 |  | Flugstress
Wir ließen uns wieder von einer Stretchlimousine abholen und zum Frankfurter Flughafen fahren. Mit der Fluggesellschaft Cathay Pacific flogen wir Business-Class in 12 Stunden nach Hongkong. Leider hatten wir nicht das Glück auf dem Rückflug auch Business-Class, sondern nur Economy zu fliegen. Der Hinflug war nicht nur vom Service, sondern auch von den Sitz- bzw. Schlafmöglichkeiten um Klassen angenehmer. Die Freundlichkeit des Bordpersonals läßt in der Economy-Class ebenfalls leider sehr zu Wünschen übrig. Da wir beim Rückflug weit hinten saßen, konnten wir uns das Essen nicht aussuchen, sondern bekamen das, was noch da war. Es sah leider auch so aus. Auf dem Rückflug wollte ich nur noch schlafen, aber auch das war mir leider nicht vergönnt. Die „Dame“ hinter mir hatte wohl etwas dagegen, denn ständig wurde ich mit Schlägen gegen die Rückenlehne vom Schlaf abgehalten. Meine Bitte, dieses zu unterlassen, half da wenig. Sie meinte nur, wenn meine Rückenlehne in Schräglage sei, hätte sie zu wenig Platz. Aber davon hatten alle Fluggäste zu wenig in der Economy-Class. So zogen sich die 13 Stunden Rückflug auch dementsprechend lange hin.
Kowloon
Am Flughafen Hongkong gibt es u.a. die Möglichkeit, mit dem Airport Express schnell und preiswert nach Kowloon Station zu gelangen. Von dort aus fahren verschiedene Busse (Linien K1-K5) alle 20 Minuten die größeren Hotels an. Bei der Rückreise kann man schon auf der Station einchecken und die Koffer aufgeben, was keinerlei nervige Wartezeiten auf dem Flughafen mehr erfordert.
Auf dem Flughafen gibt es die Möglichkeit, in einem Irischen Pub zu rauchen. Der Pub befindet sich in der Ankunftshalle, bevor man durch den Zoll geht (aus Hongkong-Sicht) ganz rechts neben den Aufzügen. Dort ist es auf jeden Fall gemütlicher als in den stinkenden Raucherräumen des Flughafengebäudes. Ansonsten gilt im gesamten Flughafengelände absolutes Rauchverbot.
Unser Hotel war das Empire Kowloon in der Kimberley Road. Die Zimmer dort sind sehr klein. Der Kleiderschrank, ca. 50 cm breit und 20 cm tief, wenn man diesen überhaupt so nennen kann, ist winzig. Es passen nur ein Kleid und ein Anzug herein. Ablagefächer für T-Shirts oder Wäsche fehlten im Schrank ganz. Ebenso ist das Bett nur 1,40 m breit. Ein Nachttisch sowie eine Lampe fehlen auf der einen Seite ganz (kein Platz mehr). Dafür sind die Zimmer sehr sauber und es besteht in jedem Zimmer die Möglichkeit, sich selbst einen löslichen Kaffee zu kochen.
Das Hotel liegtsehr central, schnell ist man an jedem Ort, den man erreichen will. Die Nathan Road, an der sich auch die U-Bahn Station befindet, ist nur ca. 5 Gehminuten vom Hotel entfernt. Wenn man sich nur in Hongkong aufhalten will, ist ein Tourist MTR 1-Day Pass für 50 HK$ (ca. 7,00 Euro) für die U-Bahn eine preisgünstige Gelegenheit, um sich in der ganzen Stadt umzusehen. Mit diesem Ausweis gelangt man mit der Bahn auch nach Hongkong Island. Den Hafen erreicht man vom Hotel aus in ca. 15 Minuten Fußweg. Den Hafenkann man mit der Star Ferry überqueren. Eine Überfahrt auf dem Oberdeck kostet umgerechnet ca. 0,30 Euro.
