| Donner und Blitz auf dem Weg ins karibische Afrika (22-25 August 2006) Das letzte Ziel unserer Reise durch Belize stand nun vor der Tuer: Barranco, das aelteste Dorf der Garifuna Kultur. Dazu mussten wir zunaechst zur Kreuzung Richtung Dangriga kommen. Dabei half uns ein Taxifahrer freundlicherweise ohne eine Bezahlung einzufordern.
Weiter ging es mit zwei Guatemalern. Ohne grosse Worte luden sie uns ein und los ging es auf den glatten Strassen Richtung Barranco. Die beiden Guatemaler waren Sportreporter und hatten gerade erst die Fussballweltmeisterschaft fuer ein guatemalisches Radio kommentiert. Die Musik im Auto fuehlte sich wie Balsam auf unseren Seelen an. Neben venezulanischem Sologesang, gab es auch einen Vorgeschmack auf die Marimba, traditionelle guatemalische Musik, in der das Xylophon das Hauptinstrument ist. Ich tanzte bereits in Gedanken dazu. Am Ende erhielten wir die gesamte Marimba CD geschenkt.
Alsbald gelanten wir nach Santa Cruz. Dort staerkten wir uns mit den letzten 1,5 Broetchen und unserer geschundenen Avocado. Eine Huendin auf Nahrungssuche versuchte uns anzubetteln, und trotz grossem Hunger konnten wir nicht wiederstehen. Da wir noch ein paar Cornflakes und Erdnuesse uebrig hatten, boten wir das der Huendin als Freundschaftsgeschenk an. Sie dankte uns damit, dass sie uns bei naechster Gelegenheit laut bellend beschuetzte, naemlich dann, als ein andere Hund mit vor Durst heraushaengender Zunge auf der anderen Strasse vorbeischlich.
Das Essen war alle, wir waren aber noch weit entfernt von Barranco. So machten wir einen kleinen Laden ausfindig und deckten uns mit ein paar Lebensmitteln ein. Obwohl es so einiges zu kaufen gab, schien fuer uns nicht viel dabei zu sein. Fruechte und Gemuese, unsere Hauptnahrungsmittel, koennten wir nach Aussage des Ladenbesitzers nur im 15 Meilen entfernten Mango Creek erhalten. Um die Wartezeit ein wenig zu versuessen, gab es fuer Augustas Milch und fuer mich einen Lolli.
Wir stiegen ins naechste Auto ein. Der junge, jamaikanisch-aussehende Mann hatte es eilig. Keine grossen Worte wechseln, einfach aufsitzen und los. Keine fuenf Minuten spaeter geht ihm das Benzin aus. Wir waren in einem Maya-Dorf angekommen. Wir luden ab und machten uns auf, ein anderes Auto anzuhalten. Unser Fahrer ging derweil zu einem nahegelegenem Haus und bat um Benzin. Dann kam er auf uns zu und bat um 10 Belizianische Dollar (4 Euros), da er Benzin benoetigte, aber kein Geld mithatte. Wir waren skeptisch, ob das Ganze nicht inszeniert war. Jedenfalls wirkte er auf uns nicht gerade verzweifelt und sprach auch ungemein direkt auf Geld an. Wir wuerden das Geld von seinem Bruder in Independence zurueckerhalten, doch wollten wir da gar nicht hin, sondern weiter in den Sueden. Wie sollten wir also sicher sein, dass wir das Geld zurueckerhielten? Wir erklaerten ihm, dass wir ihm das Geld geben wuerden, doch machten ihm klar, dass wir dann nicht mehr problemlos zur Kreuzung zurueckkommen koennten. Er meinte, wir wollten ihm nicht helfen, dabei haette er mit dem Vorschlag, uns zurueck zur Kreuzung zu bringen, bereits gewonnen. Er ging bedient zu seinem Auto zurueck.
Wir machten uns zum nahegelegenen Shop auf, waehrend er indessen sein Auto stehen liess und trampte. Zurueck an der Strasse nahm uns Elsner mit. Er hat die letzten sechs Jahre am Aufbau einer Shrimp-Farm gearbeitet. Seine Lebensgeschichte ist beeindruckend. Mit 16 begann er zu arbeiten, sorgte dafuer, dass sein juengerer Bruder und seine Schwester studieren konnten, hat fruehzeitig eine Familie gegruendet, drei Toechter und einem Sohn das Leben geschenkt, finanziert derzeit das Studium seiner zwei aeltesten Toechter in Costa Rica, sorgt fuer eine gute Schulbildung der verbleibenden Kinder, unterstuetzt seine Frau mit jetzt 41 Jahren zu studieren und hat bereits Plaene sich selbststaendig zu machen, sobald der Juengste im Bunde seine Schule abschliesst. Bis dahin hofft er seine Toechter in die Selbststaendigkeit entlassen zu haben und kann demnach das Risiko einer Pleite auf dem Weg zur Selbstaendigkeit auf sich nehmen. Elsner ist gerade einmal 40 Jahre alt.
