Home 

 RSS 


 Best of pervan.de
Eine Reisereportage von Gerhard Maucher

weitere Seiten: 123


Namibia ist zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland und hat rund 2 Millionen Einwohner, zwei auf einen Quadratkilometer. 30 000 Deutschstämmige unter 100 000 Weißen, nicht nur Nachfahren aus Zeiten von Deutsch-Südwestafrika, sondern auch einige Hundert schwarze Zöglinge, die die DDR in den 70er Jahren aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Angola aufnahm und nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 prompt zurückschickte. Windhoek die Hauptstadt mit etwa 250 000 Einwohnern, davon 10 % Weiße erweckt nicht den Eindruck einer geschäftigen Großstadt, vieles erinnert an eine deutsche Kleinstadt.

  Christuskirche  

  Bild vergrößernBild vergrößern






Von allen Seiten sichtbar ist im Zentrum die 1910 als erste evangelische Kirche Südwestafrikas eingeweihte Christuskirche. Nebenan steht das Südwester Reiterdenkmal zum ehrenden Angedenken an die tapferen deutschen Krieger, welche für Kaiser und Reich während des Herero- und Hottentottenaufstandes 1903-1907 und während der Kalahari-Expedition 1908 ihr Leben ließen. In der dahinter gelegenen Alte Feste aus dem Jahr 1892 und Owela Museum kann man einen Gang durch die Geschichte Namibias, seit 1866 britisches Territorium und seit 1884 deutsches Protektorat bis zur Unabhängigkeit 1990 machen. In der gegenüber liegenden Ethnologiehalle dieses Staatsmuseums wird unter anderem die Grassaat aus Ameisennestern, die Anfertigung von Seilen der Buschmänner oder Kleidung und Schmuck der Herero gezeigt. Wer eine kleine Spende nach Belieben gibt, erhält zum Schluss die Anleitung für ein Brettspiel namens Owela, das vor der Tür auch gleich gespielt werden kann.

  Südwester Reiter  

  Bild vergrößernBild vergrößern






Die Nationalgalerie von 1898 stellt die deutschsprachige Künstlerin Barbara Pirron aus. Ihre 60m lange Zeichnung soll die unendliche Weite, Stille, Einsamkeit und das große Schweigen der Landschaften Namibias künstlerisch festhalten. Nebenan ist der namibische Künstler John N. Muafangejo zu sehen, der mit seinen schwarzweiß Werken über meist traurige Momente in Linolschnitt auf Papier auch bei der EXPO 2000 in Hannover vertreten war. Im oberen Stock sind farbige Holzschnitzwerke von David Amukoto ausgestellt. Gegenstand seiner Werke sind Alltagsmomente und Gebräuche; afrikanische Traditionen. Im Untergeschoss sind nochmals alle drei zusammen mit anderen Künstlern z.B. Fritz Krampf, Heinz Pulon oder Johannes Blatt zu sehen. Die Independence Avenue ist die Hauptstraße mit nicht nur einem Mix aus alten und neuen Bauten sondern auch mit einem typisch deutschen Thüringer Hof, der Blumenecke H. Wiese und dem ganz afrikanischen Bushman Art Museum und Souvenirladen, dessen Betreiber aber wiederum deutscher Herkunft sind. Andere typisch deutsche Kolonialgebäude sind der Bahnhof und die Turnhalle von 1909-1912, in der 1975 unter der Schirmherrschaft der Südafrikaner bei der Turnhallenkonferenz ein Verfassungsentwurf für die Entlassung des Landes in die Unabhängigkeit entworfen wurde.
Abends kann man in Joe s Beerhouse, Ecke Nelson Mandela und Ugab Street deutsche Gemütlichkeit beim frisch gezapften Bier aus Halbliterkrügen erleben und dazu so fremde Küche wie Gemsbock, Kudu, Zebra oder Strauß genießen. Die älteste Brauerei ist aus dem Jahr 1902 und war einst der größte Konzern in Windhoek. Das Bier ist deutsch: Windhoek Lager seit 1920 gebraut nach dem Reinheitsgebot "nur Hopfen, Malz und Wasser", verkündet das Etikett.

  Turnhalle  

  Bild vergrößernBild vergrößern






Eine andere deutsche Institution ist das Cafe Schneider, Inhaber K. und C. Buchmann in der Levinson Arcade. In Windhoeks ältestem Cafe gibt es Eis und Kuchen. Ich bestellte Capuccino und Schwarzwälderkirschtorte, aber wenig später kam die Bedienung zurück, die Schwarzwälderkirsch sei nicht mehr frisch, also wählte ich nun Mokkatorte. Die allerdings schmeckte vorzüglich. Die Speisekarte bietet aber nicht nur Kaffee, Eis und Kuchen, sondern auch Currywurst, Schweizer Wurstsalat, Käsespätzle oder Leberkäse mit Spiegelei und Brot, ganz wie zuhause.
Die Deutsche Höhere Privatschule (DHPS) in der Trift/Schinzstraße ist eine Schule der Klassen 1-13 mit angegliedertem Internat und derzeit über 250 Schüler, davon 157 im Internat untergebracht. Seit diesem Jahr gibt es auch 2 Krabbelgruppen mit 24 Kindern von 11/2 bis 3 Jahren. Die Geschichte der DHPS Heime geht zurück bis 1902 als zwei Jahre nach Eröffnung der Regierungsschule ein Pensionat für auswärtige Kinder entstand. Das Internat kostet seit die Förderung aus Deutschland ausblieb 2500 N$ pro Monat, das Schulgeld beträgt um die 8000 N$ im Jahr. Das Internat hat ein 15m-Schwimmbecken, einen Billardraum und weitere Angebote. Erzieherinnen und Sozialpädagogen verdienen um 3500 bis 6000 N$ monatlich bei freier Kost und Logis (10 Namibia Dollars = 1 Euro).




 

© Gerhard Maucher
Namibia ist ein Spezialgebiet von Gerhard Maucher.





Leserkommentar schreiben 



Weitere InformationenSuchen nach

Namibia
 
Namibia[68]  880
Weitere Reisereportagen


Hier können auch Sie Reisebilder und Reiseberichte online veröffentlichen
 Fotos Beste Reisezeiten Autorenliste Neue Reisereportagen Neue Bilder Hilfe Links & Banner 
 Autorenzone: Als Autor starten Bericht vorschlagen Autorenzugang Autorenforum Autorenhandbuch 
 Kritik, Anregungen Allgemeine Nutzungsbedingungen Wie pervan.de entstand 

 ©, Redaktion: Mirjana Pervan 



fügt einen Bookmark bei Ihrem Browser ein