Andalusien 514, Cómpeta vor der Sierra de Almijara: unser Frühlingsausflug… Februar 2009
In Andalusien kehrte anfangs Februar langsam der Frühling ein und wir wollten ihn noch einmal auskosten, so lange wir noch in dieser Gegend waren.
Nachdem uns Bekannte von der schönen Landschaft und den Mandelblüten in der Alpujarra vorgeschwärmt hat, machten wir uns auf, um dies selbst zu erleben. Vorher kontaktierten wir noch Magy, unsere Freundin mit dem Hähnchen-Restaurant "El Gallinero" in La Herradura. So konnten wir uns Mal wieder treffen und auch bei ihr übernachten.
Nach einer wunderschönen Anfahrt via „Desierto de Tabernas“ sahen wir um uns herum bald in drei Richtungen Schneeberge. Wir bogen ins Alpujarra Gebirge ein und hoben die nördlichere Strecke entlang der Sierra Nevada, für den Rückweg auf.
Nicht nur die Mandelbäume waren schön anzusehen, sondern vor allem auch die Landschaft die sehr abwechslungsreich ist, mal mit kultivierten Hügeln, dann wieder mit steppenähnlichem kargem Land auf dem kaum was wächst. Wir sahen hohe felsige Berge oder ausgewaschene Sandhügel und auch die Farben des Bodens wechselten sich ständig ab; mal war er mausgrau, dann wieder ocker bis rot oder stark braun vom Eisengehalt des Gesteins.
Unterwegs hätte man alle paar hundert Meter anhalten können, doch wir wollten vor der Dunkelheit aus dem Gebirge raus sein und zudem hatten wir uns ja bei Magy angesagt. Als wir bei Motril die Costa del Sol erreichten, fuhren wir zum ersten Mal seit langem wieder in dichtem Verkehr und uns wurde erst richtig bewusst, dass die Gegend um Vera und die Costa Almeria doch eher ruhig ist.
Am Sonntagabend geht Magy jeweils mit ihrer Equippe; dem Koch, einer Küchenhilfe und einer Freundin auswärts essen. So konnten wir uns den vieren anschliessen und weisse Spargeln geniessen.
Am nächsten Tag gingen wir alleine auf Erkundigungsfahrt. Dabei folgten wir erst der Küstenstrasse bis Nerja, drehten Inland und kamen durch saftige Hügel in denen gelb die Ginsterbüsche leuchteten. Die Mandeln waren hier allerdings schon verblüht.
Wir fanden viele hübsche weisse Dörfer, wie z.B. Cómpeta+Corumbela, von denen aus man bis ans Meer sah. Weiter oben faszinierte uns der Ort Alhama de Granada, der auf Klippen über einem ausgewaschenen Flussbett thront.
Am nächsten Tag hatte Magy frei und spielte Turistenführerin. Sie leitete uns in die Sierra de los Guajares, wo wir erst einen langen Spaziergang in den Bergen machten und anschliessend in einem typisch spanischen Lokal zu Mittag assen. Auf dem Weg von dort weiter über eine enge Passtrasse, kamen wir durch recht viele Mandelhaine die Mal rosa, Mal weiss blühten.
Tags drauf besichtigten wir Malaga. Wir klapperten die sehenswerten Gebäude ab und schnauften danach auf den Monte de Gibralfaro mit der Alcazaba Festung. Der Blick schweifte über das blaue Meer auf der einen, sowie zu den grünen Hügeln und schneebedeckten Bergen auf der anderen Seite. Allerdings war uns die davor liegende Betonwüste mit hässlichen Hochhäusern ein Dorn im Auge – aber auch das ist Andalusiens Costa del Sol! Wir finden allerdings die kleinen weissen Dörfer, welche an den Hängen kleben viel hübscher.
An diesem Abend hatte Magy den Hühnerstall wieder geöffnet und wir erlebten zum ersten Mal die Atmosphäre, wenn das Restaurant mit Gästen belebt ist. Wir bestellten uns von den Hähnchen-Spezialitäten und genossen den zuvorkommenden Service.
