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Diskussion

Verfaßt am 11. Mai 2003 um 16:57, Thema: Laos

Eine Tagestour von Nong Khai ins benachbarte Laos

Sofern im mal nach Nordthailand unterwegs bin, mache ich meistens mehrere Tage Urlaub im idyllisch Ort Loei. Doch Loei ist nicht nur ein beschaulicher Ort zu Entspannen, sondern auch eine gute Ausgangsbasis für weitere Ausflüge. So plante ich vor einiger Zeit von Loei aus nach Udon Thani zu fliegen, um auch diese Stadt intensiver kennen zulernen als bisher. Diese Stadt ist wegen ihrer Größe und vorhandenen Flughafen sehr reizvoll, wobei man dort auch interessante Märkte findet. Aber es kam alles anders, da ich einen alten Bekannten traf, der regelmäßig im gebirgigen Nordthailand Trecking-Touren organisierte.

Wir kamen ins Gespräch und als ich ihm von meinem geplanten Ausflug nach Udon Thani berichtete. Schlug er mir einen direkten Abstecher nach Nong Khai vor, mit einem eventuellen Tagestrip nach Viantiane, wo ich vor Jahren mal zwei tage verbrachte. Da ich selbst maximal 2-3 Tage für diesen außerplanmäßigen Trip einplante und neugierig wurde, willigte ich ein. Zum Glück konnte ich mein Ticket ändern lassen und mit einen kleinen Flieger ging es direkt von Loei nach Nong Khai.

In Nong Khai

Nong Khai ist eine schöne kleine Stadt, direkt am Ufer des Mekong gelegen und ein wichtiger Grenzübergang nach laos. Die laotische Hauptstadt Vientiane (früher Vieangchan) ist von hier nur rund 25 km entfernt. Von Bangkok aus sind es rund 620 km bis Nong Khai. Hier, kurz vor der Grenze, enden auch die Verbindungen wie der Highway 2 und die Eisenbahnlinie. Durch die Grenzöffnung vor einigen Jahren wird die Stadt sicher noch an wirtschaftlicher Bedeutung zunehmen. Mit rund 27.000 Einwohnern ist sie schon eine größere Kleinstadt und mit ihrer Lage direkt am Mekong sehr reizvoll.

In der Stadt herrscht eher laotische und französische Atmosphäre. Besonders in der Architektur spiegelt sich noch einstiger französischer Einfluss wieder. Einige Cafes und Hotels bieten standardmäßig auch französische Backwaren an. Man sieht hier viele Laoten, die ihre laotischen Waren verkaufen wollen, wobei nur bei einigen Textilien erkennen kann, das es laotische Ware ist. Die Wats sind hier sehr interessant und das Treiben der Bewohner ist eher ruhig und von der Landwirtschaft geprägt.

Das Wat Po Chai ist anziehend, weil es schöne Wandfresken mit einer abenteuerlichen Geschichte enthält, die von der Buddha-Statue im Wat handelt. Diese etwa 1,5 m hohe und 1 m breite goldene, verehrte Statue heißt Luang Pho Phra Sai. Als General Chakri, der spätere Rama I., diese Buddha-Statue mit einem Boot von Vientiane holen wollte, sank das Boot und die Statue verschwand im Mekong. Erst Jahre später stieg die Buddha-Statue wieder auf, als der Fluss einen niedrigen Wasserstand erreichte. Ihr zu Ehren wurde dann der Wat errichtet. Solch eine Statue, die wieder aus den Fluten des Mekong aufsteigt, wird hier natürlich sehr verehrt.

Das bedeutsame Wat Prathat soll vor rund 2.000 Jahren von indischen Mönchen errichtet worden sein. Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster mit laotischer Architektur modifiziert. Hier befinden sich mehr oder weniger gut erhaltene Chedis und Buddha-Statuen. Im hier befindlichen Museum werden einige Handwerksobjekte und ausgestopfte Tiere ausgestellt.

Ein bekanntes Meditations-Kloster ist hier das Wat Hin Maak Peng. Die Mönche leben hier zurückgezogen mitten eines Bambuswaldes.

