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Eine Reisereportage von Nikolai Graupner

Inhalt

 
Ankunft in Peking
 
Kaiserliches Himmelsgewölbe
 
Verbotene Stadt
 
Chinesische Mauer
 
Zurück nach Peking!

Bericht über eine Gruppenreise in die Hauptstadt vom Reich der Mitte im Sommer 2002

Allgemeines:



Flughafen Zürich: ZRH
Beijing Capital Airport: BJS
Fluggesellschaft Swiss: LX

Zeitverschiebung nach Peking beträgt: MEZ + 6 h

Donnerstag, 22.08.2002



Nach einer kurzweiligen Reise mit dem Zug - unter anderem vorbei am Rheinfall in Schaffhausen -, komme ich knapp fünf Stunden vor meinem geplanten Abflug am Flughafen Zürich-Klothen an. Somit habe ich noch genug Zeit, um mich auf dem gesamten Gelände umzuschauen. Ich beobachte stundenlang die großen Flugzeuge, die in die ganze Welt abheben und freue mich riesig auf meine eigene Reise! Das Reisefieber (mindestens 39,5 °C) hat mich wieder voll gepackt!


Um 13.30 Uhr ist es endlich soweit. Der SWISS-Schalter wird für den Check-in geöffnet. Alles geht gut, bis die Dame am Schalter mich nach meinem Visum für China fragt. „Welches Visum? Ach so, ja, das Visum ist als Gruppenvisum bereits nach Peking vorgeschickt worden!“, meine ich nur zu ihr. Sie verzieht keine Miene, sondern meint ganz trocken auf Schwyzzer-Dütsch: „Ja, wenn das so ischt, dann kchan ich Sie leidr nöt mitfliege lo! Abr die Maschine ist sowieso überbucht, es besteht nur eine geringe Chance, dass Sie überhaupt mitfliegen chönnen.“ Sprach’s und schaut bereits den nächsten Passagier hinter mir an. Ich merke wie ich anfange leicht zu schwitzen und spüre, dass sich meine Ohren bereits rot verfärben.



Was soll ich bloß tun? Sie hat ein Einsehen und lässt ihre Kollegin beim Reiseveranstalter in Kiel anrufen. Danach geht alles ganz schnell, innerhalb von fünf Minuten kann ich komplett einchecken, bekomme sogar einen gewünschten Fensterplatz, direkt einen Platz hinter der Business-Class. Beinfreiheit en masse! „Jetzt werden Sie als Gruppenreisender bevorzugt behandelt! Sie fliegen auf jeden Fall mit!“, höre ich Madame noch sagen. Für was rote Ohren doch nicht alles nützlich sind! Die erste Hürde wäre geschafft, kommen vielleicht noch mehr?

Nein, denn gegen 16.20 Uhr dürfen wir das Flugzeug besteigen. Es handelt sich um eine McDonnel Douglas MD 11.

Um 16.45 Uhr heben wir mit 15 Minuten Verspätung in Zürich ab. Auf geht’s mit Flug LX 196 in Richtung Peking!

Freitag, 23.08.2002



Der Hinflug führt uns über Stuttgart – Prag – Moskau – Novosibirsk – Ulan Bator direkt nach Peking zum dortigen „BEIJING Capital Airport“ (Shoudu Jichang), wo wir um 7.52 Uhr Ortszeit (1.52 Uhr MEZ) nach einer Flugzeit von knapp 9h30min landen. Der Flughafen, der noch ziemlich neu ist, liegt etwa 25 km nordöstlich vom Stadtzentrum entfernt.

Schon beim Auschecken aus der Maschine bemerkt man in der Nase einen leicht rußigen Geschmack, gemischt mit der enormen Hitze (um 35°C) und der hohen Luftfeuchtigkeit (ca. 80%) des Sommers in Peking.

Nach einer relativ raschen Überprüfung unseres Gruppenvisums und einer Einzelgesichtskontrolle erhalten wir die Erlaubnis, die VR China zu betreten. Da sind wir nun!

Willkommen in Peking, der Hauptstadt Chinas!

„Langnasen! Langnasen! Kommen bitte alles zu mir!“, schreit es uns plötzlich entgegen. Ein kleiner Mann mit Brille und Birkenstockschuhen kommt auf uns zu. „Ich bin Tang! Aber nennen Sie mich Peter. Wissen Sie warum? Langnasen immer nennen mich Peter!“. Peter ist unser allwissender und sehr kompetenter Reiseführer für unsere Woche in Peking. Das Wort „Europäer“ hat er aus seinem Vokabular gestrichen. Für ihn sind Europäer „die Langnasen“, da Chinesen bekanntlich ziemlich flache Nasen haben. Kein Problem!

