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Tokyo  150, Ginza: Gedränge nachts in der U Bahn


April 2007

Hauptverkehrszeit in Japan ist früh morgens und dann erst wieder am späten Abend. Ihren Höhepunkt erreicht sie kurz vor Mitternacht, wenn diejenigen Salaryman*, welche nicht im Büro schlafen wollen, nach Hause fahren, da die U-Bahn um 00:30 Uhr ihren Betrieb einstellt. Offiziell hat Japan zwar die 40 Stunden Woche, aber der Druck der Gesellschaft und der Gruppe zwingt die meisten täglich Überstunden zu leisten, meist unbezahlt und auch am Wochenende.
Dass Arbeitskollegen nach Arbeitsschluss, wann auch immer dies sein mag, gemeinsam zum Essen und „Saufen“ gehen, ist üblich und wird von jedem erwartet. Wir hörten von ein paar Büroangestellten die sich selbst glücklich schätzten, da sie nur etwa zwei Mal pro Woche um Mitternacht heim kommen. An andern Abenden hingegen können sie bereits so um 21:00 Uhr heimgehen.

Man erzählte uns aber auch, dass Familienväter regelmässig erst morgens um 01:00 Uhr nach Hause kommen und um 04:30 Uhr wieder aufstehen um mit der ersten U-Bahn zum Betrieb zurückzufahren.
So gut gehe es aber nicht täglich. Manchmal, wenn es nicht mehr auf den letzten Zug reiche „schlafen“ sie und ihre Arbeitskollegen unter dem Bürotisch oder im Firmeneigenen Schlafsaal. Morgens um 5 gehen sie dann mit der ersten U-Bahn kurz nach Hause, aber nur um zu duschen und die Kleider zu wechseln um dann schnell ins Büro zurückzukehren. Wir hörten von Leuten die regelmässig für 3-4 Monate keinen einzigen freien Tag nehmen; also auch jedes Wochenende voll durcharbeiten.

Wann immer wir eine U-Bahn bestiegen, war sie vor allem mit Arbeitnehmern im schwarzen Anzug belegt. Fast alle schlossen ihre Augen und viele schliefen auch tagsüber sehr schnell ein; sogar dann, wenn sie stehen mussten und sich am Handgriff an der Decke festhielten. Damit auch alle schön schlafen können, darf in der U-Bahn nicht telefoniert werden.

Viele japanische Firmen stellen ihre Mitarbeiter nach wie vor „lebenslänglich“ ein. Zudem ist der Betrieb auch dafür verantwortlich, dass die Mitarbeiter eine Wohnung (oder ein Wohnheim für unverheiratete Salarymen*) finden, sich gesund ernähren, sicher zur Arbeit kommen, regelmässig zur Vorsorgeuntersuchung beim Arzt gehen, eine(n) Ehepartner(in) finden und vieles mehr.

* „Salaryman“ steht für Gehaltsempfänger oder Angestellten. Üblicherweise wird damit die spezifisch japanische Form eines Arbeitnehmers im Büro assoziiert.

© Brigitte & Heinz  3226 aus der Zentralschweiz

5 Einträge im Gästebuch von Brigitte & Heinz  

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