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Es war wie immer am Busbahnhof. Seit 5:30 Uhr, noch im Dunklen, warten die ersten Fahrgäste auf die Öffnung der Tore. Dieses Mal wusste ich schon meine Busnummer 6032 und konnte mich selber orientieren. Als erster Fahrgast hatte ich die Auswahl auf einen Sitzplatz vorne am Fenster. Noch eine Stunde dauerte es, bis der Bus auf den letzten Platz gefüllt war und losfuhr. Nach einer Stunde ging es von der gut ausgebauten, asphaltierten Straße auf eine Schotterpiste ab und es wurde gebirgig. Nicht nur Fahrzeuge waren unterwegs, sondern auch Hirten mit Zicklein, Rindern, Kamelen und Maultieren. An den Berghängen wuchsen bis zum Gipfel Kakteen und Dornenbüsche, Auf schmalen Terassen wird Getreide angebaut. Wieder sind es strohgedeckte Rundhütten, die an den Hängen kleben. Mit großen Plastikkanistern laufen Frauen zur nächsten Wasserstelle. Unser Fahrer fährt sehr umsichtig und trotzdem zügig, In Alamater machen wir, zurück auf der Teerstraße, eine Kaffeepause. Kurz vor Woldia geht es nochmal Serpentinen hinauf und durch einen Tunnel ohne Licht, wie ihn die Italiener zu bauen pflegen. 12 Uhr mittags sind wir an der Abzweigung nach Lalibela und trotzdem fährt erst morgen 6 Uhr/12 Uhr äthiop. Zeit der nächste Bus.
8 Uhr beginnt die Fahrt nach Lalibela. In der fruchtbaren Region hinüber zum Tanasee wachsen Zuckerrohr, Bananenstauden, Zitronen und Orangen. Das feuchte Klima produziert Bergnebel, je höher der Bus hochkraxelt. Dann durchsticht der Bus die Nebelzone und wir werden auf über 3000 m in gleißendes Sonnenlicht getaucht. Die Gesänge aus dem Lautsprecher kommen mir vor wie Pilgergesänge, so anstrengend ist die inzwischen 4-stündige Rütteltour. Endlich ein Stopp zum Mittagessen mit injera und Fleischtunke. 64 km sind es noch ab Gashema bis Lalibela und nochmal eine Passstraße und weitere 3 Stunden. |
Mit das wichtigste Heiligtum der orthodox äthiopischen Kirche sind die Felsenkirchen von Lalibela. Schon der Portugiese Francisco Alvarez fürchtete Anfang des 16. Jhdt, wegen seiner Beschreibung für einen Lügner gehalten zu werden, so unglaublich unbeschreibbar ist dieses Wunder.
Lalibela, 8000 Einw., 2630m hoch liegt am Fuße des 4190m hohen Abuna Yosef und verdankt seinen Namen dem König Lalibela (1167-1207). Die 11 Felsenkirchen (3 Tage gültiges Ticket 200 Birr) weisen Bezüge zu den heiligen Stätten Palestinas auf. Gehauen in rötlichen Vulkanstein steigt man einen schmalen Gang hinab zur größten und wichtigsten Kirche Bete Medhane Alem (Erlöser der Welt) eine Basilika, 33m lang, die durch 4 Pfeilerreihen geteilt ist. Geschmückt wird die Kirche durch feine in den Stein gehauene Dekarationen und durch die durchbrochenen Fenster. Mit ihrem Bau im 12./13. Jhdt. wurde nicht nur symbolisch Jerusalem nach Lalibela verpflanzt, sondern im Grundriss auch die alte, ehemalige Kathedrale von Axum mit der Bundeslade neu erbaut.
Durch einen mannshohen 8 m langen Tunnel gelangt man zur Kirche Bete Maryam. Sie ist im Innern reich geschmückt mit Mutter Gottes Bildern mit weißem und gegenüber mit schwarzem Jesuskind. Überall sieht man Priester, die aus dicken Gebetbüchern Litaneien zitieren oder auch Nonnen, die Rosenkränze beten. Der Pfeiler ist mit Stoff verhüllt, denn der Legende nach sah König Lalibela im Traum, wie sich Christus gegen diesen Pfeiler lehnte. Deshalb darf kein menschliches Auge mehr ihn sehen. Auch Mönche und Nonnen küssen mit Inbrunst Säulen und Portale. Durch den südlichen Zugang gelangt man über die Sinai Kirche zur Michaels-Kirche.
Ein Engel markiert das Grab Christi und auf einem großen Gemälde kann man Maria, den Hl. Gyorgis und Gebre Manfus Qiddus den Hl. König sehen. Ganz allein im Westen liegt die Georgs-Kirche. Diese Kirche in Form eines griechischen Kreuzes soll König Lalibela in einem weiteren Traum durch den Hl. Georg in Auftrag gegeben worden sein. Im Innern posiert der Priester bereitwillig gegen ein Trinkgeld mit den Kreuzen für ein Foto.
Zum Abschluss meines Aufenthalts in Lalibela, bevor ich morgen früh den Bus nach Dessie nehme, probierte ich noch den Honigwein, der in dem mittleren Stadium wie saurer Apfelmost oder Cidre schmeckte und der 1/4 Liter nur 6 Birr kostete.
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