gings weiter. Das Chicken war, wie immer im Flugzeug, nichts besonderes und wie insgesamt befürchtet begann die bierlose Zeit schon im Flieger, dafür gabs die Stange Marlboro Light um 10$. Um 21h landeten wir in Sana´a. Die Temperatur war ganz angenehm, die Paßkontrolle dafür unangenehm lang. Zielsicher hab ich mich wieder enmal in der Reihe angestellt wo es mit Abstand am längsten dauerte. Wenn man sich so eine Stunde anstellt, kommen einem viele Gedanken und Fragen. Wie es die verschleierten Frauen bei der Paßkontrolle machen, diese Frage blieb unbeantwortet. Ich kam als einer der letzten zum Gepäcksband, das war bereits abgeschaltet und nach langem Suchen fand ich meine Tasche irgendwo in der Ecke stehen. Beim Ausgang wartete schon Arif, unsere Guide. Die Warterei auf die vorbestellten Taxis war schon deshalb recht angenehm, weil es endlich wieder was zu rauchen gab. Durch die fast menschenleere Innenstadt fuhren wir eine halbe Stunde zum "Sam-City" Hotel. Nach jemenitischer Bewertung fantasievoll mit 4 Sternen bedacht, war es wie alle jemenitischen Hotels doch eher schmuddelig und abgewohnt. Dennoch blieb es das beste Hotel auf der Reise. Der Guide hatte angeboten, mit uns noch Abendessen zu gehen. Weil ich müde war und zudem noch kein Geld gewechselt hatte, verzichtete ich. |
Blick über das Wadi Dhar
Whisky sei dank, hab ich bis nach 5h geschlafen, gerade recht um das Stativ aufzubauen und ein paar Fotos vom Sonnenaufgang über der Altstadt gemacht. Dann erst runter in die Rezeption um Geld zu wechseln. In mühsamen Englisch wurde mir dort erklärt, daß die Preise für den Dollar im Hotel sehr hoch und im Suk sehr niedrig sind. Wußte ich auch, aber ich brauchte nunmal Rial. Der Rezeptionist war zwar über so viel Arbeit am frühen Morgen nicht sehr erfreut, hat mir dann widerwillig aber doch 20 Dollar gewechselt. Nun gings zum Frühstück, das eigentlich sehr gut war, besonders das noch warme Fladenbrot hat sehr geschmeckt. Da erst um 9h Abfahrt war, bin ich noch etwas in die Stadt um das günstige Morgenlicht zu nutzen, das richtige Motiv wollte aber einfach nicht vorbeilaufen und ich wollte nicht allzuweit vom Hotel weg, weil ich mich ja nicht auskannte. Dann gings endlich los, wir verteilten uns auf die drei Jeeps um gleich den ersten Mitreisenden zu vergessen, aber das merkte der Reiseleiter auch erst später. Nach einer halben Stunde raus aus Sana´a bogen wir von der Straße ab und fuhren eine kurze Anhöhe rauf. Hier wurde mir erstmals bewußt, daß ich doch schon einmal in Jemen war. Der Anblick vom Hochzeitsfelsen über das Wadi Dhar mit seinem alles überragenden Palast ist tatsächlich faszinierend, den vergißt man nicht. |
Dar al Hadschar
Das kleine Wadi Dhar ist nur 15km von Sana´a entfernt und recht fruchtbar. Es werden Trauben und der für die Grundversorgung der männlichen Bevölkerung so wichtige Kat angebaut. Angeblich soll der Kat aus dem Wadi Darh der beste in der Umgebung von Sana´a sein. |
Frauen in der Einheitstracht am Hochzeitsfelsen
Der Hochzeitsfelsen hoch über dem Wadi Dhar ist ein beliebter Rastplatz für die Jemeniten und an Freitagen feiern hier die Hochzeitsgesellschaften (natürlich nur die Männer), zumal sich der Hügel auch hervorragend für Schießübungen auf die gegenüberliegenden Felsbänder eignet. Und kein Jemenit wird - zumindest im Norden - zu einer Feier ohne Kalaschnikow kommen. Leider war aber an dem Tag kein Freitag und lt. unserem Guide Arif war kurz vor Beginn des Ramadan auch eine ganz schlechte Zeit für Hochzeiten. Also hieß es, sich mit dem Ausblick auf das Wadi begnügen und der war ja wirklich nicht schlecht. |
