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Diskussion
  • portugiesisches Gesundheitssystem Twinky   31. Oktober 2008

Verfaßt am 31. Oktober 2008 um 16:56, Thema: Portugal

Offener Brief

Große Schwächen des portugiesischen Gesundheitssystems oder wie Touristen in Not behandelt werden.

Hallo,

eigentlich sind wir keine Menschen, die sich gerne beschweren und die Gegebenheiten unseres Urlaubslandes hinnehmen, was uns jedoch am Samstag / Sonntag 25.10.2008, 26.10.2008 passierte, kann nicht ohne einen Kommentar und eine offizielle Beschwerde bleiben.

Zur Geschichte:

Wir buchten unseren Urlaub vom 17.10.2008-26.10.2008 in Portugal, wowir eine Rundreise durch das Alentejo und die Algarve machten. Am 24.10.2008 erkrankte unsere 11-monatige Tochter. Sie litt unter Fieber. Nachdem wir das Krankenhaus in Beja aufsuchten, bekamen wir Paracetamolzäpfchen. Zunächst halfen diese auch und wir fuhren am 25.10.2008 nach Faro, um dort unseren letzten Tag in Portugal zu verbringen (Unser Flug ging am 26.10.2008 um 08:45 Uhr). Gegen Abend wurde das Fieber meiner Tochter jedoch schlimmer und es erreichte über 40° C. Wir erhielten eine Telefonnummer von einer Ärztehotline in Portugal. Dort riefen wir auch sofort an und man erklärte uns, dass wir umgehend ins Krankenhaus fahren sollten. Die Dame „Rita Rosa“ wollte sogar ein Fax dorthin schicken und somit erklären wie dringend unsere Angelegenheit ist und uns somit Wartezeiten zu ersparen (Später bestätigte sie uns dann noch mal, dass sie eine erfolgreiche Sendebestätigung habe). Also fuhren wir mit einem Taxi in das örtliche Krankenhaus von Faro. Dort wurden wir zur Kinderstation verwiesen, die nur für dringende Fälle da ist. Dort angekommen (22:30 Uhr), sprachen wir die Dame am Empfang direkt auf das Fax an. Ihre Antwort drauf erstaunte uns sehr, denn sie sagte: „Manchmal sind unsere Leute schneller als das Fax.“ Was sie damit meint wurde uns erst später bewusst. Wir mussten einen Zettel ausfüllen und uns bereit erklären einen Betrag von 143,50 € sofort zu bezahlen. Selbstverständlich waren wir dazu sofort bereit, denn es ging ja um die Gesundheit unserer Tochter. Der Wartebereich, der sich direkt hinter der Eingangstür befand war voll mit Menschen, die alle mit kleinen Kindern und Babys da waren. Einige der Kinder übergaben sich, andere schrien wieder andere spielten und rannten durch die Gegend. Den Namen zu verstehen war gar nicht so einfach, dennes war niemand da, der für Ruhe und Ordnung sorgte. Die aufgerufenen Namen wurden durch eine altertümliche Sprechanlage geflüstert und kaum jemand verstand irgendetwas. Die Behandlungszimmer befanden sich hinter einer weiteren Tür, vor der ein Wachmann, wohl von einem privaten Unternehmen, drauf aufpasste, dass keiner unangemeldet dort rein ging. Die Ordnung im Wartebereich interessierte ihn gar nicht. Vor der Eingangstüre waren die Väter und rauchten einen nach der anderen. Jedes mal, wenn die Tür aufgemacht wurde, kam der Qualm herein. Um diese Tageszeit herrschten auch nicht mehr besonders hohe Temperaturen und so wurde die Luft bei jedem Öffnen der Eingangstüre abgekühlt. Eigentlich sollte man doch davon ausgehen, dass ein Krankenhaus dafür Sorge zu tragen hat, dass die Menschen und insbesondere Kinder nicht durch das Krankenhaus noch kränker werden. Uns war schon klar, dass wir als Touristen keine Privilegien erwarten durften und auch nicht wollten. Wir hatten jedoch wahnsinnige Angst, dass das Fieber unserer Tochter noch weiter steigt und sie einen bleibenden Schaden davon tragen könnte. Nach ca. 30 Minuten wurde meine Tochter auch aufgerufen. Meine Frau und ich wollten herein, doch eine Bewegung des Wachmannes verbot mir mit hineinzugehen, was ichbei weitem nicht verstand.