Elsner brachte uns bis Bella Vista, in dem wir uebernachteten. Gleich neben der Strasse stand ein geschlossenes Restaurant, in derem hinteren Anbau eine Familie lebte. Mir war nicht wohl bei dem Gedanken, irgendwo nahe dieses Hauses zu naechtigen, doch Augustas wollte es probieren. Wir arrangierten, auf dem Flachdach der Familie unser Zelt aufzuschlagen. Dazu folgten uns zugleich die Kinder der Familie und staunten ueber das Zelt. Wie immer liessen wir die Kinder drinnen Platz nehmen. Das aelteste Maedchen, 8 Jahre alt, inspizierte sofort unser Hab und Gut. Als sie unsere Rosinen entdeckte, die Packung einfach aufmachte und sich trotz eines klaren Neins von meiner Seite frech eine Rosine in den Mund steckte, laeuteten bei mir die Alarmglocken. Kurz darauf kramte sie in Augustas Rucksack und nahm eines unserer Massagegeraete heraus. Wir liessen sie von da an nicht mehr ins Zelt.
Kurz darauf war unser kleiner Campingkocher mal wieder Mittelpunkt des Geschehens. Als das Essen fertig war, wollte der Kleinste, 4 Jahre, von unserem Abendmahl probieren. Das stellte sich aber als scharf heraus, obwohl es gegenueber deren Speisen statt mit Chilli nur mit Pfeffer gewuerzt war. Er hielt sich den Mund fest und verneinte klar und deutlich unsere Frage, ob ihm das Essen schmeckte. Danach nahm er hastig mehrere Zuege Wasser und war wieder hergestellt. Nun probierten auch die drei Maedchen, die es gar nicht so uebel fanden.
Trinkwasser konnten wir am Waschbecken nahe der Waschkueche holen. Nur Toiletten gab es keine. Die Natur stand uns offen fuer diese Vorhaben, doch gab es weit und breit keinen Busch. So warteten wir bis spaet abends und gingen dann entlang des Weges unsere Angelegenheiten erledigen. Dabei klaefften uns sogleich die drei Hunde des Hauses derart nach, dass uns klar war, einen naechtlichen Gang zur Toilette wird es hier nicht geben. Am Morgen war die Not so gross, dass ich mich in eine der drei vorhandenen Restauranttoiletten traute. Am Vortag warf ich nur einen kurzen Blick hinein, der mir klar machte, dass die letzte Reinigung wohl schon Monate her war. Die Toiletten waren voller Exkremente. Das wahre Unheil aber offenbarte sich erst bei meinem morgendlichem Gang. Neben einem fast unertraeglichem Geruch, der mir fast den Magen umdrehte, entdeckte ich auch einen Schwarm von Wuermern in beiden Toiletten. Es schuettelte mich nur so, dass ich mir schwor, diese Toiletten nicht mehr zu betreten.
Wir verabschiedeten uns von der Familie und bekamen alsbald eine Lift direkt bis nach Punta Gorda, oder PG (sprich Pi Dschi). Dort erkundigte sich Augustas fix ueber die Preise einer Bootsfahrt von Belize nach Guatemala. Der Preis das Land per Boot zu verlassen betraegt 7,50 Belizianische Dollar (3 Euro). Das klingt vielversprechend gegenueber dem Betrag von 15 Euro, den man bezahlen muss, wenn man Belize via Land verlaesst. Allerdings betragen die Bootstransferpreise 38 Belizianische Dollar (14 Euro). Letztlich ist es also teurer das Land per Boot zu verlassen. Fuer uns war das die allerletzte aller moeglichen Grenzueberquerungen, die wir nur im Notfall waehlen wuerden.
Wir schafften es gerade noch Fruechte und Gemuese zu ergattern, bevor alles blitzartig abgebaut wurde. Nach dem mehr oder weniger Geniessen einer halbreifen Papaya, suchten wir ein Internetcafe auf. Mit 7 Belizianischen Dollar (3 Euro) pro Stunde konnten wir uns nicht anfreunden und verliessen fluchs Punta Gorda. Als wir zurueck an der Abzweigung Richtung Baranco waren, staerkten wir uns ein wenig. Dann hiess es warten, was Stunden bedeutete. Uns war bekannt das es kaum Transport bis Barranco gab. Nur 4 mal pro Woche gegen Mittag gabe es einen Bus dorthin. Es passierten uns einige Autos, doch die Fahrer schienen nicht im Entferntesten zu erwaegen, uns ein Stueck mitzunehmen. Wir fingen an zu Zweifeln, ob wir heute noch ein Stueck weiter kommen. Die Zweifel wurden ausgeloescht, als ein Amerikaner anhielt. Nach einem kurzen Gespraech bot er uns an, unser Zelt ueber Nacht auf Robert's Ranch (Farm) aufzustellen, auf der er arbeitete. Wir waren froh nicht an der Kreuzung uebernachten zu muessen.