Shopping-Gelegenheiten ohne Ende
Das Warenangebot in Hongkong lässt kaum einen Wunsch offen. Ständig wird man auf der Straße von Uhrenverkäufern angehalten, die ihre Imitationen verkaufen wollen. Auch Schneider, meistens Inder, die maßgeschneiderte Anzüge, Hemden und Kleider anbieten, findet man überall auf den Straßen. Die Qualität der Stoffe soll aber leider nicht besonders gut sein. Die Haupt- und Geschäftsstraßen von Hongkong sind sehr sauber, alle 50m befindet sich ein Mülleimer mit Aschenbecher. Unzählige Straßenkehrer sorgen hier für Ordnung. In den kleinen Seitenstraßen sieht es allerdings ganz anders aus. Schmutzige heruntergekommene Häuser mit kleinen Straßenläden prägen hier das Stadtbild. Aber auch das gehört zum Flair dieser Stadt. Aufgefallen ist mir, daß es für jedes Warenangebot einzelne Straßenzüge gibt. So gibt es beispielsweise Straßen, in denen nur Geschäfte mit Brautmoden, andere nur mit Möbeln, Elektronikwaren, Autos, Visitenkarten, Lebensmittel, usw. zu finden sind.
Night Market, Vogelmarkt und Ladies Market
Überall auf den Straßen, in den Kaufhäusern, Restaurants und Cafes ist es unglaublich laut. Wer Ruhe sucht, bleibt lieber in seinem Hotelzimmer. Sehr interessant sind die Märkte, die je nach Markt von früh morgens bis mitten in der Nacht geöffnet sind. So gibt es einen Gemüse- und Obstmarkt, einen Vogelmarkt, einen Markt nur für Blumen, einen Jademarkt, einen Kleidermarkt, einen Markt nur für Ladies und einen Nachtmarkt (Night Market). Auf dem Nachtmarkt (ab ca. 20.00 Uhr) in der Temple Street findet man so ziemlich alles an Kleidung, Computerzubehör, Handyzubehör, Souvenirs und Porzellan. Auch Wahrsager, die aus der Hand lesen oder mit Tarotkarten die Zukunft vorhersagen, findet man in großer Zahl. Auch ich wollte mir aus der Hand lesen lassen. Je nach Wahrsager kostet es 100$. Also, das Geld kann man sich als Tourist wirklich sparen. Der Wahrsager, den ich mir ausgesucht hatte, sprach leider kein Englisch. Weiter zum Nächsten. Dieser hatte einen Übersetzer, der mir in sehr schlechtem Englisch sagte, daß ich gerne reise und ich sehr glücklich werden würde. Das wusste ich auch ohne Wahrsager. Na ja, es hatte wenigstens einen Spaßeffekt. Auf dem Vogelmarkt kann man allerlei exotische Vögel bestaunen. Allerdings halten einige Verkäufer bis zu 30 oder 40 Vögel in sehr kleinen Käfigen, was ich als Tierquälerei empfunden habe.
Ein "Insider"-Tip zum Essen in Kowloon
Am Rand des Nachtmarktes befindet sich (auf der Temple Street) das Restaurant „Wing Fat Seafood“. Dieses Restaurant wird überwiegend nur von Einheimischen besucht. Empfindlich darf man hier, was die Sauberkeit betrifft, nicht sein. Toilettenpapier als Servietten auf den Klapptischen sind in diesem offenen Restaurant selbstverständlich. Nachdem wir etwas getrunken hatten, wollte ich hier auch etwas essen. Mit "Chicken Irgendwas" konnte ich ja eigentlich nichts Verkehrtes bestellen. Die Speisen in chinesischen Restaurants sind aber wohl alle sehr fettig. Probiert habe ich es dennoch und es schmeckte auch nicht einmal schlecht. Nur konnte ich nicht genau erkennen, was ich da so in meiner Schüssel hatte. Hähnchen? Brokkoli? Oder doch was anderes? Na ja, nach wenigen unerkennbaren Stückchen Fleisch und irgendwelchem Gemüse war ich dann auch satt. Übrigens kann man hier sehr preisgünstig auch nur etwas trinken. Die Flaschen oder Getränkedosen werden erst am Tischgeöffnet. Keiner wird aufgefordert zu gehen, wenn man nur trinken und nichts essen will.
