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Verbotene Stadt
Zurück zu unserer Erkundung der „Verbotenen Stadt“! Inzwischen haben wir die dreistufige Marmorterrasse hinter uns und stehen direkt vor der „Halle der Höchsten Harmonie“, der „Taihedian“. Sie ist 27 m hoch und hat ein Ausmaß von 2.400 qm. In ihr befindet sich der „Drachenthron“. Über dem Herrschersitz hängt eine Kugel, von der berichtet wird, sie falle herunter, wenn sich ein falscher Kaiser auf den Thron setze, und erschlage ihn. Die Halle wurde nur zu besonderen Anlässen wie Thronbesteigung, Kaisergeburtstag oder Neujahrsempfang genutzt. Der heutige Thron ist eine Kopie aus den 50er Jahren. Es ist allerdings gar nicht so einfach, diesen Thron zu Gesicht zu bekommen, denn die Halle ist nicht zugänglich. Es sind lediglich zwei Türen vorhanden, durch die man in die Halle hineinschauen könnte. Könnte, weil sich an diesen Türen – wie mir scheint – die Hälfte der chinesischen Bevölkerung trifft!
Halber am Boden robbend, gelingt es mir schließlich „unter Einsatz meines Lebens“ Bilder des Altars zu machen. Der Rückweg anschließend gestaltet sich allerdings noch schwieriger als der Hinweg. Alte Omas hauen wie wild mit ihren Sonnenschirmen um sich, andere könnten sich ohne Probleme in den USA zum Rugby anmelden. Es ist der Wahnsinn! Schlimmer noch als wenn es bei ALDI Computer im Sonderangebot gibt! Irgendwie ist mir nicht so ganz klar, warum der Tempel die Halle der Höchsten Harmonie genannt wird!?!
Weiter geht unser Marsch rechts an der Halle durch einen Mauerdurchlass hindurch. Dort stehen vergoldete Wasserkessel, die früher als Feuerlöschanlage dienen sollten. Die Halle brannte jedoch insgesamt fünf Mal komplett ab. Nach dem Durchgang stehen wir vor dem mittleren Tempel, der „Halle der Vollkommenen Harmonie“. Hierhin zog sich der Kaiser zwischen seinen Auftritten zurück, um seine Staatsgewänder anzulegen. In der nun folgenden, letzten der drei Haupthallen, der „Halle der Erhaltung der Harmonie“, überwachte der Kaiser die Prüfungen der höchsten Beamtenexamen, oder aber er lud hier zum großen Bankett ein. |
Von der Plattform der drei großen Hallen führt eine Treppe hinunter, in deren Mitte eine durch Steinschnitzereien reich verzierte Rampe verläuft. Diese ist 16,57 m lang, 3,07 m breit und 1,7 m dick. Insgesamt wiegt die Platte etwa 250 Tonnen. Über sie wurden die Würdenträger in ihren Sänften getragen. Jeder andere, der es wagte, die Steinplatte zu betreten, wurde enthauptet! Wir schreiten durch das „Tor der Himmlischen Reinheit“ und befinden uns nun im Inneren Hof des Palastes. Der kaiserliche Wohnbereich befand sich in den folgenden drei Hallen: „Palast der Himmlischen Reinheit“, „Halle der Berührung von Himmel und Erde“ und der „Palast der Irdischen Ruhe“. Erstere war Audienz- und Bankettsaal. In der zweiten wurden die kaiserlichen Konkubinen offiziell anerkannt und das kaiserliche Siegel aufbewahrt und in der dritten Halle befand sich der Wohnpalast der Ming-Kaiserinnen. Während der Qing-Zeit fungierte der östliche Teil als Gemach der Hochzeitsnacht. Im westliche Teil opferte man den Göttern. Rings um die Hallen waren die Quartiere für die Dienerschaft und die Konkubinen, die Nebenfrauen des Kaisers. An ihnen mangelte es dem Kaiser nicht! Ihm standen 3 Nebenfrauen 1. Ranges, 3x3 Nebenfrauen 2. Ranges, 3x3x3 Nebenfrauen 3. Ranges und 3x3x3x3 Nebenfrauen 4. Ranges zu, insgesamt also 120 Konkubinen. Eine von ihnen war Cixi, die Fast-Kaiserin. Sie kam als Konkubine 4. Ranges des Xianfeng-Kaisers (1851-1861) in den Palast. Da es nur ihr gelang, dem Kaiser einen Sohn zu schenken, wurde sie zur Konkubine 1. Grades befördert. Sie erlangte großen Einfluss auf den Kaiser und konnte nach und nach alle Rivalen und Widersacher ausschalten. Nach des Kaisers Tod übernahm sie die Regentschaft für ihren fünfjährigen Sohn, den Tongzhi-Kaiser. 