 |
Die heurige Herbstreise führte nach Äthiopien. Ich wurde vor der Reise natürlich viel gefragt, warum gerade Äthiopien?
Äthiopien ist eines der aller ärmsten Länder der Welt und wir assozieren mit diesem Land vorallem Hungersnöte und Elend. Klar, gibts auch, und auch nicht zu knapp. Aber Äthiopien ist halt auch eines der landschaftlich schönsten Länder der Welt und kulturell (natürlich nach Ägypten) das interessanteste Land Afrikas. Äthiopien ist aber nicht nur wunderschön, sondern auch sehr groß und deshalb hat sich die Reise auf die Region nordlich der Hauptstadt, also auf die alten christlichen Hochkulturen im Hochland, beschränkt. In den Süden möcht ich gerne im nächsten Jahr.
Diesmal hatte ich die Reise bei Pineapple-Tours gebucht, einem österreich-deutschen Veranstalter, die wiederum haben die Reise bei Hess-Travel-Ethiopia bestellt, einem der größten äthiopischen Reiseanbieter.
Nach einem fast endlosen Sommer im Büro, ohne einen Tag Urlaub, gings am 27.Oktober um Viertel nach acht am Abend endlich wieder los. Aufgrund der ungünstigen Abflugzeit war die Anreise alles andere als gemütlich. Mit dem Zug nach Attnang-Puchheim, von dort weiter mit dem Eurocity nach München Ostbahnhof und mit der S8 zum Airport. Um halb vier am Morgen kam ich am Flughafen an und mußte die Zeit bis zum Öffnen des KLM Schalters totschlagen. Um 3/4 7 startete der Flieger zum Schiphol-Airport in Amsterdam und zu Mittag gings dann endlich weiter mit einem Airbus der KLM von Amsterdam nach Khartoum.
Ich hatte einen Fensterplatz ergattert und der Flug war von Beginn an überaus interessant. Zunächst einen tollen Blick auf die österreichischen Alpen, dann Schlafpause über dem Mittelmeer und mit der Ankunft in Afrika wurde es wieder interressant. Ich hab im Vorfeld sehr viel schlechtes über die KLM gehört, muß diese Linie aber verteidigen. Airbus war fast neu, hatte tolles Boardprogramm und nur das Essen war wie immer im Flugzeug. Ein paar mal überquerten wir den Nil und erst von der Luft wird einem bewußt, welch immense Bedeutung dieser Fluß für die Leute in dieser Region haben muß. Knapp vor Sonnenntergang landeten wir in Karthoum, der Hauptstadt des Sudan. Dort gabs einen Tankstopp und dann gings weiter eine gute Stunde nach Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien.
|
Sonnenaufgang
Der Bole International Airport in Addis ist eigentlich ein überraschend moderner Flughafen, das Anstellen bei der Einreise dauerte nicht allzulange und ich konnte gleich auch Euros in Birr, der äthiopische Währung, wechseln. Wir waren ein kleine Gruppe von nur 11 Leuten und wurden vom Inhaber der Agentur abgeholt und im Bus in etwa 20 Minuten zum Imperial-Hotel gebracht. Das Wetter war schlecht, der Reiseleiter erzählte uns, daß es die Tage zuvor in Addis heftig geregnet hatte, völlig untypisch, da die Regenzeit schon lange vorbei sein hätte müssen. Das Hotel war gar nicht so übel, im Restaurant gabs aber dann nur Buffet und das sagt mir nicht so zu, also ging ich nur in die Bar auf zwei Bier. Mehr wurden es dann nicht, weil die um 11h schon zusperren wollten. |
Sonnenaufgang
In der Nacht hatte es ziemlich geschüttet, zum Sonnenaufgang klarte es aber schon wieder auf. Um halb neun kletterten wir in den Bus und starteten Richtung Nordosten. Unser blauer Bus war ein Unikat der Marke Calabreseder und ist der einzige Touristenbus in Äthiopien der Rundreisen macht (wahrscheinlich haben deshalb die Leute immer so nett gewunken...). Zunächst ging es einmal durch Addis Abeba und die Vororte der 5-Millionenstadt. Die Straßen waren an diesem Sonntag Morgen gefüllt mit Leuten die alle die traditionelle Kleidung Nordäthiopiens, die Shamma trugen. Das ist ein weißer Baumwollumhang und kann entsprechend des Anlaßes verändert werden kann. Heute war ein Feiertag eines für die Bevölkerung ganz wichtigen Heiligen. Derer gibts jede Woche mehrere und für die wirklich strenggläubigen Christen wäre in Äthiopien jeder zweite Tag ein Feiertag. Auch die Gottesdienste unterscheiden sich etwas von jenen in unseren Breiten, die dauern mindestens 4 Stunden, manchmal aber auch eine ganze Nacht oder einen ganzen Tag. Äthiopien ist zu etwas mehr als der Hälfte islamisch und etwas weniger als die Hälfte christlich, die meisten Christen sind christlich-orthodox, aber gerade in der Hauptstadt sind eigentlich alle christlichen Religionen vertreten und alle haben - zumindst in der Hauptstadt - auch ihre eigenen Kirchen. |