Das Angebot direkt am Eingang, hinter dem Torbogen zu zelten nahmen wir dankend an. Waschen konnten wir uns nahe eines Grabens, der das angesammelte Regenwasser fortspuelte. Als wir eine guenstige Stelle zum hinuntersteigen fanden, ging ich auch sofort an die Reinigungsarbeit. Es ist schon erstaunlich wie viel Freude so ein kleiner Bach, umgeben von matschiger Erde, das Paradies sein kann. Waehrend nur einer von uns zur selben Zeit das Waschvergnuegen geniessen konnte, half der andere mit dem Reichen von Seife und Handtuch. Der schwierige Teil war aber das Abtrocknen. Die Fuesse gut eingebettet in Schlamm, mussten nach der Koerperreinigung auch irgendwie vom Schmutz befreit werden. Dazu hielt Augustas mich halb fest, halb stuetzte ich mich auf der anderen Seite des Grabens an herausrraggenden Aesten ab. Das Kunststueck war geglueckt und nun musste ich nur auf die andere Seite huepfen. Das tat ich auch und schwups rutschte die Erde gen Bach ab. Augustas fing mich ab. Ich war gerettet, nur das Wasser war nun voller Erde. Da der Bach recht schnell floss, klaerte sich unsere Waschstelle bald und Augustas konnte ans Werk gehen. Diesmal hielt ich ihn fest, waehrend er versuchte seine Fuesse aus und von dem Schlamm zu befreien. Nach einer knappen Stunde und vielen Balanceakten hatten wir es also geschafft: wir rochen gut und fuehlten uns sauber.
Nie haette einer von uns erahnt, dass bei dem sonnigen Tage, eine von Donner und Blitz durchzogene Nacht folgen wuerde. Wir waren an diesem Abend noch lange wach, das Gewitter brach aber erst gegen 2 Uhr morgens ueber uns herein. Der Himmel krachte, als ob er zerbrechen wuerde. Dazu die tagesaehnliche Erhellung, machte das ganze Schauspiel noch eindrucksvoller. Ich schrak dermassen hoch, dass Augustas einen richtigen Schreck bekam. Normalerweise macht mir Gewitter nichts aus, aber so habe ich es noch nie zuvor in meinem Leben krachen gehoert.
Gewitter und Regen dauerten bis zum Morgen. Als es dann aufhoerte, machten wir uns auf zu den Haeusern auf der Farm. Dort konnten wir Trinkwasser erstehen, was bei uns mittlerweile ausgegangen war. Nach zwei Dritteln des Weges holte uns der Regen dann wieder ein. Pitschnass kamen wir am Wasserhahn an. Der Herr, der uns gestern auf die Farm einlud, liess uns kurz auf seiner Veranda stehen, schien sich aber nicht im Entferntesten fuer unsere komplett durchgeweichten Koerper zu interessieren. Ein wenig resigniert holten wir Wasser am Geraeteschuppen und warteten, bis der Regen nachliess. Vielleicht lag es ja an uns, jedenfalls schuettete es nach nur einem Drittel des Rueckweges wie aus Eimern. Wir waren bereits nass, also brauchten wir auch nicht zum Zelt zu rennen. Gemaechlichen Schrittes legten wir den Weg zurueck.
Wir waren froh, in unserem Zelt eine trockene Unterkunft gefunden zu haben. Aber wieder einmal bot es uns etwas Entscheidendes nicht: eine Toilette. Als ich dann an der Reihe war dringend nach draussen zu muessen, schuettete es fuerchterlich. Ein Warten kam leider nicht mehr in Frage, so dass ich fluchs in meine pitschnassen Hosen kroch, meine nasse Regenjacke ueberzog und schleunigst barfuss auf Toilettensuche ging, was so viel bedeutete wie ein Stueck Natur, was nicht fuer jeden einsehbar war. Barfuss rannte ich bis auf die andere Strassenseite auf ein Grundstueck das vor huefthohem Unkraut nur so wucherte. Ich schaffte es noch rechtzeitig, doch mein Versuch, mittels unserer Plastikschuhablage fuers Zelt meinen Koerper vor weiterer Durchnaessung zu schuetzen, scheiterte klaeglich. Zurueck im Zelt, gerade aus den nassen Kleidern geschluepft, fragte mich Augustas nach dem Toilettenpapier. Ich hatte es unterwegs verloren. Nun hiess es wieder nasse Jacke ueberziehen, aber ansonsten gleich in Unterhosen raus. Da sich jemand auf der Strasse befand, schnappte ich mir die Plastikschuhablage und wickelte sie rockaehnlich um meine nackten Beine. Dann rannte ich barfuss auf die Strasse, da ich bereits das Toilettenpapier erspaet hatte. Ich sicherte es, und humpelte ueber Disteln und sonstiges Gestruepp zurueck zum Zelt. Obwohl auch das Toilettenpapier seine Portion Regen abbekommen hatte, konnten ich es doch noch irgendwie retten.
