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Eine Reisereportage von Gerhard Maucher

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Nach einer Weile gab ich es auf und kehrte zur Straße zurück, um meinen Schuh zu suchen. Den konnte ich zuerst nicht finden, da ich auf einer anderen Straße herausgekommen war. Als ich zum wiederholten Male die Straße auf- und ablief, um die Stelle auszumachen, wo ich die Verfolgung aufnahm, sah ich meinen Geldbeutel auf der Straße liegen. Er war leer, bis auf meinen Hausschlüssel und die Mine, die ich eben gekauft hatte. Der gestohlene Geldbetrag, es waren nur 400 Rupiah war leicht zu verschmerzen. Wichtig war, dass ich meinen Hausschlüssel wieder hatte. Nachdem ich meinen Schuh wiedergefunden hatte, ging ich noch ziemlich erregt ins Dorf zurück. Ich versuchte den Dorfchef zu sprechen, um ihm von dem Vorfall zu berichten. Er war aber nicht zu erreichen und meine Geschichte schien niemand besonders zu interessieren. Mit dem ersten Bewohner, den ich ansprach, wäre ich fast noch in Streit geraten. Er versuchte mir in diesem Moment, seinen Hut zu verkaufen, hörte mir nicht zu, sondern beschwatzte mich, worauf ich ihm etwas heftig den Hut zurückgab und auf seinen Kopf setzte. Ein anderer Bewohner, der mir zuhörte, meinte, es müsse ein Verrückter gewesen sein,zu unglaublich und unvorstellbar wäre diese Geschichte für einen Bewohner des Dorfes.Damit zog er mich zum Versammlungsplatz hinüber und wenig später kam sein Bruder mit einem Schild und Speer auf mich zu. Obwohl ich es nicht wollte, begann ein Verkaufsgespräch. Das antike Schild und Speer sollten 500 US-Dollar wert sein. Ich sagte dazu nichts, wurde nun bedrängt, meinen Wert zu nennen, und sagte 20 US-Dollar. Ich betrachtete mir den Speer und das Schild etwas genauer, und erklärte, das Schild aus schon zerbrochenen, altem Holz interessiere mich nicht. Nach einer Weile wurde mir der Speer zum Freundschaftspreis von 20 000 Rupiah angeboten. Ich dachte bereits darüber nach, ob ich für den Speer etwas mehr ais 20 DM ausgeben wollte, und nannte nun 17 000 Rupiah. Auf dieses Angebot konnten wir uns nicht einigen, ich war aber nicht bereit, höher zu gehen, sondern feilschte nun rückwärts und bot nur noch 15 000 Rp. für den Speer. Zum Kauf entschlossen, nannte ich 10 US-Dollar, mein letztes Angebot. Damit waren die Brüder einverstanden, nur wollten sie den Kaufpreis lieber in Rupiah haben. Nachdem ich mich bereit erklärt hatte, meine Adresse auf dem Geldschein zu notieren, damit sie beim Einwechseln keine Schwierigkeiten bekommen, war der Händel perfekt. Die Übergabe wurde feierlich mit Handschlag und Hand ans Herz, als Ehrbezeugung gegenüber einem Freund, zelebriert. In der Fertigung eines solchen Speers steckt viel Handarbeit. Spitze und Ende sind aus massivem Eisen gearbeitet, das Mittelstück aus Kokospalmenholz, das mit Bambus umflochten ist. Vermutlich wurde der Speer vom Vater der Brüder gefertigt und ist eine Generation alt. Speer und Schild sind ein alt überlieferter Bestandteil ihrer Ausrüstung und finden heute noch Verwendung bei der Aufführung von Kriegstänzen. Der besonders reich mit Holzschnitzerei verzierte Königsspeer (Tungkat Malehit) verleiht dem Besitzer besondere Macht und Ansehen. Dass auch mein Speer eine furchteinflößende Wirkung hatte, stellte ich fest, ais ich mit dem Speer in der Hand heimging. Altere Kinder rannten kreiscbend davon. Für sie war es eine Mutprobe, sich dem Speer zu nähern. Ein Kleinkind brach bei meinem Anblick in Weinen aus und mußte von der Mutter getröstet werden.

  Lagundi Beach  

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  Kuta Beach  

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Das Sandy Losmen ist voll in Hand der Aussies genannten Australier. Sie kommen zum Lagundi Beach, weil er ebenso wie die Heimatküste an der Great Ocean Road nahe Melbourne perfekte Bedingungen zum Wellenreiten bietet. Zum Surfer`s life gehören natürlich auch Parties, eine gute Gelegenheit für die Batakjungs der ganzen Umgebung sich auf Kosten der Aussies mit Bier zu besaufen. Bier können sie sich normalerweise nicht leisten. Eine Flascbe Bier kostet 2500 Rupiah,eine Flasche Bananenbrandy dagegen nur 1000 Rupiah. Die Musikanlage und ihre Lieblingscassetten haben die Aussies für die Dauer ihres Aufenthalts mitgebracht. In Kuta auf Bali sind die Leute schon perfekt auf die Wünsche der Australier eingestellt: „draught beer, Aussie music, Aussies enter free". ,
Die Batak am Lagundi Beach sind diese Beziehung eingegangen, weil es ihnen Vorteile bringt. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit den Aussies und den anderen Touristen. Dazu haben sie sich den Fremden gegenüber angepasst. Sie wohnen nicht mehr auf dem Hügel, sondern an der ungeliebten Küste. Sie haben ihre Abkapselung gegenüber den Fremden aufgegeben, aber sie wollen die Zahl der Touristen in Lagundi überschaubar halten. Deshalb stöhnen sie auf, wenn an einem Tag zu viele Fremde auf einmal gekommen sind.
Die Batak passen sich den Touristen an, lernen zuerst englisch, zuweilen auch deutsch. So hat inzwisehen die Anrede- und Begrüßungsformel "Hello" den
Niah-Begriff "Ya'ahowu" verdrängt. Umgekehrt sind einige Begriffe aus dem Bahasa Indonesia in die gemeinsame Sprache der Traveller und Einheimisehen übergegangen: sama sama engl. same same = dasselbe, oder bagus für Zustimmung.