Die Tempelanlage Po-Lin
Unseren Ausflug nach Lantau Island zu der Tempelanlage Po Lin mit der riesigen Buddha Statue (26m hoch) sowie dem Fischerdorf Tai O Village, buchte mein Mann in unserem Hotel. Die Fahrt zur Tempelanlage führte uns über die längste Brücke der Welt (Tsing Ma Bridge) . Nach ca. 45 Minuten Fahrt mit dem Bus konnte ich schon von weitem die riesige Statue des Buddhas auf dem Berg bewundern. Der Weg zur Buddha Statue führt über eine lange Treppe. Die Statue ist von innen geöffnet, jedoch das Photographieren im Inneren streng verboten. Weiter ging es zur Tempelanlage, die der Buddha Statue angeschlossen ist. In einem der Tempel fand gerade ein Gebet der dort lebenden Mönche statt. Bitte - wie auch bei uns- nicht stören. Natürlich war auch hier das Photographieren des Tempels während des Gebetes der Mönche nicht erlaubt. Hier herrschte eine angenehme Ruhe und Beschaulichkeit. Souvenirshops, die recht preisgünstig ihre Ware anbieten, dürfen aber auch hier nicht fehlen. Aber das Angebot ist leicht überschaubar und preiswerter als in Hongkong.
Das Fischerdorf Tai-O
Weiter ging es durch grüne Wälder zum Fischerdorf Tai O Village. Hier liegen in einem kleinen Hafen die Fischerboote der Bewohner des Dorfes. Auf einer durch das Dorf führenden Straße bieten die Frauen der Fischer den gefangenen Fisch und die Meeresfrüchte zum Kauf an. Garküchen mit undefinierbaren Speisengibt es auch hier in diesem kleinen Dorf.
In dieser Straße gibt es so ziemlich alles, was die Menschen hier zum Leben brauchen. Getrockneten Fisch, verschiedene exotische Gewürze, Reis, Obst und Gemüse. Unmittelbar, neben auf Zeitungspapier liegenden frischen Fischen, lagen kleine Hunde, die friedlich schliefen. Diese Hunde werden, wie bei uns auch, als Haustiere gehalten. Ob sie da auch gegessen werden haben wir nicht erfahren.
In diesem Dorf gibt es zwar einen kleinen Tempel, jedochkeinerlei ärztliche Versorgung. Der Arzt kommt alle 2-3 Wochen vorbei, um die Menschen zu betreuen. Das „Rathaus“ erscheint in Form eines Busses alle 2 Wochen, um die aktuellsten Nachrichten zu übermitteln.
Die Menschen leben teilweise in aus rostigen Wellblech oder Holzverschlägen zusätzlich mit Pappe selbstgebauten Häusern. Ganz stolz zeigte uns der einheimische Reiseleiter ein winzig kleines Haus (ca. 15qm) aus Blech, welches angeblich nicht rosten würde. Es war sein eigenes. In diesen Häusern leben bis zu 10 Personen auf engstem Raum. Hierin wird gekocht, gegessen und auch geschlafen. Obwohl das Dorf keinen besonders sauberen Eindruck machte, war ich überrascht, daß es dort keineswegs unangenehm roch.
Einmal das wirkliche Leben in einem Fischerdorf zu erleben, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Keinesfalls hatte ich hier den Eindruck, es wäre nur für Touristen zur Schau gestellt worden. Zurück fuhr uns der Busfahrer, der Reiseleiter ist in seinem Dorf geblieben, in rasanter Fahrt zueinem Schnellboot. Dieses brachte uns innerhalb kürzester Zeit, vorbei an der beleuchteten Skyline Hongkongs, nach Hongkong Island.
Victoria Peak
Mit der Fähre gelangt man schnell von Kowloon nach Hongkong Island. Wobei ich lieber dieAussicht von Kowloon nach Hongkong Island genoß, denn Kowloon hat nicht diese wahnsinnig hohen Wolkenkratzer und auch nicht diese schöne Aussicht auf die Skyline bei Nacht.
Am nächsten Tag regnete es etwas, aber wir wollten unbedingt mit der Standseilbahn zum Gipfel des Victoria Peak. Die Bahn besteht seit 1888, wobei die nach unten gleitende Bahn die nach oben fahrende an einem Drahtseil bergan zieht. Die Fahrt nach oben führt vorbei an unzähligen bewohnten Hochhäusern. Es kam mir teilweise während der Fahrt vor, dass nicht die Bahn steil schräg hoch fuhr, sondern die Hochhäuser schräg standen. Beeindruckend. Oben herrschte der für Hongkong übliche Lärm, aber im Restaurant „Marché“ (Möwenpick) ist es angenehm ruhig. Auch bei den Speisen und Getränken ist das Preis- Leistungsverhältnis ausgeglichen. Die Aussicht auf Hongkong ist von dort oben gewaltig. Während unseres Aufenthaltes in diesem Restaurant regnete es immer stärker. Innerhalb von Sekunden waren keine Häuser mehr erkennbar, ebenso schnell tauchten sie aus dem Nichts wieder auf.