Da wir uns nur im Zelt aufhalten konnten, begann unser Erfindungsdrang. Augustas began Trinkwasser zu sammeln. Dazu packte er unsere zwei Plastikboxen unter die Enden der Plastikfolie, die uns und unser Zelt vor Naesse schuetzte. Somit hatten wir trotz der etwas misslichen Wetterlage, die uns nicht erlaubte das Zelt trocken zu verlassen, den ganzen Tag frisches Trinkwasser.
Wir warteten bis gegen 11 Uhr in der Hoffnung, der Regen wuerde aufhoeren und wir koennten unser Essen kochen. Da uns das Wetter den Gefallen aber nicht tat, mixten wir im Zelt Haferflocken mit Zuckerwasser und gaben ein paar Rosinen hinzu. Obwohl nicht wie ueblich gekocht, schmeckte unser Fruehstueck vorzueglich. Gegen 13 Uhr hoerte es endlich auf zu regnen, doch der Himmel versprach noch einiges an Wasser. Da kam mir die Idee unsere Plastikfussmatte, die fuer den Eingang des Zeltes gedacht ist, so am Zelt zu befestigen, dass wir unseren Campingkocher darunter stellen konnten. Damit waere im Falle erneueter Regenschauer unser Essen gesichert. Ich sann ueber zwei Stoecke nach, die wir einem Meter vom Zelt entfernt in die Erde stecken konnten, um daran die andere Haelfte der Plastikmatte zu befestigen. Augustas konnte sich mit der Idee nicht anfreunden, war er sich sicher war, dass die Sonne die Wolken besiegen wird. Eine knappe Stunde spaeter gab er nach. Mit einigen Abaenderungen meines Plans, wurde die Zeltmatte befestigt und wir begannen endlich zu kochen.
Da es mittlerweile zu spaet war die Weiterreise nach Barranco anzutreten, entschieden wir uns fuer einen Luemmeltag. Wir faulenzten, lasen was immmer uns in die Finger kam, schrieben unsere Erlebnisse auf, und badeten am Ende des Tages wieder in unserem Erdgraben.
Die einzige Frage die sich uns stellte war, wie wir bis Samstag in Barranco gewesen sein und gleichzeitig das Land Belize verlassen koennten. Samstag ist naemlich Stichtag fuer den Ablauf unerer Aufenthaltsgenehmigung in Belize. Da wir die ungern verlaengern wuerden, sind wir schon gespannt wie unsere Ausreise von statten gehen wird.
Fuer das letzte Stueck von Barranco meinte es das Wetter gut mit uns. Wir wachten bei Sonnenschein auf und bis auf ein paar Regentropfen blieben wir die ganze Strecke trocken.
Der erste Fahrer war entweder Creol oder Garifuna und besass ein vegetarisches Restaurant kurz hinter dem Beginn von Punta Gorda. Wir sind da vor einigen Tagen vorbeimarschiert ohne es zu ahnen. Da ich vorne beim Fahrer sass, tauschten wir uns ueber Vegetarismus ein wenig aus. Er erklaerte mir, dass er sein Retaurant wohl bald schliessen muesste, da in Punta Gorda scheinbar niemand die Vorteile einer vegetarischen Lebensweise versteht, geschweige denn nutzt. Dabei fertigt unser Fahrer Sojamilch und alle moeglichen Tofuprodukte selbst an. Als ich erwaehnte, dass ich Sojaprodukte liebe, leider aber seit kurzem ein wenig sensibel darauf reagiere, schloss er auf einen uebermaessigen Verzehr dieser Produkte. Moeglich ist es, was mir die Hoffnung gibt in naher Zukunft wieder problemlos bei Sojaprodukten zuzulangen - allerdings gezuegelt. Er gab mir den Tip eine Reinigungskur zu machen. Einfach ein paar Tage von selbstgemachten Gemuese- und Obstsaeften zu leben, da diese sehr einfach vom Koerper verarbeitet wuerden. Nach 1 Woche waere dann mein Darm sozusagen mit Vitaminen und Mineralstoffen durchgespuelt wurden, und eventuelle Entzuendungen, die Unverstraeglichkeitssymptome hervorrufen, koennten eingedaemmt bzw. geheilt werden. Des weiteren sei es gut, keine Produkte meinem Koerper zuzufuehren, die ihm auf irgendeine Weise Probleme bereiten. Da ich das bereits so handhabe, freute ich mich ueber diese Auskunft. Die Lebensmittel in seinem Auto schienen seine ganze Lebensweise wiederzuspiegeln. Neben Sojamilch, Sojaeis, und Gemuese, hatte er ein selbstgebackenes Brot dabei. Mh, da lief mir vielleicht das Wasser im Munde zusammen!
Leider dauerte die Fahrt nicht all zu lange. Dann ging es weiter bis zu einem Maya-Dorf namens Santa Ana. Bei den Maya hier in Belize sprechen sogar die Kinder noch die urtuemliche Mayasprache. Zusaetzlich sprechen die meisten Menschen in den Doerfern englisch. Im Dorfladen gab es ein spaerliches Angebot an Lebensmitteln. Da es kein Brot gab, entschieden wir uns fuer Cornflakes.