Circa 5 Minuten später kam meine Frau mit meiner Tochter wieder heraus. Meine Tochter hatte nur noch ihren kurzarmigen Body an. Ich fragte meine Frau was denn passiert sei und sie sagte mir, dass meine Tochter lediglich ein fiebersenkendes Zäpfchen erhalten hatte und ihr gesagt wurde, sie solle die Kleine ausziehen, damit das Fieber gehen könne. Man wolle sie dann gleich wieder rein rufen und sie dann von einem Arzt untersuchen lassen. Man wolle so sehen, ob das Zäpfchen wirke. Dies klang für uns zunächst einmal plausibel. Also warteten wir. Unsere Tochter haben wir dann aber nach 20 Minuten wieder angezogen. Sie bekam schon eine Gänsehaut. Die Leute wurden reingerufen und gingen wieder. Auch Leute die nach uns kamen. Gegen 0.00 Uhr erfolgte dann ein Personalwechsel. Die Rezeptionistin wurde abgelöst und wohl auch die Ärzte. Auch der Wachmann ging. Erst später sah ich, dass ein neuer Wachmann da war, dieser sich aber lieber draußen aufhielt und der restlichen Zeit nicht wieder hereinkam. Die Dame der Rezeption, deren Name wohl Graca war, war nur noch sporadisch zu sehen und hielt sich in der übrigen Zeit wohl woanders auf. Im Hintergrund lief auch immer ein Fernseher. Gegen 01.00 Uhr, also 2 ½ Stunden nach unseren Eintreffen und 2 Stunden nach Verabreichung des Zäpfchen, ging ich sodann zu der Dame „Graca“ der Rezeption und fragte wie lange wir denn noch warten müssten. Die Dame hatte wohl nicht ihren besten Tag und antwortete in einem sehr schlechten Englisch „What do youwant?“ Dies war kein normales „What do you want“ sondern ein aggressives. Ich kam mir vor, als wenn ich die Dame „Graca“ gestört hätte und nur ein lästiger Typ wäre. Trotzdem erniedrigte sich die Dame „Graca“ und erteilte mir die Auskunft, dass noch 6 Personen vor uns dran wären und wir mindestens noch eine Stunde zu warten hätten. Mittlerweile wurde die Abwesendheit des Wachmanns von spielenden Kindern ausgenutzt und der Wasserspender als Spiel angesehen. Das Wasser floss zwar auch in Becher, jedoch am meisten auf den Fußboden, der zusammen mit dem Erbrochenen eine herrliche Rutschbahn ergab. Der Wachmann bekam von der ganzen Sache nichts mir, da er sich nicht um das Geschehen kümmerte. Die Dame der Rezeption „Graca“ hat dieses jedoch mitbekommen, unternahm aber nicht. Die Kreuzworträtsel oder Fernsehsendungen waren wohl spannender und es ging ja wohl auch nicht um ihre Kinder. Wir waren zu diesem Zeitpunkt so verzweifelt, dass ich der Dame „Graca“ schon 1000,-- € bieten wollte, wenn jetzt endlich ein Arzt unsere kleine Tochter ansehen könnte. Wir können gar nicht beschreiben, wie verlassen und hilflos wir uns vorgekommen sind. Wir überlegten verschiedene Möglichkeiten, in ein anderes Krankenhaus, Flughafenarzt, privater Arzt? Wir kannten in Faro jedochniemanden und mussten uns auf die Großzügigkeit der portugiesischen Ärzte verlassen.
Um 02:30 Uhr, er wurden insgesamt 13 Personen vor uns reingerufen, wurde meine Tochter endlich reingerufen. Ich hatte den Eindruck, dass ich bei Graca durch meine Nachfrage in Ungnade gefallen war und fragte besser nicht mehr nach. Ca. 10 Minuten später kam meine Frau mit meiner Tochter wieder heraus. Der Arzt hatte festgestellt, dass sie eine Mittelohr- und eine Mandelentzündung hatte. Er verschrieb ihr ein Antibiotikum.