Die Brücke der Freundschaft ist das Ziel einzelner Touristengruppen, obwohl vollkommen unspektakulär. Diese 11 km lange Brücke wurde im Jahre 1994 eingeweiht und gilt als Symbol für den Reformkurs der laotischen Regierung. Der bau der Brücke war ein Gemeinschaftsprojekt von Thailand, Laos und Australien.

Interessant sind hier die Märkte, wo man fast alles bekommt. Auf dem Lao-Markt, so heißt er wirklich, fand ich nicht nur schöne und günstige Textilien, sondern u.a. auch Silberschmuck, russische Uhren und sogar Kameras aus Armeebeständen sowie französisches Brot. Weitere Sehenswürdigkeiten gab es hier in der Kürze nicht zu besichtigen, wobei mir eine Verschnaufpause am Mekong am besten gefiel.

Die Anreise nach Nong Khai kann sowohl mit dem Auto, als auch mit der Bahn oder dem Flugzeug z.B. von oder nach Udon Thani aus erfolgen. Auch von Laos aus kann man über den kleinen Ort Chiang Khan nach Udon Thani gelangen, um von dort aus weiter nach Nong Khai zu kommen. Für die Strecke Loei-Chiang Khan-Udon Thani benötigt man ca. 1,5 Stunden bis Chiang Khan und von dort weitere 5 Stunden bis Udon Thani. Chiang Khan liegt 48 km nördlich von Loei an der Grenze zu Laos. Ein derart friedlichen Ort wenn auch nicht immer ruhiger Ort, dass man wirklich meint, am Ende der Welt zu sein. Aber auch per Sammeltaxi kann man alle 20 Minuten von Loei aus nach Chiang Khan erreichen. Hier findet man auch bescheidene und sehr günstige Unterkünftige mit relativ sauberen Zimmern.

Übernachtungen in Nong Khai sind natürlich bei der Größennordnung problemlos. Hier gibt es u.a. einige kleine, saubere Gästehäuser für den kleinen Geldbeutel. Jeder von uns nahm ein kleines Zimmer in der Gästehaus-Anlage Mut Mee auf der Kaeworawut Road. Insgesamt werden hier 20 Zimmer und 8 kleine Häuschen von dem Briten Julian und seiner Frau Pao betreut. Bei Julian treffen sich auch oft einige Ausländer und tauschen die neuesten Informationen aus. Das essen ist gut und morgens zum Frühstück gab es frische Baguetten ? das einzige und wohl beste, was Frankreich hier las Kulturgut zurückließ.

Die Umgebung von Nong Khai

Westlich von Nong Khai liegt die kleine Ortschaft Si Chiang Mai. Dieser malerische Ort bietet vom Mekong aus einen fast freien Ausblick auf das gegenüberliegende Vientiane. Es gibt hier zwar keine direkten entdeckten Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, aber die Landschaft ist sehr schön. Hier lebt auch eine einflussreiche, vietnamesische Minderheit, die größtenteils Katholiken sein sollen. Insgesamt wie ein Stückchen Niemandsland in Südostasien.

Da sowieso einmal in der Nähe besuchte ich auch den etwas weiter westlich von Nong Khai gelegenen kleinen Ort Ort Cham Cherm. Hier wird viel Gemüse, insbesondere Tomaten, angebaut, was man ja auch nicht alle Tage mal in Natura sehen kann. Auch hier ist die Landschaft äußerst reizvoll. Doch mein Hauptziel war der Wat Phra Phuttahabat Bua Boh, das über eine Nachbildung eines Buddha-Fußabdrucks verfügt, über den man eine rund 45 m hohe Stupa erbaute. Ein toller Anblick fernab jeglicher Touristenpfade.

Nach all diesen Eindrücken ging es schließlich weiter nach Vietiane.