Waehrend wir auf eine Weiterfahrt warteten, kam ein aelterer Herr auf uns zu. Nach ein paar Floskeln ueber das Ziel unserer Reise, fragte er ob in Barranco mehr von 'uns Amerikanern' zugegen seien. Wir waren verduzt. Scheinbar sind alle hellhaeutigen Menschen fuer ihn, wie auch fuer die meisten Belizianer, Amerikaner. Wir erklaerten ihm woher wir kommen, und bei Deutschland spitzten sich gleich wieder die Ohren. Einst dachte ich, dass meine Herkunft Gedanken an das jetzige katholische Oberhaupt geauessert werden. Fussball scheint aber interessanter zu sein, wodurch nach Nennung meines Landes, immer die Fussballweltmeisterschaft zum Thema gemacht wird. Wie auch immer, Augustas Herkunft scheint hier niemanden zu interessieren. Litauen ist fuer kaum jemanden ein Begriff. Wann auch immer wir nach unserer Herkunft gefragt werden, kann sich die Mehrheit bereits nach ein paar Sekunden nicht mehr daran erinnern, dass wir aus verschiedenen Laendern stammen. Fuer die Belizianer sind wir dann einfach Deutsche.
Nach Klaerung unserer Herkunft, kam der Herr zum eigentlichen Anliegen seines Auftauchens. Er fragte, ob wir harte Drogen kaufen wollten. Wir lehnten dankend ab, und so wie er ploetzlich auftauchte, war er auch wieder verschwunden.
Bald fanden wir uns an der letzten Weggabelung nach Barranco wieder. In das Auto, welches wir verliessen, stieg eine Mutter mit vier Kindern ein. Sie kamen aus der Barranco-Richtung und fuhren nun die Strecke nach Crique Sarco. Die Mutter trug das vierte Kind in einem Tuch, welches sie um ihren Kopf trug. Dabei baumelte das Tuch bis zum mittleren Ruecken, wo das Kind langgestreckt, absolut waagerecht drinnen lag. Mir ist das nicht zum ersten Mal aufgefallen, aber noch immer erstaunt mich diese Art von Babytrage. Besonders der Aspekt, dass das Tuch leicht vom Kopf rutschen konnte, machte mich nachdenklich.
Wir entschieden uns beim Auftauchen des Buses nach Barranco diesen zu nehmen, damit wir ueberhaupt noch das Dorf sehen wuerden, bevor wir uns gen Guatemala aufmachen muessen. Fuer mich war das eine interessante Erfahrung, da in dem Bus neben indianischen Menschen, also den Maya, auch die Garifuna anwesend waren. Ich setzte mich prompt zwischen zwei aeltere Damen, die sich in traditionellen Garifuna-Kleider praesentierten. Ich hatte ein sehr wohliges Gefuehl dabei, vielleicht spuerte ich auch so einen Hauch von Afrika, nach dem ich noch immer Sehnsucht habe. Einige Zeit spaeter fing ein juengerer Herr, der der Garifuna-Kultur angehoerte, an mich ein wenig auszufragen. Ich unterhielt mich kurz mit ihm und genoss ansonsten den herrlichen Mix aus verschiedenen Kulturen auf engstem Raum.
In Barranco angekommen, freuten sich ein paar Arbeiter an meiner witzigen Rucksacktrage. Gleich darauf wurden wir offiziell von einem juengeren Mann in Barranco willkommen geheissen. Er erwaehnte zwei Gaestehaeuser und die Moeglichkeit direkt mit einer der Garifuna-Familien zu leben. Wir lehnten dankend ab, da wir fuers uebernachten nur einen Stellplatz fuers Zelt benoetigten.
Unser naechster Stop war der Dorfladen. Auch hier hiess man uns ueberschwenglich willkommen. Wir wechselten ein paar Worte, um unsere gegenseitige Neugier zu stillen, und endeten damit, dass wir keine Unterkunft benoetigten. Diese wurde uns naemlich gleich angeboten. Wir wunderten uns ueber die gelbe Masse in einem Eimer, in der die Besitzerin des Dorfladens mit ihrer Hand herumstampfte. Es waren Nances, kleine gelbe kirschaehnliche Fruechte. Sie war dabei eine Art Eis daraus zu machen. Augustas probierte fuer 0,25 Belizianische Dollar (0,10 Eurocents) eine Portion. Es schmeckte ihm vorzueglich. Wir kauften noch ein paar Notwendigkeiten ein und liessen dann den Dorfladen hinter uns.
Es zog uns zum Wasser und bald darauf standen wir direkt vorm Meer, zogen unsere Schuhe aus und stapften durch das warme Wasser. Kaum fuenf Minuten spaeter tauchte Adriane auf, die uns erklaerte, dass sie Armbaender und Halsketten selbst anfertigt. Scheinbar hatte sie herausgefunden, dass wir in Barranco sind, und ist uns hinterhergestapft. Wir unterhielten uns ein wenig, auch wenn wir keineswegs vorhatten etwas zu kaufen. Am Ende bot sie uns an, gegen einen kleinen Obulus auf ihrem Grundstueck am Strand zelten zu duerfen. Wir verabchiedeten uns von Adriane mit den Worten, spater vielleicht bei ihr vorbeizuschauen.