Ankunft in Peking



Nachdem wir alle (insgesamt elf Reisende) unser Gepäck bekommen haben – die Einen schneller, die Anderen eher etwas schleppend – gehen wir zusammen zu unserem Privatbus, der uns nun für eine Woche zur Verfügung stehen wird. Wir bekommen sogar unsere persönliche Busfahrerin für die gesamte Zeit: es ist Wang, zu deutsch „die Königin“ - eine Frau mit eleganten weißen Handschuhen und einem Fahrstil wie ihn scheinbar alle Chinesen betreiben: Hupen erlaubt, Bremsen nur dann, wenn jemand direkt vor den Bus läuft, also wirklich nur im Notfall. Auf der Fahrt zum Hotel bekommen wir schon einmal eine kleine Kostprobe ihrer Fahrkünste. In Hollywood könnte sie sich leicht als Stuntfrau engagieren lassen und in Filmen wie „Speed“ mitspielen.

Los geht die Fahrt zum Hotel. Und Peter erzählt und erzählt und erzählt.

„Peking liegt etwa auf demselben Breitengrad wie Madrid, in einer Ebene, die sich nur gut 40 m über den Meeresspiegel erhebt. Das Stadtzentrum ist umgeben von Hügelland, durch das sich die Flüsse Yongding, Chaobai, Juma, Ju sowie der Nordkanal ziehen. Nach Süden öffnet sich Peking zur Nordchinesischen Tiefebene, die im Osten vom Golf von Bohai begrenzt wird.




Peking hat knapp zwölf Millionen Einwohner, von denen etwa acht Millionen im Kernbereich leben. Der Rest lebt im landwirtschaftlichen Gürtel um die Stadt, der die Versorgung der Stadtbevölkerung gewährleistet. Der Zuzug in die Städte wird seit der Gründung der Volksrepublik am 01. Oktober 1949 (Mao Zedong) über Lebensmittelkarten kontrolliert, was sich im Zuge der Reformpolitik seit 1978 als zunehmend schwierig erweist. Angesichts von weit mehr als 100 Millionen Arbeitslosen im Land suchen immer mehr Wanderarbeiter ihr Glück in der Hauptstadt, die von den Pekinger Einwohnern gerne als „Ansammlung von Dörfern“ bezeichnet wird. Zudem ziehen Verwandte aus anderen Provinzen mit in die viel zu engen Wohnungen ein. Hinzu kommen, je nach Saison, Tausende von Bauern aus der Umgebung, die mit ihren Produkten, vor allem Wassermelonen im Sommer und Kohl im Oktober, in die Stadt reisen und dort auf den Obst- und Gemüsebergen unter Planen wohnen, bis alles verkauft ist. Angesichts dieses enormen Bevölkerungsdrucks – in den 70er Jahren platzte die Stadt aus allen Nähten – ist es leicht nachvollziehbar, dass sich die Partei schließlich für den Bau von Ringstraßen und Hochhaussiedlungen entschied.“

Und so bin ich doch recht überrascht darüber, dass Peking auch eine eigene Hochhaus-Skyline hat. Bei der Vorbereitung meiner Reise war mir das gar nicht aufgefallen, sah ich doch immer nur Bilder von Tempeln und großen weiten Parkanlagen! Auf unserem Weg vom Flughafen zum Hotel fahren wir jedoch durch die Straßenschluchten der Stadt, links und rechts von uns teilweise sehr hohe und eng aufeinander gebaute Wolkenkratzer. Sensationell und architektonisch mit den Wolkenkratzern in Hongkong vergleichbar, die ich im Sommer 1999 besucht hatte!



Gegen 9.00 Uhr kommen wir an unserem Hotel an:

First Class
JINGLUN Hotel
Nikko hotels internat’l
3, Jianguo Men Wai Da Jie,
Beijing, China


Außen pfui, innen hui! Als ich die Fassade des Hauses sehe, denke ich mir „Na ja, hoffentlich hat es kein Ungeziefer!“. In der Empfangshalle stehend reicht es mir nur noch zu einem „Wow! Sagenhaft!“. Es ist wirklich sehr schön. Alles in Gold und Marmor verziert, riesengroße Palmen an der Hotellobby und ein kleiner Teich mitten im Hotel. „Langnasen kommen alle her!“, schreit es da von der Hotellobby her. Peter möchte mit unserer Zimmerverteilung beginnen. Ich bekomme Zimmer 7049, das ich mir – als Halbes-Doppelzimmer-Bucher - mit Andreas, einem Zauberer aus Dresden, teilen werde. Nachdem wir ausgemacht haben, dass wir uns um 10.30 Uhr wieder treffen wollen, um mit unserem reichhaltigen Kulturprogramm zu beginnen, gehen wir auf unsere Zimmer und machen uns etwas frisch. Ich nutze die Zeit, um das Hotel etwas genauer anzuschauen. Es ist sehr gut ausgestattet: Bank, Tagungsräume, Friseur, diverse Restaurants, Fitnessräume, Sauna und natürlich einen Swimming Pool, den ich übrigens jeden Abend besucht habe, um den schweißtreibenden Tag abzuschließen.