18 Jahre lang, bis zu seinem Tod, hielt die Kaiserwitwe Cixi ihn von der Regierung fern. Danach setzte sie ihren minderjährigen Neffen als Guangxu-Kaiser ein und regierte in seinem Namen, indem sie „politische Entscheidungen hinter dem Vorhang traf“ (daher auch die noch heute gebräuchliche Redensart), bis er 1889 volljährig wurde. Daraufhin zog sie sich in den „Sommerpalast“ zurück, hörte jedoch nicht auf, sich in die Politik einzumischen. Als sich der Kaiser 1898 zur Reform der Monarchie entschloss (Reform der 100 Tage), übernahm Cixi wieder das Ruder und sperrte den Kaiser bis zu seinem Tod 1908 im „Sommerpalast“ ein. Als 1900 während des Boxeraufstandes die Truppen der alliierten Mächte auch Peking besetzten, floh sie als Bäuerin verkleidet. |
Wir „Langnasen“ schlurfen weiter in nördlicher Richtung. Müde und k.o. sind wir nun nach so viel Kulturprogramm. Das „Tor der Irdischen Ruhe“ führt uns in den kaiserlichen Garten. Da sagt Peter etwas, was uns wieder aufhorchen lässt: „Jetzt gehen wir Mittagessen!“ Gott sei Dank!
Gesagt, getan. Nach einer Viertelstunde sitzen wir erschöpft in einem kleinen Restaurant im Park. Zum Essen gibt es alles Mögliche – was eben so kreucht und fleucht auf dieser Welt! Ich entscheide mich für den Reis mit dem doch etwas europäisch ausschauenden Hühnchen- und Schweinefleisch mit verschiedenen chinesischen Soßen. Einige davon sind extrem scharf! Merke ich jedenfalls, nachdem ich probiert habe. Schweißausbrüche sind obligatorisch!
Eine Stunde später verlassen wir den klimatisierten Ort und machen uns mit dem Bus auf den Weg zum „Sommerpalast“, der 11 km nordwestlich des Zentrums am „Kunmingsee“ liegt.
Durch das Haupttor betreten wir die riesige kaiserlich Parkanlage, die von Chinesen „Garten zur Kultivierung der Harmonie“ genannt wird und die der Qianlong-Kaiser seiner Mutter 1750/51 zum 60. Geburtstag als Geschenk machte. 1924 erhielt die Öffentlichkeit erstmals Zutritt. So wie wir jetzt. Begrüßt werden wir von einem bronzenen Kaiserdrachen und dem großen, beschuppten Fabeltier Qilin, das für eine segensreiche Herrschaft steht.
Am „Garten der Geselligkeit“ werfen wir einen Blick auf einen kleinen See, der fast vollständig mit Lotusblumen zugewachsen ist. Wir überqueren ihn über die „Fische-verstehen-Brücke“ wie Peter sie nennt. Der Name kommt daher, dass der Kaiser bei seinen Spaziergängen auf der Brücke stehen blieb und sich mit den Fischen unterhielt. Denn er war der Einzige auf der Welt, dem dieses Privileg zustand. Ich bleibe lange auf der Brücke stehen und versuche, die Fische in ein Gespräch zu verwickeln. Zu einem tiefsinnigen Gespräch kam es allerdings nicht! Na ja, ich bin ja auch kein Kaiser! |
Am Ufer des „Kunmingsees“ stehend, können wir rechts oben den „Sommerpalast“ der Kaiserwitwe Cixi sehen, der von 1886 bis 1891 ihr Alterssitz war. Links von uns sehen wir die „17-Bogen-Brücke“.
Auf unserem Weg durch den grünen Park kommen wir an der „Halle der Jadewogen“ vorbei. Hier hielt Kaiserin Cixi ihren Neffen , den vorletzten Mandschu-Kaiser zehn Jahre lang gefangen. Ihre eigenen Wohnräume, die sie von Mai bis Oktober bewohnte, liegen direkt nebenan in der „Halle der Freude im Alter“.