Ich war hungrig und schlug vor, auf dem nahegelegenem Anlegessteg zu speisen. Kaum hatten wir es uns gemuetlich gemacht, tauchten zwei Jungen aus dem nahegelegenem Dorf Midway auf. Sie wollten baden, schienen aber mit meiner Anwesenheit nicht klarzukommen. So verwickelte uns einer der Jungen in ein Gespraech. Der andere sass immer ein wenig abseits ohne etwas zu sagen. Aber neugierig war er sehr wohl, was wir auf die Fragen seines Freundes antworteten. Da deren Kultur die der Maya war, erfuhren wir, dass zwar alle Kinder die Sprache von den Eltern lernen, auch das lesen und schreiben, in der Schule aber nur Englisch und Spanisch unterrichtet wird. Wir erfuhren auch mehr von Jalacte, einem Dorf etwas weiter noerdlich von Barranco, in der Naehe von San Antonio. Dort, wie wir bereits von vielen Seiten gehoert hatten, kann man in einem 20minuetigen Fussmarsch die Grenze nach Guatemala ueberschreiten, und wuerde in einem Dorf namens Santa Cruz ankommen. Der Transport von Santa Cruz bis zur naechst-groesseren Strasse waere ueberhaupt kein Problem, da eine Schlange von Autos taeglich dort auf Besucher warteten. Viele Belizianer nutzen diese Grenze, um in Guatemala einkaufen zu koennen, da es dort um einiges billiger ist. An diesem Grenzuebergang sollen nach unterschiedlichen Aussagen nur manchmal Polizisten stationiert sein. Dies ist aber eher der Fall, wenn Ueberfaelle zu befuerchten sind.
Die Jungs erklaerten uns, wie wir den Dorfpraesidenten finden koennten, den wir wegen dem Aufstellen unseres Zeltes fragen wollten. Auf dem Weg dorthin, kamen wir am Polizeigebaeude vorbei. Dort sass ein Garifuna und ein Maya, der Dorfpolizist. Wieder wurden wir in ein Gespraech verwickelt. Endlich erfuhren wir ein paar Brocken ueber die Garifuna. Die waren naemlich irgendwann mit einem Schiff aus Afrika gekommen, und hier gestrandet. Das Boot sank und die Menschen, die ueberlebten, bildeten die Garifuna-Kultur. Sie unterscheiden sich von den Creolen, die als Sklaven in die Karibik gebracht wurden, insofern, dass sie als freie Leute dieses Land betraten. Der Dorfpolizist, der bis dahin geschwiegen hatte, bot uns nun an, auf dem Grundstueck des Polizeigebaeudes zu zelten. Als wir ankamen, hatten wir naemlich gefragt, ob wir unser Zelt irgendwo in Barranco fuer eine Nacht aufstellen koennten. Dabei bekamen wir die Genehmigung auf dem Polizeigelaende zu uebernachten.
Der Aufbau des Zeltes war unter den hier herrschenden windigen Zustaenden etwa schwierig. Besonders das Plastik, was wir ueber das Zelt spannen, um vor Regen geschuetzt zu sein, wollte nicht auf dem Zeltdach liegen bleiben. Mein Erfinderdrang kam wieder zum Vorschein und so befestigten wir schliesslich alles mit einer Schnur, die wir wie ein Kreuz ueber das Zeltdach spannten.
Danach machten wir uns auf, Barranco ein wenig naeher kennenzulernen. Wir spazierten alle moeglichen Strassen entlang, die nicht aussahen, als wuerde oft ein fahrbarer Untersatz ueber sie rollen. Wir entdeckten die Hauptstrasse, die wir nur daran erkannten, dass es ein Gesundheitszentrum, eine Post, ein Kulturzentrum und eine Art Tempel gab. Das die Huette, die aus Holz und Palmenblaettern gefertigt war der Tempel war, erfuhren wir erst spaeter von Adriane. Zuvor trafen wir auf Jean, neben der ich im Bus gesessen hatte. Sie erklaerte, dass Barranco vor ein paar Jahren noch 300 Einwohner zaehlte, mitterweile aber nur noch knapp die Haelfte im Dorf lebten. Das begruendet sich auf die Knappheit von Arbeit in diesem Gebiet. Die Garifuna streuen sich mittlerweile ueber ganz Belize. Nur zu Festtagen wird Barranco voll, da die Garifuna aus dem ganzen Land nach Hause stroemen. Ueber die Geschichte der Garifuna wusste Jean leider nicht viel zu sagen. Sie selbst lebt seit 70 Jahren hier, was wohl ihr ganzes Leben bedeutete.
Ein Haus weiter kam uns Adriane wieder entgegen. Wir erklaerten, dass wir mittlerweile einen Platz fuer unser Zelt gefunden hatten. Sie war gerade auf Besuch bei einer alten, blinden Dame, der sie bei den Haushaltsarbeiten half. Wir schwatzten ein wenig, bis schwarze Wolken aufzogen, und wir uns schleunigst zum Zelt aufmachten.