Dar al Hadschar (Felsenpalast)
Wir bestiegen wieder unsere Landies und kurvten runter ins Tal zur Attraktion des Wadi Dhar, dem Felsenpalast des letzten Imam. Bei meiner ersten Jemenreise 1996/97 wurde er gerade renoviert und wir konnten nur bis zur Eingangstür. Diesmal hatten wir mehr Glück und durften rein. Es lohnt vorallem wegen der Aussicht auf das Wadi. Der Palast selbst wurde 1789 gebaut und 1930 auf die heutigen 5 Stockwerke erweitert. Heute ist er unbewohnt und dient als Museum. |
Gamerija im Dar al Hadschar
Im Palast selbst sind die Küche und die Wasserversorgung interessant. Im Mafran, wie der schönste Raum in jedem jemenitischen Haus genannt wird (dient vornehmlich den Katrunden der Männer), sieht man besonders schöne, farbige, halbrunde Oberlichten, die Gamerija genannt werden. Nach der Besichtigung des Palastes gings die schwache halbe Stunde retour nach Sana´a und nach einem ganz kurzen Zwischenstopp bei unserem Hotel zur Altstadtbesichtigung. |
Häuser in der Altstadt
Wir fuhren mit den Jeeps die wenigen hundert Meter bis zur "Zailer". Das heißt übersetzt "abfließendes Wasser" und in der Tat, bei meinem ersten Besuch in Sana´a wurden hier noch die Autos im Bachbett gewaschen. Heute ist es eine viel befahrene Straße, die bei Regen aber unter Wasser stehen soll. Kein Wunder also, daß mir hier überhaupt nichts bekannt vorkam. Ich merkte sehr schnell, daß in der Altstadt die letzten acht Jahre irrsinnig viel restauriert wurde. Gabs damals neben ein paar wunderschönen alten Häusern überwiegend Ruinen, Dreck und Baustellen, sind der Großteil der 6000 Altstadthäuser heute frisch renoviert, auch wenn man fallweise bei genauem Hinschauen merkt, daß sich die Renovierung auf das Drüberpinseln beschränkt haben muß. Aber es ist kein Zweifel: Seit die Unesco 1985 ihr Rettungsprogramm für die Altstadt begann, ist viel geschehen und die Rettung ist auch eindeutig gelungen. |
In der Altstadt
Daß sich in Sana´a viel geändert hat, riecht man zuerst einmal. Hats beim ersten Besuch noch gewaltig gestunken, ist davon nichts mehr zu merken. Die Altstadt galt noch vor 10 Jahren als minderes Wohnviertel. Leute mit Geld siedelten an die Pheripherie der Stadt ab, in die leergewordenen Häuser zogen ärmere Bevölkerungsschichten, so fehlte die Basis zur Renovierung der Häuser und man sah mehr Ruinen als unversehrte Häuser. Nach den Renovierungen der UNESCO hat auch da ein Umdenken stattgefunden. Die Altstadtwohnungen sind wieder begehrt, auch wenns natürlich infrastrukturelle Nachteile gibt. Denn eine Zufahrt mit Autos ist in den engen Gassen, wenn überhaupt, nur mit Umwegen möglich. Schlecht für die Einwohner, gut für den Touristen, denn der Verkehr hält sich in Grenzen. Auch sieht man immer wieder die sehr aktive Müllabfuhr, für Jemen eine Besonderheit, denn üblicherweise landet der ganze Müll auf der Straße, wie in all den Orten zu sehen, wo es keinen Tourismus gibt. Die Altstadt ist also zweifellos sauberer geworden.
Meiner Meinung nach hat sie aber auch etwas an Flair verloren. Zusehr wurden viele Häuser nach Einheitsmuster wieder aufgebaut, zusehr und unerbittlich wurden mit rot-brauner Einheitsfarbe drübergepinselt, häufig auch über die marode Fassade. Nur mehr wenige Häuser, wie hier zu sehen, kann man im Originalzustand sehen, und ich fand diese Abschnitte interessanter. |

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