Tags drauf verabschiedeten wir uns dann von Magy und fuhren durch das Alpujarra Gebirge wieder „heimwärts“. Bald erklommen wir eine Passtrasse mit toller Aussicht, die leider weiter oben gesperrt war, sodass wir umdrehen mussten.
Nach Erreichen des Thermal Ortes Lanjaron besuchten wir drei als touristische Juwelen hoch gepriesene Dörfer: Pampaneira, Bubion und Capileira. Sie alle hatten uns etwas enttäuscht. Keines der touristisch vermarkteten Dörfer sah besser aus, als all die andern weissen Dörfer die nirgends speziell erwähnt sind, es gab hier einfach noch Souvenirgeschäfte und mehr Restaurants.
Als nächstes trudelten wir nach 5 Uhr in Trevélez ein, einem ebenfalls berühmten Ort. Es war merklich kühler hier, denn schliesslich befanden wir uns nun im höchstgelegenen Dorf Spaniens auf 1750m.ü.M! Zudem lagen Schneehaufen entlang der Strasse, die vor ein paar Tagen kurz gesperrt werden musste.
Hier suchten wir nach einer Unterkunft, was sich als schwieriger erwies, als es auf den ersten Blick schien. Obwohl es viele Hotels + Restaurants hat, waren die meisten geschlossen wegen Renovation, Ferien, zu wenig Gästen oder einfach weil sie die Zimmer nicht heizen wollten. Wir fragten immer wieder herum und als nichts fruchtete, sahen wir in einem teuer erscheinenden Apartment Haus unsere letzte Chance. Gespannt wie teuer es sein würde, klingelten wir an der Tür. Wir hatten Glück! Das noble Haus hält immer ein „einfaches“ Zimmer für spontan erscheinende Gäste bereit. Es war sehr gut ausgestattet und sogar mit Fussbodenheizung angenehm geheizt - und das für 40 Euro; nicht schlecht!
Zufrieden stapften wir anschliessend durch den Schnee nochmals hinauf ins Oberdorf (Barrio Alto). Trevélez ist ein weisses Dorf mit drei Ortsteilen und viele Häuser sind recht gross, da sie teilweise nichts anderes als Schinkenbeine in “secadores” beherbergen. Der berühmte Serrano Schinken wird nämlich hier in der reinen kühlen Bergluft getrocknet. Die teuersten der etwa 7 kg schweren Schinkenbeine hängen bis 2 Jahre und können € 700 kosten. Diese stammen von den weissen Schweinen, welche in der Provinz Extremadura unter Eichenbäumen lebten.
Trevélez ist sehr touristisch und bietet eine grosse Auswahl an Souvenirgeschäften. Ausser viel unbrauchbarem, werden natürlich auch die Schinken, Forellen und Soplillos, eine lokale Meringue (Baiser) Spezialität mit Mandelsplittern, angeboten.
Am nächsten Morgen kamen wir durch viele kleine Dörfer in denen die Strassen oft so eng waren, dass man mit dem Auto kaum durchkam, ganz im Gegensatz zu den sonst sehr gut ausgebauten Strassen zwischen den Ortschaften.
Die als "scenic" eingezeichnete Strasse die wir zum Abschluss unserer Tour nahmen, war aber eine grosse Ausnahme. Das Strässchen entlang der Schlucht des Rio Adra war voll Löcher und höchstens etwa drei Meter breit. Sie war eingemeisselt in eine Senkrechte, teilweise sogar überhängende Felswand.
Zuerst hielten wir noch den Atem an, aber die Landschaft war so einmalig schön, dass wir nicht umdrehen wollten - wenn wir überhaupt irgendwo hätten drehen können... Zu unserer Beruhigung sahen wir viele Kurven weiter vorn noch ein anderes Auto fahren. Am Schluss waren wir total begeistert, dass wir uns dieses Abenteuer nicht hatten entgehen lassen. Ab dem Stausee Beninar war dann die Strasse schon wieder breit und luxuriös und jede Nostalgie verflogen. Diese Fahrt war ein faszinierender Abschluss für unsere Blüten-Fahrt und bleibt uns natürlich viel besser in Erinnerung, als eine Autobahnstrecke!
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