Bauernhöfe
Wir fuhren von Addis Abeba durch die Provinz Shoa nach Norden. Auf einer 2400m hohen Hochebene ging es zunächst mal - völlig untypisch für Äthiopien - ziemlich gerade dahin. Die Straße war überraschend gut, das Land schien äußerst grün und fruchtbar, auf der Feldern wurde gerade Getreide geerntet und und es war bald klar, daß der Reisetermin kurz nach Ende der Regenzeit perfekt gewählt war. Die Gebäude der Bevölkerung waren überwiegend strohgedeckte Rundhütten, so wie man sich eben Afrika vorstellt. |
Portrait
Wir gondelten etwa 2 Stunden durch die Gegend, Motive gabs jede Menge, es war nicht einfach, mein Verlangen nach einem Fotostopp zu unterdrücken, aber wer will schon gleich am Beginn der Reise ungut auffallen? Es war mir schnell klar, daß auf dieser Reise mit den Fotowünschen ziemlich einsam sein würde. Das ist halt der Nachteil einer Gruppenreise und wenn man sich damit abgefunden hat, ists auch nicht mehr so schlimm (red ich mir zumindest immer ein..). Irgendwann stoppten wir dann doch und besuchten einen Bauernhof gleich neben der Straße. Wir waren sofort von einer Kinderschar umringt und die Kinder waren ganz anders als ich das nach der Lektüre von vielen Reiseberichten erwartet hatte. Keine Spur vom erwarteten, aggressiven Betteln. Sie waren zwar neugierig, aber ganz schüchtern und lieb, ließen sie sich gerne fotografieren und lachten hemmungslos, wenn man ihnen das Ergebnis am Display anschauen ließ. |
Portrait
Wenn man dann in so einem Hof drinsteht, kriegt das idyllische Bild schon bald einen Sprung. Die Tiere leben gleich neben den Häusern, entsprechend ist der Geruch und vorallem gibts Fliegen in rauen Mengen. Wenn man nun auch noch einrechnet, daß das Wasser von weit her geholt werden muß, meist aus einem der Flüße und nicht immer sauber genug ist, kann man sich schon vorstellen, daß das nicht so gesund ist und es macht erklärlich, daß Äthiopien die größte Kindersterblichkeit der Welt hat. Krankenstationen gibts in jeder größeren Stadt, für Arme ist die Behandlung auch kostenlos, aber das Land ist halt riesengroß und die Infrastruktur schlecht und so sieht man immer wieder wie Leute auf einer Bahre zu den Krankenstationen getragen werden. |
Auf einem Bauernhof
Wir erreichten Debre Berhan und danach gings in steilen Serpentinen nach oben auf den Tamarberpass (3 250m). Oben angekommen, sahen wir zwar ein paar endemische äthiopische Affen neben der Straße, recht viel mehr aber nicht, weil urplötzlich dichter Nebel einfiel. Wir durchquerten das einzige Tunnel Äthiopiens, wie alle anderen alten Straßen auch, von den Italienern angelegt (deshalb auch Mussolini-Tunnel genannt) und dann gings den Paß wieder runter nach Debre Sinan. In Debre Sina besuchten wir ein uriges Lokal, der penetrante Uringeruch der mir schon beim Aussteigen aus dem Bus entgegenschlug ließ aber jeden Appetit ganz schnell verschwinden. Als "Menü" hätte es Injera gegeben, das sind Fladen aus dem in Äthiopien endemischen Taff-Getreide mit Saft oder einem Ragout oben drauf. Die Fladen sind recht schwammig und mich störte vorallem die Farbe, deshalb nennen die Äthiopier die Injera auch die "Graue Haut der alten Großmutter" und so schauts auch aus. Besteck gibt es keines, die Brotflade wird dabei ganz einfach als Löffel verwendet. Gekostet hab ichs nicht, aber Leute die es gekostet haben meinten, daß es recht scharf sein soll. Kein Wunder, Pfeffer und Chili gibts in Äthipien ja genug. |
Auf der Fahrt nach Kombolcha
Im Lokal traf bald auch unser neuer Guide ein, der zuvor mit einem Kunden in der Danakil-Senke unterwegs war. Er hieß Sven, war ein deutscher Ethnologe der schon einige Zeit in Äthiopien lebt und die beiden wichtigsten äthiopischen Sprachen beherrschte.
Wir verließen Sebre Sina und fuhren weiter talwärts in ein fruchtbares, überwiegend von islamischen Oromo und Agrobar bewohntes Tiefland.
|

|