In der patriarchalisch strukturierten Batakgesellschaft haben Regeln eine große Bedeutung und sind klare Verhaltensanweisungen. Eine Regel heißt,alles bat seinen Platz. Die Küche bei Sandy`s ist so organisiert, daB jedes Kochgerät an seinem Platz bereit liegt. Auch der Flaschenöffner muß nach jedem Gebrauch in die Küche zurückgegeben werden. Die Tochter Erima schaut darauf. Jedes Familienmitglied wird mit einer bestimmten Aufgabe betraut und ist für diese verantwortlich. Yunarius, der älteste Soon im Losmen, in dem ich wohne, kommt jeden Abend bei Eintritt der Dunkelheit vorbei, um die Spirituslampe in Betrieb zu setzen. Yunarius und sein Vater bauen zur Zeit das Erdgeschoss des Losmen aus, für eine Küche und eine Gaststätte. Zu dieser Arbeit liegen immer Werkzeug, Nägel und vorgefertigte Schilfmatten bereit, die an das Gerüst angebracht werden müssen. Wenn das Losmen fertig ist, geht es in den Besitz von Yunarius über und erhält seinen Namen. Dann kann er damit Geid verdienen und den Brautpreis zusammensparen. Um im Sandy Losmen etwas zu Essen zu bekommen, muss man sich an die Essenszeiten halten. Abendessen gibt es kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Zur Auswahl stehen Pizza, Fishburger, Kartoffelbrei und Curryfisch, sowie zum Frühstück Bananenpfannkuchen, Müsli und Fruchtsalat. Die Zubereitung der Touristengerichte ist den Köchinnen fremd, sie misslingt zum Teil und dauert lange, wenn die Bestellung nicht schon mittags aufgegeben wurde. Der Vater im Sandy Losmen verwaltet das Geld und er erwartet, dass man ihm die Differenzsumme vorrechnet oder den Betrag passend hat. Kopfrechnen können sie alle nicht, mit Ausnahme des Verkäufers im einzigen Ladengeschäft in Lagundi. Er weiß, wie viel Ware er vorrätig hat und wie viel jede Ware kostet, denn er kontrolliert Ware und Barbestand täglich. Er merkt sich jeden Kunden, von dem er noch Geld zu bekommen hat bzw. dem er noch Geld schuldet, weil es beim letzten Kauf an Kleingeld gemangelt hatte. Münzen und Banknoten von 100 - 1000 Rupiah (1640 Rp. = 1 US-Dollar) sind eben zu wenig im Umlauf, da am meisten benötigt. Der Tagesverdienst als Koch, Friseur, Fabrikarbeiter oder Beifahrer liegt zwischen 5000 und 7000 Rupiah.
Inzwischen ist die Insel Nias im indischen Ozean an der Westküste von Sumatra mit seinen Bergdörfern Bawemataluo, Orahili und Hilisimaetano auch schon das Ziel von Kreuzfahrten. Wenn eine Kreuzfahrt vor Anker liegen, wird in Bawomataluo das bekannte Steinspringen vorgeführt
Der Motorradfahrer, mit dem ich auf der Rückfahrt nach Sibolga nach Teluk Dalam fuhr, zeigte großen Respekt vor meinem Batakspeer. Zuerst wies er mich an, die Spitze nicht nach vorne, sondern nach hinten zu halten. Ich beruhigte ihn, ich hätte den Speer unter Kontrolle, es würde ihm nichts geschehen. Meine Worte waren ihm aber nicht genug Beruhigung. Wir waren wenige hundert Meter gefahren, da stieg er vom Motorrad und suchte nach einem Schutz für die Speerspitze. Er fand ein Stück Bambus und wir befestigten es. Danach schärfte er mir erneut ein, die Spitze nach hinten zu halten. Ich tat ihm den Gefallen. Trotzdem schaute er sich auf den sechs Kilometern nach Teluk Dalam wohl zwei Dutzend Mal nach meiner Speerspitze um, so groß war seine Angst davor. Der Speer kam auf meiner Rückreise zwar mit Hindernissen, ich brauchte eine spezielle Einfuhrgenehmigung in Singapur, wohlverpackt als Handgepäck bis ins Flugzeug von Bangkok nach Amsterdam. Dort am Flughafen war er nicht angelangt und ich hatte ein Souvenir weniger.
Gerhard Maucher



 

© Gerhard Maucher






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