Schweißtreibender Tag? Na klar, und um 10.30 Uhr geht es los damit:

Die ganze Mannschaft versammelt sich vor dem Hotel, wo bereits Peter und „die Königin“ auf uns warten. Im – Gott sei Dank – klimatisierten Bus fahren oder besser gesagt rasen wir los in Richtung „Himmelstempel“, der korrekt „Himmelsaltar Tiantan“ heißt. Dort angekommen und aus dem Bus ausgestiegen, werden wir erst einmal von unzähligen fliegenden Straßenhändlern umschwärmt, die uns alle möglichen Dinge wie Postkarten und Telefonkarten, Plüschfiguren und Essstäbchen, Obst und Gemüse sowie Jadeschmuck andrehen wollen. Nur mühsam können wir uns von ihnen losreißen, nachdem sie gemerkt haben, dass bei uns nichts zu verkaufen ist. Sie lassen uns in Ruhe und stürzen auf den nächsten Touristenbus.



In unglaublicher Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit schleichen wir – bereits jetzt von oben bis unten nass – durch das Südtor der Parkanlage und machen uns an der dort aufgehängten Übersichtstafel erst einmal ein Bild über die gesamte, auf einer Nord-Süd-Achse verlaufende, 1200 m lange Parkanlage. Die ursprüngliche, 273 ha große Anlage hatte die Form eines Quadrats mit im Norden aufgesetztem Halbkreis – die Symbole für den Übergang von der Erde zum Himmel.

Die Anlage des Himmelstempels entstand, als sich der dritte Ming-Kaiser um 1420 Peking als neue Hauptstadt herrichtete. Sie war wie die anderen kaiserlichen Altäre nur den Mitwirkenden der Zeremonien zugänglich. 1911/12 schafften es bürgerliche Kräfte mit Hilfe rebellierender Truppen, die herrschende Qing-Dynastie zu stürzen und eine Republik zu gründen, so dass der letzte Kaiser Chinas, der erst dreijährige Pu Yi, am 12. Februar 1912 abdankte. Daraufhin wurde am 10. Oktober 1912 die Anlage des Himmelstempels für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Nachdem wir diese ersten Informationen von Peter verarbeitet haben, machen wir uns auf den Weg. Zuerst geht es, vorbei an der „Dressing Terrace“ des chinesischen Kaisers, dem Ort, an dem sich der Kaiser für Zeremonien anzuziehen pflegte, auf den kreisförmigen und dreistufigen „Himmelsaltar“, der – seit dem Ausbau von 1749 – aus weißen Marmorsteinplatten besteht. Der Kreis symbolisiert dabei das Himmelsrund, die Dreizahl steht für das Yang und damit ebenfalls für den Himmel. Entsprechend ist auch der runde Stein in der Mitte der obersten Plattenform von drei mal drei Steinplatten umgeben. Jeder weitere Ring hat neun Platten mehr als der vorherige, der äußere auf der oberen Etage hat neun mal neun = 81. So geht es auch auf den anderen Stufen weiter, bis ganz außen neun mal drei mal neun = 243 Platten erreicht sind. Oben auf der Altarterrasse fand jedes Jahr zur Wintersonnenwende, also dem Tag, an dem die Kraft des Yang, des Lichtes, wieder die Oberhand über die Kraft des Yin, der Dunkelheit, gewann, ein wichtiger Teil der kaiserlichen Zeremonie, die „Zwiesprache des Kaisers mit dem Himmel“, statt. Der Kaiser, selbst „Himmelssohn“, brachte dem Himmel kniend Tieropfergaben und las seine Gebete von den Papierrollen ab, die er vorher beschriftet hatte und die dann verbrannt wurden. Im Rauch stiegen die Gebete zum Himmel empor. Der Kaiser berichtete von seinen Taten im vergangenen Jahr und erflehte Hilfe für das kommende Jahr. Gab es trotz der Gebete aber Naturkatastrophen, hatte der Kaiser das „Mandat des Himmels“ verloren und konnte abgesetzt werden.




 

© Nikolai Graupner aus Lörrach, 1 Eintrag im Gästebuch von Nikolai Graupner





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