Vientiane

Über die Brücke der Freundschaft kommt man zum laotischen Grenzdorf Tha Deau. Der Übergang dauert nur wenige Minuten und ist in der Regel nur Laoten und Thais gestattet. Ausländer benötigen grundsätzlich immer ein gültiges Visum! In NongKhai kann man solches für die stolzeSumme von 2.500 Baht erhalten. Es heißt aber, dass der Preis bald niedriger werden soll. Wer absolut sicher gehen will, sollte sich immer frühzeitig bei der TAT in Bangkok erkundigen, wo man, je nach Zielsetzung, solch ein Visum erhalten kann.
Die Metropole Laos, Vientiane, ist von Tha Deau nur noch rund 20 km entfernt. Sie ist Hauptstadt, Regierungssitz, Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum zugleich. Hier werden insbesondere die zukünftigen Impulse für eine erfolgreiche laotische Wirtschaft erprobt.Thailand ist dabei zur Zeit der wichtigste Handelspartner Laos.

Vergeblich sucht man hier Hochhäuser und eine ausgereifte Infrastruktur. Noch immer ist das Stadtbild auch von satten Reisfeldern und großen Fischteichen geprägt. Die Regierung ist bestrebt die Marktwirtschaft du Infrastruktur zu modernisieren. Dadurch ändert sich das Stadtbild von Jahr zu Jahr, wir mir auch mein Bekannter bestätigte, der hier regelmäßiger hinfährt. Landwirtschaftlich geprägte Stadtteile werden kontinuierlich zu Bauland. Besonders Autohäuser, Einzelhandelsgeschäfte und eine zunehmende Textilindustrie bestimmen das Geschäftsleben in der Stadt. Kleine chinesische, indische und vietnamesische Gemeinden bestimmen ebenfalls das Aufkommen einer geregelten Marktwirtschaft. Außerdem ist Vientiane bekannt für seine über hundert Pagoden, die trotz finanzieller Engpässe größtenteils mit viel Geduld restauriert werden.

Der That Luang ist nicht nur die bedeutendste Sehenswürdigkeit und Anlage der Stadt, sondern sogar sogar das Wahrzeichen von laos. Seit 1991 ziert die Stupa auch das Staatswappen der Republik. Bereits um 250 v.Chr. sollen hier Mönche vom indischen König Asoka gesandt worden sein, um den Buddhismus zu verbreiten. Diese Mönche errichteten an dieser Stelle eineSteinsäule und einen ersten Schrein, der angeblich ein teil des brustbeines Buddhas beherbergen soll. Nach dem Volksglauben war dieser Ort schon lange vorher eine Versammlungsstätte der Geister. Im Laufe der Jahrhunderte wurde That Luang immer weiter ausgebaut. Es blieb bei den siamesischen und burmesichen Einfällen im 18.Jahrhundert nicht verschont, und wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut.

Eine der ältesten Watanlagen ist das Wat Inpeng. Nach einer jahrelangen Restaurierungszeit von 1968-1975 gehört das wat auch zu den prachtvollsten Anlagen mit wunderschönen Stuckverzierungen und einem kunstvoll geschnitzten Giebel. Wann das Wat genau erbaut wurde, weiß heute keiner mehr. Nach einer Legende soll Gott Indra zur Errichtung des Wats herabgestiegen sein und so auch den Namen hinterlassen haben (In=Indra, Peng=richten). Man fand hier Fundstücke aus der Zeit der Khmer-Herrschaft.

Etwas weiter befindet sich das Wat Ongtu. Als noch Könige in Laos herrschten, wurden hier regelmäßig königliche Zeremonien abgehalten. Auch in der heutigen Zeit wird das Wat Ongtu von der Bevölkerung hoch verehrt und verfügt über eine der wenigen angesehenen buddhistischen Schulen von Rang in Laos. Seinne Namen erhielt das Kloster nach der hier aufgestellten Buddha-Statue Ongtu (=der Gewaltige). Die bronzene Statue soll mehrere Tonnen wiegen und verdankt wahrscheinlich ihrem Eigengewicht, dass siamesische und burmesische Eroberer sie nicht mitnehmen konnten. Sehenswert sind auch die künstlerischen und einzigartigen Holzschnitzereien im Wat.