Aberdeen
Nach unserer Tour zum Victoria Peak wollte ich zum Fischerhafen in Aberdeen. Hier leben die Menschen noch auf ihren Fischerbooten.
Also fuhren wir mit dem nächsten Taxi (recht preiswert) Richtung Fischmarkt. Da es später Abend war, war der Markt bereits geschlossen und wir waren ziemlich ratlos, was wir denn jetzt hier wollten. Der Taxifahrer war sehr freundlich und empfahl uns eine Schiffsfahrt mit einem Boot, das uns kostenlos zum schwimmenden Restaurant Jumbo brachte. Wir gingen zu dem besagten Boot und wurden unterwegs von einer Chinesin lautstark bedrängt, mit einem Hausboot eine Rundfahrt zu machen. Aber mein Mann ließ sich nicht beirren, so daß wir das richtige Bootsicher erreichten.
Das Restaurant Jumbo (ein großes etwas vom Yachthafen entfernt liegendes Schiff) ist schon von der Aufmachung her eine Sehenswürdigkeit für sich. Viel Kitsch in Rot und Gold, in der Aufmachung eines Tempels, Drachenköpfe überall. Das Restaurant verfügt über 3 Etagen, wobei die 3. Etage für nicht reservierte Tische freigehalten wird. Überwiegend aßen hier nur Einheimische, oder Touristen, die mit Einheimischen, die sich auskannten, unterwegs waren. Die Tische sind im europäischen Stil eingedeckt und für „Langnasen“ wie uns gibt es ungefragt Gabeln. Essen kann man hier einigermaßen gut, aber wir haben uns leider das Falsche ausgesucht. Wir mögen nun mal kein fettes Fleisch.
Kowloon
In Kowloon besuchten wir die Tempelanlage Wong Tai Sing. Hier wurden wir schon am Eingang der Tempelanlage von massenweise Verkäufern mit Räucherstäbchen oder Früchten lautstark empfangen. In der Tempelanlage selbst waren Tausende von Menschen in ihren lauten Gebeten vertieft. Im offenen Innenhof des Tempels nahm mir der Rauch der vielen Räucherstäbchen die Luft zum Atmen und auch meinen tränenden Augen war es dann zuviel. Keine der zur Anlage gehörenden Gebäude durfte betreten werden, nur ein entfernter Blick auf die einzelnen Tempel war gestattet. Außerdem war es hier so unerträglich laut, so daß ich nach nur 10 Minuten wieder weg wollte.
Wienerschnitzel auf chinesisch
Am Abend fanden wir durch Zufall ein deutsches Restaurant in der Hanoi Road („Biergarten“). Endlich gab es wieder etwas zu essen, ohne dass ich mich fragen musste, was ich denn da so aß. Schnitzel, Curry Wurst, Schlachtplatte, Steak oder Wienerschnitzel, mir lief beim Anblick der Speisekarte das Wasser im Munde zusammen. Auch deutsches Bier gibtes hier. Leider entdeckten wir dieses Lokal erst am letzten Abend, ich hätte also nicht die ganze Zeit in Hongkong auf europäische Küche verzichten müssen. Zwar steht in den Reiseführern, dass es auch europäische Küche in Hongkong gibt, aber alle Restaurants, die wir aufsuchten, boten nur chinesische Küche oder Sandwiches mit irgendwas an, und dies ist für mich mehr als gewöhnungsbedürftig.
Hongkong muß man sich einfach bei Dunkelheit ansehen, die wahnsinnig vielen Leuchtreklamen an den Häusernmachen einen ganz besonderen Reiz dieser Metropole aus. Außerdem erscheinen einem die schmutzigen Häuserfassaden nicht mehr ganz so schlimm.
Fazit: Hongkong ist eine sehr lebhafte, laute, gegensätzliche und sehr widersprüchliche Stadt, aber mehr als faszinierend. |  |  |