Dort angekommen, fragte uns der Polizist, ob wir wirklich kein Problem haetten, in unserem Zelt zu uebernachten. Er bot an, dass er uns ins Polizeigebaeude hereinlassen koennte. Wir erwogen es, da wir so nicht morgens 4 Uhr mit einem nassen Zelt kaempfen muessten. Wir wollten naemlich den Bus um 6 Uhr frueh zurueck Richtung Punta Gorda nehmen. Der Polizist ergaenzte, dass er am Morgen um 5 Uhr die gleiche Strecke wie der Bus fuhr, und wir mitkommen koennten. Wir freuten uns ueber diese beiden Angebote, allerdings nur knappe zwei Minuten. Dann fuegte er hinzu, dass wir ihm einen Preisvorschlag unterbreiten sollten. Wir waren enttaeuscht ueber so viel Geldgier. Er wollte unsere Situation ausnutzen, um privat einige Dollar zu verdienen. Wir schlossen das Gespraech schnell ab. Fuer mich stand fest, selbst wenn er seine Meinung aendern wuerde und uns letztlich kostenlos am Morgen auf die Fahrt mitnaehme, wuerde ich ablehnen. Ich fahre lieber in einem Bus mit interessanten Menschen, als in einem Auto mit einer Person, die nur ihre Geldboerse fuellen moechte.
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Unoffiziell von Belize nach Guatemala (27 August 2006) Gegen 10 Uhr morgens sassen wir wieder genau dort, wo wir am Vortag aufgegeben hatten. Wir warteten auf Autos. Ich wurde langsam nervoes, da ich mich fortbewegen wollte. Ich war sogar mit Laufen einverstanden, obwohl wir hoerten, dass es mindestens 8 Kilometer bis nach Jalacte sind. Wir waren gerade dabei uns aufzumachen, als sich ein Fahrzeug ankuendigte. Wir luden auf und fuhren ca. 200 Meter bis zum auf dem Huegel liegenden Dorfladen. Dort wollte einer der Mitfahrer Likoer kaufen. Als er zurueckkam und einstieg, setzte das Auto um 50 Meter zurueck. Dort suchte einer der Mitfahrer die Dorfleute auf und fragte nach etwas, was wir nicht herausfinden konnten. Der Fahrer beruhigte uns und meinte, der junge Mann wuerde gleich wiederkommen. Er kam nicht. Der Fahrer meinte nur, 'Er sucht nach einer Freundin, aber leider sind die sehr teuer. Wir haben die Reise Richtung Jalacte vor allem fuer ihn gemacht.' Wir verstanden nur Bahnhof. Eine Freundin suchen? Zu teuer? Ging es hier vielleicht um Prostitution? Wir fuehlten uns unwohl bei dem Gedanken, dass der junge Herr nur in dieses Dorf gekommen war, damit er seine Gelueste ausleben kann. Wie geschmacklos! Eineinhalb Stunden spaeter war er immer noch nicht zurueck. Ein weiteres Auto passierte uns, hielt aber nicht an.
Kurz darauf kam ein Mann zu Fuss angelaufen und suchte Schutz vor dem Regen. Wir kamen ins Gespraech und erzaehlten ihm, warum wir noch hier herumsassen. Er erklaerte uns daraufhin, dass es sich wahrscheinlich nicht um die Inanspruchnahme einer Prostituierten handelte, sondern darum, dass ein junger Mann seiner zukuenftigen Frau versprechen muss, es wirklich ernst mit ihr zu meinen. Um dies zu tun, muss er bei den Eltern persoenlich vorsprechen. Diese Erklaerung gefiel uns schon viel besser.
Ein Auto, aus der Jalacte Richtung kommend, stoppte vorm Dorfladen und erklaerte, dass die naheliegende Bruecke von einem reissenden Strom ueberspuelt ist. Ein Durchkommen mit dem Auto ist undenkbar. Das war fuer mich der Punkt, an dem ich nicht laenger warten wollte. Wir fingen an unsere Sachen zu packen. Wir baten den Fahrer zudem, uns das Stueck bis zum Fluss zu bringen. Daraufhin liess er nach dem verschwundenen jungen Mann suchen, der kurz darauf auftauchte, und wir wurden bis zum Fluss gebracht.
Am Fluss angekommen praesentierte sich uns das Unheil. Die Bruecke war nicht mehr zu sehen. Alles war komplett ueberschwemmt und die Stroemung zeigte sich in voller Staerke. Ich wollte da durch, nur war mir nicht klar, ob ich gegen die Stroemung ankommen koennte. Zudem brauchten wir jemanden, der uns half meinen Rucksack hinueberzutransportieren. Der Herr, den wir am Dorfladen getroffen hatten, sowie zwei weitere, die hinzugekommen waren um den Fluss zu ueberqueren, halfen uns nicht nur unsere Sachen zur anderen Seite zu schaffen, sondern auch uns heil hinueberzubekommen. Augustas war bereits auf der anderen Seite angelangt und kam zurueck, um mich und den Rest unserer Sachen zu holen. Dann stiegen wir durch oberschenkeltiefes Wasser. Die Stroemung war sehr stark und ich war froh, zuvor noch fix in meine Sandalen geschluepft zu sein. Diese boten mir naemlich jetzt guten Halt. Zudem hielten wir uns zu dritt an den Haenden, um staerker gegen die Stroemung zu wirken.