Was macht eigentlich ein Kaiser, wenn er spazieren gehen will, wenn es draußen regnet? Klar, er lässt sich einen überdachten Weg bauen. Und der muss natürlich kaiserlich gestaltet sein! So kommen wir nun zu dem berühmtesten Bauwerk des „Sommerpalastes“, der direkt an Cixis Wohnhalle anschließt und sich am Nordufer des Sees entlang zieht: der „Lange Korridor“, der „Kaiserliche Wandelgang“. Dabei handelt es sich um einen 728 m langen überdachten Weg, dessen Säulen und Dach mit über 8.000 verschiedenen, reich verzierten Roman- und Landschaftsszenen bemalt sind.
Auf halber Strecke des Weges verlassen wir den Korridor und steigen auf zum „Pavillon des Buddha-Weihrauchs“, von wo aus sich uns ein herrliches Panorama auf den See und die Silhouette von Peking bietet. It’s photo-time! Klick-klick. |
Nach unserem Abstieg wieder runter zum See, folgen wir weiter dem „Langen Korridor“. An dessen Ende angelangt, sehen wir den berühmten „Marmornen Raddampfer“ am Rande des Sees. Cixi soll für seine Fertigstellung die Kasse der Marine geplündert und China daraufhin einen Krieg verloren haben. Die Marmorbasis des Bootes wurde bereits 1755 von Qianlog gelegt, die Kaiserin Cixi fügte lediglich das winzige Schaufelrad an und ließ einen neuen Aufbau aus Holz anfertigen. Als der Park Anfang des letzten Jahrhunderts der Allgemeinheit geöffnet wurde, richtete man auf dem Boot ein Teehaus ein, das inzwischen allerdings auch schon wieder verschwunden ist. Schade eigentlich, denn so ein leckerer Tee zwischendurch wäre jetzt gerade recht gekommen! Aber egal, wir haben sowieso keine Zeit. Peter hat heute noch so einiges mit uns vor. Deshalb wandern wir auch zügig weiter um den „Hügel des langen Lebens“ herum und gelangen so zur „Suzhou-Straße“, einer künstliche angelegten Einkaufsstraße nach südchinesischem Vorbild für die früheren Konkubinen, da diese den Palast nicht verlassen durften. Unsere Frage, ob Frauen damals auch schon immer so viele Schuhe eingekauft hätten, konnte Peter uns allerdings auch nicht beantworten!
„So, meine Damen und Herren Langnasen, das war der Sommerpalast“, resümiert Peter am Ausgang des Parks. „Jetzt geht es aber gleich weiter mit unserem Programm. Nächste Station ist die Süßwasserperlenzucht, die „Beijing Bangfuchun Pearl City“. Also, auf, einsteigen in den Bus, dann geht es los!“ Und man möchte es nicht glauben, die Langnasen parieren alle aufs Wort und verschwinden nach und nach im Bus, wo Wang bereits mit laufendem Motor wartet. Das tut richtig gut! In einem klimatisierten Bus für kurze Zeit ein Nickerchen machen. Welch eine Wohltat! |
In „Pearl City“ angekommen, werden wir freundlich durch das dortige Personal empfangen. In einem separaten Raum wird uns ein Film über Süßwasserperlen gezeigt, bevor es in einen weiteren Raum geht, in dem wir live miterleben können, wie die fertigen Perlen aus den Muscheln herausgeholt werden. Das funkelt und glitzert! Im Anschluss daran werden wir in einen großen Verkaufsraum geleitet, in dem die Herzen unserer weiblichen Mitreisenden anfangen, höher zu schlagen. Perlenketten soweit das Auge reicht! Eine neben der anderen, in allen möglichen Varianten und Farben – weiß, schwarz, rosé, ... . Ich möchte gar nicht wissen, wie vielen Euro hier den Besitzer gewechselt haben, am Ende kommen aber doch einige mit verdächtigen Einkaufstüten aus dem Verkaufsraum heraus. Zum Abladen dieses „Gepäcks“ und zum Frischmachen für die Peking-Oper am heutigen Abend, fahren wir zurück in unser Hotel. Dort angekommen, entschließe ich mich, noch einmal in den Pool zu steigen. Nach einem so anstrengenden Morgen und Nachmittag wie heute keine falsche Entscheidung wie sich herausstellt! Das tut gut!
18.30 Uhr. Entspannt und gestärkt trifft sich unsere GeBeCo-Reisetruppe in der Hotellobby. Auf geht’s zur Peking-Oper ins „Liyuan Theater“ im „Jianguo Hotel“.
