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Fernost  175, Brunei, Bandar Seri Begawan: Omar Ali Saifuddien Moschee


Februar 2007

Hinweis: Sammeltaxi von Miri in Sarawak nach Brunei

Es ging weiter in ein neues Land: das kleine Sultanat Brunei mit 5'270 km². Die Verkehrsverbindungen zu seinen malaysischen Nachbarn Sarawak im Westen und Sabah im Osten sind alles andere als effizient. Im Verkehrsbüro in Miri sagte man uns, dass wir es nur am selben Tag bis zur Hauptstadt Bruneis schaffen würden, wenn wir uns vor 7 Uhr morgens auf die Socken machten. Uns war aber mehr Glück beschieden, denn die Frau vom Backpackers Hostel in dem wir in Miri wohnten, wusste von einer Mitfahrzentrale. Damit waren wir weniger als 2½ Stunden unterwegs und wurden erst noch von Tür zu Tür geführt, direkt zu unserem ausgewählten Hotel in Bandar Seri Begawan.

Irgendwie hatten wir den Eindruck, dass sich Brunei etwas isolieren will und schlechte Verbindungen über die Grenze sind sicher hilfreich dieses Ziel zu erreichen. Das Sultanat ist dank dem vielen Öl vor seiner Küste sehr wohlhabend. Die 360’000 Einwohner müssen keine Steuern zahlen und zudem werden ihnen die wichtigsten Konsumgüter, wie z.B. Autos subventioniert!

Die Regierung wird vom Sultan kontrolliert, der alle Parlaments Mitglieder selbst auswählt. Etwa 20 Jahre bevor Brunei 1984 von den Engländern unabhängig wurde, gab es freie Wahlen, wobei die Mehrheit an eine Partei ging die das System in eine konstitutionelle Monarchie umwandeln wollte. Da der Vater des heutigen Sultans aber nicht bereit war die Macht abzutreten, revoltierte die Bevölkerung. Die Engländer unterstützten aber schlussendlich den Sultan und halfen ihm seine Position zu wahren. Vermutlich in der Hoffnung das Volk wieder gefügiger zu machen, entschied sich der Monarch dafür, dass in Zukunft noch konsequenter dem islamischen Gedankengut gefolgt werden müsse und erklärte den Islam zur Staatsreligion. Heute ist diese wirklich allgegenwärtig und während der ersten zwei Stunden hier, sahen wir bereits mehr Moscheen als in den sechs Wochen vorher in Sarawak, wo auch viele Moslems leben.

Wenn der Mullah sein Gebet über Lautsprecher vom Minarett herunter verbreitet, wird dieses auch in den neuen modernen Einkaufs-Zentren und in den amerikanischen „fast-food“ Ketten übertragen. Zumindest steht der Verkehr aber hier nicht still.

Alle Kinder müssen islamische Schuluniformen tragen, auch Nicht-Moslems. Knaben tragen eine schwarze Mütze und Mädchen einen langen Rock und ein weisses Kopftuch.

In der Zeitung lasen wir über die islamischen Religions-Schulen wo die Kinder zu „Wächtern des Korans“ ausgebildet werden d.h. sie lernen das heilige Buch auswendig. An solchen Schulen werden die Kinder mit Geld motiviert und belohnt. Wenn sie 10 Verse auswendig können gibt es 100 B$ (€50) pro Monat, bei 20 Versen gibt’s schon 200 B$ und wenn jemand sogar das ganze heilige Buch auswendig kennt, gibt es sage und schreibe 1'000 B$ pro Monat. An diesen Schulen ist es den Studenten nicht erlaubt andere Fächer wie Mathematik zu belegen, da sie damit zu stark von ihrer „wirklichen Aufgabe“ abgelenkt würden!

Obwohl die Leute im grossen und ganzen zufrieden wirkten, hatten wir den Eindruck, dass auf die Bevölkerung recht viel Druck ausgeübt wird, dem Islam nachzuleben. Genauso wie das Christentum früher und z.T. auch heute noch, disqualifiziert sich hier der Islam mit denselben Argumenten dafür „die Wahrheit“ zu verkünden; sobald es nötig ist ausdrücklich darauf zu bestehen, dass etwas besser sei als alles andere und Leute zum beten gezwungen werden, finden wir sei etwas faul.