Nachdem wir weitere 15 Minuten auf Graca gewartet hatten, wir mussten ja schließlich noch die 143,50 € bezahlen, fragte meine Frau (sie ist Portugiesin), ob Graca uns wohl sagen könnte, welche Apotheke jetzt einen Notdienst anbietet. Man muss sich das so vorstellen, dass Graca hinter einem Sicherheitsglas sitzt, und ganz unten nur ein schmaler Spalt ist, so Sachen übergeben werden können. Zwar kann man auch durch einen Durchlass sprechen, jedoch versteht man dann nicht mehr was Graca sagte, da diese nur leise sprach und sich auch nicht bequemte aufzustehen. Hinter diesem Sicherheitsglas sitzt Graca jetzt als, mit einen Kugelschreiber in der Hand und erklärt meiner Frau, dass draußen ein Aushang ist, wo die Apotheken eingetragen sind. Nachdem wir uns durch dieses Schema durchgekämpft hatten, es galt wohl noch der Plan für Samstag, fragte meine Frau höflichst um einen Stift, damit sie sich die Adresse aufschreiben kann. Dies verweigerte uns Graca und sie kann wirklich glücklich sein, dass sie hinter Sicherheitsglas saß. Meine Frau fragte nochmals, jedoch winkte Graca nur mit dem Stift und sagte: „Nao!!“. Wir fragten dann den Taxifahrer nach einer Notapotheke und dieser wusste auch eine. Der brachte uns dorthin und anschließend auch zurück ins Hotel, wo wir unsere Sachen packten und zum Flughafen fuhren.

Ich bin Organ der Rechtspflege in Deutschland und habe viele Menschen in Angelegenheiten vertreten, die das deutsche Gesundheitssystem betreffen. Durch Erzählung habe ich viel von anderen Gesundheitssystemen erfahren, auch von solchen der Dritten Welt. In vielen Fällen konnten die Ärzte nicht helfen, weil Ihnen das notwendige Equipment fehlte. Es gab jedoch keinen einzigen Fall, in dem durch die Willkür einer einzelnen Person, GRACA, eine Hilfe für ein 11-monatiges Baby untersagt wurde. Wir haben uns damit abgefunden, dass Portugal nicht viel für Kinder macht, jedoch lieben wir Portugal wegen seiner Leute und Landschaften. Wir haben uns jedoch geschworen, erst dann wieder dieses Land zu bereisen, wenn sich entweder das Gesundheitssystem geändert hat oder unsere Tochter in einem Alter ist, wo ihr nicht mehr so schnell was passieren kann. Sicherlich ist klar, dass ich unseren Fall weitertragen werde um andere zu schützen.
Ich habe juristische Partner in Lissabon und Porto, wollte selber sogar eine Kanzlei in Portugal aufbauen, wovon ich jetzt selbstverständlich absehen werde. Uns tun die Menschen leid, die der täglichen Willkür und dem portugiesischen Gesundheitssystem ausgeliefert sind und versuchen mit diesem Brief dagegen zu kämpfen. Bedanken möchten wir uns bei den Menschen, die trotz der widrigen Verhältnisse, immer versuchen zu helfen und nicht zu abgestumpft sind um Emotionen, Ehre und Verantwortung zu empfinden und zu tragen.


 Autor: Twinky Nachricht an den Verfasser

 
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