Das Wat Si Muang wurde auf einem alten Grund gebaut, auf dem wahrscheinlich früher ein Khmer-Heiligtum stand. Sein Alter wird mit 600 Jahren angegeben. Das Wat wird insbesondere von Gläubigen besucht, die sich Glück und Gesundheit wünschen oder einen bestimmten Kinderwunsch haben.

Schräg gegenüber der Deutschen Botschaft befindet sich das schöne Wat Sokpahuang. Hier leben auch viele weiß gekleidete Nonnen. Am bekanntesten ist das Wat für seine ungewöhnliche Teezeremonie und die Saunaanlage. Die Teezeremonie ist selbst bei Einheimischen so beliebt, dass man ohne Voranmeldung kaum einen Platz erhält. Der Eintritt ist frei; man erwartet jedoch eine freiwillige Spende für den Unterhalt der Anlage.

Im äußersten Süden der Stadt befindet sich das Wat Xieng Khuan, der besonders wegen seines Buddha-Garten bekannt ist. Seit den 50er Jahren werden hier Betonfiguren aus der indischen, laotischen und buddhistischen Mythologie errichtet. Jeder Spender erhofft mit seiner Figur etwas für sein Karma beeinflussen zu können. Heute kann man Dutzende, zum teil recht skurrile, Figuren bewundern. Die Parkanlage ist auf jeden fall sehenswert. Einige Erfrischungsstände versorgen die Besucher mit Getränken und geschnittenem Obst.

Das Wat Si Saket in Vientiane ist auch als der Tempel der 9.000 Buddhas bekannt. In den Nischen an den Innenwänden sollen sich einst mehr als 9.000 Buddha-Figuren befundne haben, die das wat, so der Volksglaube, in denen letzten 200 Jahren vor jeder Zerstörung bewahrt haben soll.

In der eigentlich nur wenig genutzten Anlage des Wat Ho Pha Keo ist das Museum der nationalen Kunstschätze untergebracht. Antike Fundstücke, einstige Grenzsteine und Stelen sowie viele Buddha-Figuren aus den unterschiedlichsten Materialien und Epochen sind hier zu besichtigen. Die Beschriftung ist allerdings noch ziemlich unzureichend. Es gibt die Möglichkeit, einen Museumsführer für wenig Geld zu mieten. Solche erwarten einen meistens schon vor dem Museum.

Der Anousavali (teilweise auch Pratuxai genannt) ist der laotische Triumpfbogen. Es handelt sich um einen großen Betonklotz, der durch reich verzierte Türmchen und Skulpturen aus der indischen Mythologie geschmückt ist. Von seiner oberen Plattform aus hat man einen sehr guten, weitflächigen Überblick über die Metropole Vientiane.

Im April 1994 wurde der Kulturpark der Völker von Laos eröffnet. In ihm sind die Nachbauten der traditionellen Wohnhäuser einzelner Volksgruppen zu besichtigen. Einige der heimischen Tierarten sind im Park ebenfalls vertreten. In Geschäften kann man verschiedene kunsthandwerkliche Produkte und zahlreichen Kitsch kaufen.

Ein paar Worte zum Schluss

Neben der laotischen, recht schmackhaften Landesküche wird inVientiane auch chinesische und europäische Küche angeboten. Diverse Banken, ein internationales Telefonzentrum und die Deutsche Botschaft finden Sie ebenfalls hier in Vientiane. Insgesamt kann ich die laotische Hauptstadt für eine Tagestour nur empfehlen.

Wer sich für Wats, dem treiben der Bewohner und die Landschaft interessiert, der sollte hier allerdings mindestens zwei tage verweilen. Der US-Dollar ist sehr beliebt und der thailändische Baht ebenso. DM oder gar Euro lässt sich in jeder größeren Filiale umtauschen.

Vor meiner Rückreise nach Udon Thani verabschiedete ich mich noch von meinem Bekannten, durch den ich diese Tour eigentlich erst gemacht habe. Wenn ich heute zurückblicke, hat sich dieser Kurzausflug für mich auf jeden fall gelohnt. Ich habe viele interessante Eindrücke vom Land und seinen Einwohnern gewinnen und mit nach hause nehmen können.

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