China 579, Nationalpark Juizhaigou: Die herrliche Bergkette Oktober 1987
Da Anita unbedingt tibetische Dörfer sehen wollte, beschlossen wir, zusammen nach Jiuzhaigou zu fahren, einem Nationalpark mit 5000m hohen Bergen und idyllischen Dörfern. Von dem allerdings so gut wie gar nichts in unseren Reiseführern stand.
"Ich kann die wunderbare Landschaft, die uns umgibt, gar nicht richtig geniessen. Die Berge sind dicht mit Mischwald bewachsen. Die Blätter strahlen in roten und goldenen Herbstfarben. Unter uns tost das Wasser des Flusses am Fusse der Schlucht. Von allen Seiten ergiessen sich Wasserfälle in das Tal. Wir verlassen den Fluss und fahren einen Pass hinauf. Die Bewaldung wird weniger. Als wir die höchste Stelle erreichen, herrscht dichter Nebel, was nicht gerade zu unserer Beruhigung beiträgt. Es ist empfindlich kalt und feucht. Von weitem glänzen Schneefelder. Hinter dem Pass hält der Bus für eine kurze Pause. Ich stehe zitternd vor Kälte eine kurze Weile in der frischen Luft. Ich atme tief ein. Das ist besser als die gelbe Smogwolke von Chengdu!
Die Abfahrt ist dann etwas angenehmer. Der Weg ist zwar nur noch ein besserer Feldweg, aber es befindet sich kein tiefer Abgrund mehr neben der Strasse. Das einzige, was mich jetzt noch stört, sind meinen wunden Knie und der alte Chinese, der auf der anderen Seite des Ganges ständig hustet und spuckt. Manchmal komme ich mir vor wie auf dem Ausflug eines Lungensanatoriums.
Da wir schon lange kein Dorf mehr passiert haben, gibt es auch keine Gelegenheit für ein Mittagessen. Glücklicherweise haben wir unsere Kekse, die Cola und die kleinen Kiwis. Wir malen uns aus, dass das Wein und köstliche Delikatessen wären. Essen ist für einige Zeit unser einziges Gesprächsthema. Wir haben viel Spass dabei. Zwischendurch merken wir, dass der Busfahrer ein paar Mal besorgt aus dem Fenster am Bus entlang schaut. Probleme?
Im ersten Ort nach dem Pass hält er an. Nach eingehender Prüfung steht fest, dass ein Reifen gewechselt werden muss. Erst jetzt fällt uns auf, dass die Reifen eigentlich gar kein Profil mehr haben. Wie gut, dass wir das nicht vorher gesehen haben! Denn dann hätten wir noch mehr geschwitzt."
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