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Eine Reisereportage von Berthold Baumann

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  Pause am Ufer  

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Nachdem ich ablegte, nahmen die Möwen ihr Nest wieder in Besitz, so wie sie es auch in der Nacht (wenn man überhaupt von Nacht sprechen kann: die Sonne ging gegen 1 Uhr unter, aber dunkel wurde es nicht) gemacht hatten. Wetter und Strömung waren okay und ich kam gut vorwärts. Zuerst kam ich an kleineren Hügeln, Cutbanks und Canyons vorbei, dann wurde es flacher. Ein Wanderfalkenpärchen erkannte ich an seinen Schreien und den „schwarzen Hauben“ auf dem Kopf. Danach stieß ich auf das alte, total vermüllte Fischcamp Canyon Village mit nur einer guten Hütte. Bei starkem Gegenwind bekam ich Probleme das große Kanu mit nur einer Person drin zu steuern. Wegen vorgeformter Sitze konnte ich mich nicht verkehrt herum auf den Vordersitz platzieren, wie ich es sonst immer mache, um den Schwerpunkt – das bin ich – mehr in die Mitte zu verlagern. Es ging deutlich langsamer voran als mit dem Tänzer.




Ein Motorboot kam vorbei, glücklicherweise bevor ich mein Blitzbad nahm. Nach circa anderthalb Stunden sah ich eine gute Hütte, von der mich jemand heran winkte. Joe und Helen aus Fairbanks leben im Sommer dort und ich wurde auf einen Tee eingeladen. In der tollen, selbst gebauten Blockhütte standen jede Menge Bücher. Joe erzählt mir viel von der Geschichte der Region, die schon sehr lange besiedelt war. Beim weiter fahren stellte ich fest, dass sich der Deckel der Plastikkiste – aus Kais Nachlass – selbständig gemacht hatte. Mist, die war so praktisch, um bei Regen die Kleinigkeiten wasserdicht hinein zu legen.



Ich kam in die Lower Ramparts und es wurde hügeliger und felsiger. Die Bärenhöhle, wo Archäologen etwa 10.000 Jahre alte Knochen eines von Menschen erlegten Bären fanden, fand ich leider nicht, dafür sah ich eine Grizzlybärin mit zwei Jungen aus dem Vor- oder sogar dem Vorvorjahr. Die stibitzten sich einen alten Fisch von einer Insel und so kam ich recht nah heran. Die unteren Ramparts waren bei weitem nicht so hoch und lang wie die oberen. Weitere Wanderfalken und ein Pärchen Loons sah ich noch, dann kam ich in die Porcupine Flats, die genauso flach wie die Yukon Flats waren, von denen ich wieder einen Teil paddeln würde.

  Spiegelglatter Fluss  

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Bei erneut großer Hitze machte ich Strecke und sinnierte gerade darüber nach, wie gut ich mittlerweile Wurzeln von Tieren unterscheiden konnte, als eine der Wurzeln los lief. Ein Schwarzbär. Zuerst drohte mir der Hitzekollaps, dann brach plötzlich ein Sturm los, wie damals vor Old Crow. Mit dem blöden Dickschiff (sorry Kai) bekam ich echte Probleme. Es ist etwas länger als der Tänzer und ich hatte rund 4,5 Meter Boot vor mir. Der Wind flaute ab und ich paddelte mit voller Kraft durch die Kurve. Geschafft, sowohl die Kurve als auch ich. Das könnte in den Yukon Flats ja heiter werden. So ähnlich wie bei der Japanerin vor Beaver letztes Jahr.




Der Fluss war mittlerweile etwa 100 Meter breit geworden, also schon ein ganz schöner Brummer. Er hatte riesige Kurven und viele Inseln. Bei großer Hitze hieß es paddeln, paddeln, paddeln (und dabei an die Leser denken). Einmal landete ich beim Treiben lassen in einer Enge und musste das Kanu etwa 25 Meter ziehen. Später zogen um mich herum jede Menge große Gewitter auf, aber ich bekam nichts ab. Am Fluss lagen einige Hütten und Fischcamps, alle unbewohnt. Der Fluss wurde immer breiter und meine Probleme mit Wind und Wellen entsprechend größer. Teilweise gab ich auf und ließ mich treiben, bis ich wieder paddeln konnte. Bei einigen Sweepern und Cutbanks musste ich richtig rein hauen, um nicht hinein gespült zu werden.



Gegen Abend sah ich in einem Seitenarm am Ufer eine Fahne im Wind wehen. Ich landete an und sah eine tolle Hütte. Aber die komplette Einrichtung war nach draußen geschmissen worden und moderte fröhlich vor sich hin. Abends brutzelte ich mir Curry-Bannocks, weil ich mal etwas neues ausprobieren wollte. Das werde ich wohl so schnell nicht mehr machen …. Nachts hörte ich mehrfach Geräusche von Motorbooten und Flugzeugen und deuchte mich in der Nähe von Fort Yukon.



Zum Schluss ging der Porcupine noch einmal richtig gut ab und ich hörte immer häufiger Flugzeuge. Trotzdem dauerte es noch lange bis ich in die Nähe des Ortes kam. Ich sah sehr viele Adlerhorste und ließ mich treiben. Als ich die Augen aufschlug, hatte ich den Weg nach Fort Yukon vor mir. Wenn ich den Weg gesucht hätte, hätte ich ihn bestimmt verpasst. Eine winzige Anlandestelle und Lichtung im Wald. Kanuten, die nach Fort Yukon wollen, sind besser beraten, hier auszusteigen und das Kanu mit Geraffel die drei oder vier Kilometer zum Dorf transportieren zu lassen. Die Mündung des Porcupine liegt nämlich unterhalb des Ortes und man müsste sechs Kilometer gegen die Strömung des Yukon anpaddeln.



Ich ließ Fort Yukon jedoch links liegen und nahm den nördlichsten Arm des Porcupine, schließlich war ich bereits im letzten Jahr im Ort gewesen. Es war ziemlich hässlich und außerdem wollte ich meine Plörren behalten. Plötzlich hörte ich das Sedimentgestein, das der White River in den Yukon führt am Kanuboden rauschen und wusste damit, dass ich den großen Fluss erreicht hatte. Der war noch trüber als der Porcupine, hatte aber weit mehr Dampf. Ich ließ mich lange treiben, bis ich ein einladendes Eiland entdeckte.

   

 

© Berthold Baumann, 6 Einträge im Gästebuch von Berthold Baumann






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