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Eine Reisereportage von Berthold Baumann

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Mit dem Kanu von Old Crow im Yukon nach Yukon Corssing in Alaska
Auszug aus den Yukon Rundmails IX vom Sommer 2008

  Start der Kanutour  
  Old Crow, Kanada[120]

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Beim Start in Old Crow war es trocken, aber es wehte ein kalter Wind. Der Fluss führte viel mehr Wasser und war wesentlich schneller als im Herbst 2003. Nach einer guten Stunde war ich vor der großen Kurve, die ich vom Old Crow Mountain gesehen hatte und entdeckte einen guten Grizzly am Ufer. Ansonsten lagen am Ufer oft noch meterdicke Eisschollen. Sie hatten eine kristalline Struktur und es machte einen Mörderspaß Steine drauf zu schmeißen und große Stücke abbrechen zu sehen. Nach einer weiteren Stunde schwebten drei Weißkopfseeadler über mir, nein, einem Fisch am Ufer und ich hatte sie aufgeschreckt. Das nutzte eine Schwarzbärin mit zwei Jungen um ihn ans Land zu ziehen.


  "Kleine" Eisschollen am Ufer  
  Porcupine River, Kanada[120]

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Ein Motorboot von Old Crow zog an mir vorbei. Diese Tour schloss sich fast nahtlos an den Yukon-Trip von letztem Jahr an. Es regnete ein bisschen, früh suchte ich nach einem Zeltplatz, fand einen windigen und gewöhnte mich wieder an die Camparbeiten. Wegen des Windes und des Sandes knirschte das Essen zwischen den Zähnen, aber dafür hatte ich keine Mücken, obwohl es denen wahrscheinlich eh noch zu kalt war.


  In den Upper Ramparts  
  Porcupine River, Kanada[120]

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Nach etwa zweieinhalb Stunden Paddeln unter strahlend blauem Himmel ging es in die Berge und wurde canyonartig. Ich fuhr durch die Upper Ramparts des Porcupine Rivers. Der Fels war braun, grau, gelb und schwarz. Es gab Türmchen und Löcher im Fels und einer war ganz stark gefaltet, echt klasse. Dazu waren zahlreiche Wanderfalken zu sehen und hören. Mir wurde es nach einer Weile zu heiß. Gestern noch Eisschollen und tags drauf Hitzewellen. Ich nahm das als Anlass mich eine Weile treiben zu lassen. Von der linken Seite führte ein Bach in den Porcupine. Ich landete an und lief etwa 100 Meter am Bach entlang. War das die versteckte Goldschlucht aus der gleichnamigen Kurzgeschichte von Jack London? Ich beschloss mein Zelt aufzuschlagen. Am Anfang langsam angehen lassen. Abends kamen die ersten Mücken, aber die Menge war überschaubar.


  In den Upper Ramparts  
  Porcupine River, Kanada[120]

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Die Ramparts wurden immer bizarrer und die Felsen ähnelten riesigen Legosteinen, allerdings wieder in schwarz und gelb. War Gott am vierten Tag BvB-Fan, oder was? Die Strömung war flott und es irre heiß. Eine große Insel lag vor mir und von rechts floss ein Bach ein, wo ich angeln könnte, aber links war die Hauptströmung. Ich hielt mich trotzdem rechts und das war gut so, denn sonst wäre ich am HBC-Posten und Dorf Rampart House vorbei gefahren, dessen Hütten ich erst jetzt sah. So ist das halt, wenn man komplett ohne Karten fährt.


  Rampart House  

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In Rampart House standen verschiedene alte Hütten in unterschiedlichen Erhaltungs- und Renovierungsstadien. Ich wanderte steil einen Hügel hoch und hatte einen tollen Ausblick auf Dorf und Fluss. Direkt am Dorf stand der Grenzpfosten zu Alaska. Hierhin hatte sich die HBC zurück ziehen müssen, als klar wurde, das Fort Yukon weit in Alaska lag, also außerhalb der englischen Einflusssphäre. Ich angelte erfolglos, was ich zum Anlass nahm, mich viel treiben zu lassen. Bei der hurtigen Strömung war Paddeln wirklich nicht zwingend notwendig. Außer Enten gab es keine Tiere zu sehen.


  Rampart House  
  Porcupine River, Kanada[120]

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Weiter ging es durch die Canyonlandschaft. Von links mündete der Salmon Trout River herein und ich sah einige Hütten. Hierhin hatte sich die HBC zuerst von Fort Yukon zurück gezogen, aber später feststellen müssen, dass sie immer noch in Alaska war. Mitten in der Flussmündung stand ein großer Felsen. Der sah aus wie beim James Bond-Film in Thailand, nur war er nicht so groß. Ich paddelte in den Fluss hinein und etwa 300 Meter hoch. Auf einem Felsen thronte ein Adlerhost mit Adler. Ich angelte ein wenig und holte nach kurzer Zeit einen etwa 60 Zentimeter langen Hecht heraus. Ging doch!


  Einmündender Salmon Trout River  

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Das Wasser des Salmon Trout Rivers war ganz klar, im besonders krassen Gegensatz zum dunkelbraunen Porcupine. Ich probierte einige Sachen beim Angeln aus und es klappte super. In zwei Stunden zog ich 15 weitere Hechte, Äschen und Forellen aus dem Wasser. Aha, für Hechte musste der Blinker tief ins Wasser runter und für Äschen und Forellen an der Oberfläche sein. Das hatte mir der Angelheini in Dawson gesagt. Die Fische schmiss ich alle wieder rein, da ich an dem einen Hecht genug hatte. Ich bin ja kein Vollidiot (hoffe ich wenigstens). Es regnete und ich ließ mich gut gegen den Regen verpackt auf dem Fluss treiben.


  In den Upper Ramparts  

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Ganz plötzlich erreichte ich das Ende der Ramparts. Nach der harten Arbeit des heutigen Tages – Paddeln und Angeln – nahm ich die erste Insel dahinter als Camp. Zwei Möwen blieben immer in meiner Nähe und ich stellte erst später fest, dass ich mein Zelt etwa 13 Meter von ihrem Bodennest aufgebaut hatte. Darin lagen drei gesprenkelte und komisch oder konisch geformte Eier. Ich brutzelte zufrieden meinen Hecht. Yammi! Der Abend gestaltete sich sehr schön und ohne Wind, dafür mit Moskitos.






 

© Berthold Baumann, 6 Einträge im Gästebuch von Berthold Baumann





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