In der staatlich kontrollierten Presse war die Berichterstattung über das Weltgeschehen nicht viel anders als im Westen. Andererseits aber war alles das Brunei selbst betraf, strikt aus der Sicht des Islam beschrieben und las sich wie ein „Kirchenblatt“. Ein Beispiel gefällig? „Wie wir alle wissen, werden in ein paar Jahrzehnten unsere Ölvorräte, ein Geschenk Allah’s, zu Ende gehen. Deshalb sollten wir uns zum Ziel setzen, nach Wegen zu suchen die Prophet Mohamed – Friede sei mit ihm – gutheissen kann um unser Wirtschaftswachstum zu fördern und Allah, den wahren Besitzer dieses Landes zu befriedigen“. “Obwohl sowohl der Koran, als auch unser Prophet Mohamed – Friede sei mit ihm – es den Moslems erlauben würde ein eigenes Geschäft zu führen, ist es eine Tatsache, dass fast alle Firmen in den Händen der chinesischen Minderheit (15%) sind. Warum sind unsere eigenen Leute, die islamischen Bruneier, nicht so initiativ?“

Was in diesem Artikel nicht bedacht wurde ist die Tatsache, dass diejenigen Leute die bedingungslos gehorchen wie dies von ihnen erwartet wird, nicht diejenigen mit der meisten Eigeninitiative sind - denken wir.

Brunei vergleicht sich selbst gern mit Singapur, welches zwar 8x kleiner ist, aber 10x mehr Einwohner hat. Obwohl es dort überhaupt keine Bodenschätze gibt, hat es dieser Inselstaat so weit gebracht und seine Wirtschaft „boomt“ weiter. Aber dort besteht die Bevölkerung eben zu 77% aus fleissigen Chinesen und nur 14% malaysischen Moslems, welche immer noch deutlich weniger Pepp an den Tag legen, als die 8 % singapurianischen Inder…Sorry Brunei!

Obwohl die offiziellen Landessprachen in Brunei Malaysisch und Englisch sind, ist jedes Geschäft verpflichtet seinen Namen auch in arabischer Schrift zu markieren.

Alle Regierungsgebäude sahen recht modern und teuer aus. Auch die unzähligen Moscheen, welche oft von riesigen Parks umgeben waren, repräsentieren den Reichtum des Landes. Man sagt, dass der Sultan, der bis vor kurzem als der reichste Mann der Welt galt, im grössten Königspalast der Welt lebt.

Wohl wegen dem Nationalfeiertag, den wir um 3 Tage verpasst hatten, war fast jedes hohe Bürogebäude im Stadtzentrum Bandar Seri Begawan’s mit riesigen Werbeplakaten dekoriert. Darauf war jeweils ein riesengrosses Bild des Sultans und darunter in kleiner Schrift, der Name der Firma die ihm dazu gratulierte, dass er das Land durch 23 Jahre Unabhängigkeit geführt hat!

Die Häuser des Fussvolkes waren eher bescheiden und etwa 30'000 Menschen leben in Holzhäusern auf Stelzen über dem Wasser. Diese Siedlungen nennen sie Kampung Ayer, zu deutsch: Wasserdorf. Sie erstrecken sich über 8 km in einer breiten S-Kurve des Sungai Brunei Flusses, welcher durch die Hauptstadt fliesst. Heutzutage werden diese Holzhäuser von Betonplatten gestützt und es gibt sowohl Elektrizität, als auch Wasser und Abwasserzuleitungen. Holzstege verbinden die Häuser genauso wie normalerweise die Fusswege ein Dorf auf dem Land verbinden. In diesen Wasserdörfern gibt es Schulen, Moscheen, Geschäfte, Krankenstationen, sowie Polizei und Feuerwehr-Stationen. Taxiboote befördern die Leute sehr billig hin und her. Die meisten Häuser sind zwar sehr gross, aber recht einfach.

Am Abend waren tausende von Pkw’s an beiden Ufern entlang der Strasse parkiert. Von dort aus nahmen die Bewohner des Kampung Ayer jeweils ein Taxiboot von den verschiedenen Piers zu ihren Häusern und auch wir verkehrten mit diesen zwischen unserem Hotel und dem Zentrum.

Wir verbrachten drei kurze, aber sehr intensive Tage in diesem kleinen Sultanat die Brigitte’s Erwartung eines Märchenlandes ziemlich ernüchtert haben.

© Brigitte & Heinz  3226 aus der Zentralschweiz

5 Einträge im Gästebuch von Brigitte & Heinz  

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