Nachdem wir dort Schwarzwälder Kirsch und Kuckucksuhren in den Schaufenstern betrachten konnten, betreten wir das Theater gegen 19 Uhr. Wir dürfen einen Blick hinter die Kulissen werfen, wo sich die Darsteller bereits alle zum Schminken versammelt haben. Allabendlich entstehen hier kleine Kunstwerke auf den Gesichtern der Schauspieler. Pro Woche gehen hier bestimmt einige Kilo an Schminke drauf! |
Sonntag, 25.08.2002
Heute geht es früh raus. Bereits um 6.30 Uhr werden wir geweckt. Nach dem Frühstück fahren wir gegen 7.45 Uhr ab zu unserem heutigen Programmpunkt, einem der Höhepunkte unserer Reise und das nicht nur aus geographischer Sicht: die „Chinesische Mauer“, auch „Große Mauer“ genannt. Dazu fahren wir an den 75 km vom Stadtzentrum Pekings entfernten Besichtigungspunkt Badaling. Um 9.30 Uhr kommen wir an, und eines ist sicher: wir sind nicht die Einzigen, die heute die Mauer besteigen wollen. Tausende von Touristen tummeln sich schon unten auf dem Busparkplatz! Von oben betrachtet muss es wie ein aufgebrachter Ameisenhaufen ausgesehen haben!
Hier in Badaling erreicht die Mauer in einer herrlichen Landschaft ihren höchsten Punkt mit ca. 800 Metern. Bereits 221 v. Chr. wurden bestehende Schutzwälle zu einer großen Mauer vereint. Mit dem Bau der neuen Mauer wurde 1368, im Gründungsjahr der Ming-Dynastie, begonnen. Die Bauarbeiten, die rund 150 Jahre dauerten, vervollkommneten die mehr als 6.000 km lange Mauer vom Juyong-Pass im Westen bis zum Yalu, dem Grenzfluss zu Korea im Osten. In regelmäßigen Abständen wurden Signal- und Wachtürme errichtet, die als Waffenmagazine und Mannschaftsquartiere dienten. Zwischen diesen Posten bestand ein akustisches und optisches Signalsystem, von dem erstmals 166 v.Chr. berichtet wird. Die Mauer ist knapp acht Meter hoch und fünf bis sechs Meter breit. Die 1,5 Meter dicken Außenwände wurden aus Backstein und Naturstein gemauert. Die Hohlräume dazwischen wurden mit Schotter aufgefüllt. |
Und genau diese Mauer besteige ich nun. Auf sehr steilen Wegen, auf denen früher übrigens ganze Pferdegespanne fuhren, „erklettere“ ich das Weltwunder. Ein irres Gefühl! Mein Blick schweift die Mauer entlang, bis sie hinter dem Horizont verschwindet. Hier, von ganz oben, bietet sich ein herrliches Panorama auf die umliegende Landschaft. Natürlich braucht man nun noch irgendeinen Beweis, dass man auch wirklich auf der Spitze der „Chinesischen Mauer“ war. Doch auch da haben sich die Chinesen etwas einfallen lassen. Für knapp 10 Euro werden in einem Samtetui eingelegte Messingplatten angeboten, auf denen folgender Text eingraviert wurde: „Hiermit wird bestätigt, dass Nikolai die Große Mauer am 25.08.02 bestiegen hat.“ Die Chinesen sind eben doch findige Geschäftemacher! Desweiteren hat man die Möglichkeit, sich per Laserdrucker eine Urkunde ausdrucken zu lassen, hier oben auf knapp 800 Meter Höhe, wo es eigentlich fast nichts gibt, außer eben den Souvenirs. „Wie geht denn das mit dem Strom?“, wird sich nun der eine oder andere fragen. Na, ganz einfach, man nehme ca. ein Kilometer Verlängerungskabel und stecke es im Tal in eine Steckdose! Und schon hat man oben auf dem Berg auch Energie! Doofe Frage! Im Angebot sind aber noch viele weitere Dinge: Postkarten, Bücher, Marmorfiguren und marmorne, selbstgeschnitzte Namensstempel, von denen ich auch gleich noch einen mitgenommen habe. Schließlich kommt man ja nicht alle Tage hier vorbei!
Nachdem ich mit meinen Käufen die chinesische Wirtschaft etwas angekurbelt habe, mache ich mich auf den steilen Rückweg zu unserem Bus. Dort angekommen, nutze ich noch die Gelegenheit, einen echten „Chinesische-Mauer-Sonnenhut“ zu kaufen. Den muss man ja unbedingt haben! |

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