Auf der anderen Seite angekommen, machten uns zu fuenft auf den Weg nach Jalacte. Sehr schnell fielen wir hinter den anderen drei Maennern zurueck. Das war kein Wunder, denn es ging staendig bergauf und bergab, ungefaehr 5 Kilometer lang. Da es mit der Rucksacktrage bergauf sehr schwierig fuer mich war, half Augustas zusaetzlich mit. Als wir an ein paar Maisfeldern vorbeiliefen, bat ich Augustas zwei Maiskolben zu pfluecken. Ich war hungrig und wir hatten einzig ein paar Cornflakes uebrig. Leider waren die noch nicht reif, so dass wir sie zurueck ins Feld warfen.
Keine fuenf Schritte weiter hoerten wir einen Jungen rufen. Er kam wie der Blitz angerannt, in einer Hand eine Machete. Ich hatte Bedenken, dass wir jetzt gescholten werden, da wir Maiskolben gepflueckt hatten. Der Junge aber wollte uns anbieten, unsere Rucksaecke auf Pferde aufzuladen, da wir nur mit einem Pferd ueber den Fluss kommen wuerden. Er schrie unhoeflich auf uns ein, das Angebot wahrzunehmen und einen entsprechenden Preis dafuer zu bieten. Dem Jungen folgten weitere Kinder und Jugendliche, sowie eine Dame mittleren Alters. Auch sie redete auf uns ein, dass wir ohne Pferd nicht bis nach Guatemala kommen wuerden. Wir lehnten dennoch dankend ab und machten alsbald eine Pause. Unsere Knie waren vom Laufen so schwach, dass wir uns dringend staerken mussten. Das taten wir mit den restlichen Cornflakes.
Die Familie schlug waehrenddessen einen Weg ein, der nach links fuehrte. Erst waehrend unserer Pause fiel uns auf, dass die Strasse sich dort gabelte. Ein kleiner Junge der Gruppe mit den Pferden gab Auskunft, dass der Weg nach Jalacte nach links fuehre. Beim Vergleich der Qualitaet der Wege konnten wir uns das schlecht vorstellen. Der Weg nach links war teils mit Grass ueberwachsen. Wie, fragten wir uns, kann eine Strasse, die regelmaessig von vielen Menschen und Busen fuer den Grenztranfer benutzt wird, mit Grass ueberwachsen sein? Da wir eh noch nicht wieder fit waren, warteten wir auf ein weitere Passanten. Ein Autofahrer erklaerte uns, dass die Strasse nach Jalacte nicht nach links, sondern geradeaus verlief. Wir waren unseren schwachen Beinen dankbar, an dieser Kreuzung um Pause zu bitten. Ansonsten waeren wir sonstwo gelandet.
Wir schleppten uns weiter, bis wir Jalacte nach einem zweistuendigem Fussmarsch endlich erreichten. Jetzt, dachten wir, haben wir es fast geschafft. An dem Weg angekommen, der hinunter zum Fluss fuehrte, und den wir ueberqueren mussten, um nach Guatemala zu kommen, stutzten wir. Der Weg war voller Schlamm. Es handelte sich um einen steilen Trampelpfad, der tiefe Kuhlen gefuellt mit Wasser aufzeigte. Wir fragten die Reiter nach dem Preis, um durch den Schlamm zu kommen. Zehn Dollar (9 Euro) zum Ueberqueren des Trampelpfades, des Flusses und dem Transport bis Santa Cruz war uns entschieden zu viel. Wir diskutierten ein wenig, doch da ein Handeln nicht moeglich war, lehnten wir ab. Die Reiter lachten ueber uns, doch solch einer Unverschaemtheit wollten wir uns nicht hingeben, hatten wir doch zuvor erfahren, dass der Preis 10 Quetzal (1 Euro) betrug. Mit dem Boot waren es gar nur 5 Quetzal (0,50 Eurocent). Wir schleppten uns also durch den rutschigen, nassen Schlamm, mit der Gefahr irgendwann so festzustecken, dass wir uns nur noch der Laenge nach in den Schlamm legen konnten. Augustas schuftete wie ein Verrueckter, um unser gesamtes Hab und Gut bis zum Fluss zu transportieren, denn mit meiner Rucksacktrage gab es kein Durchkommen. Waehrend wir uns nach unten bewegten, ritten die Reiter an uns vorbei, die zuvor ueber uns gelacht haben. Auch jetzt rissen sie Witze, dass wir statt ihr Angebot anzunehmen, zu Fuss nach unten spazieren.
Das sie an uns vorbeiritten hatte nur einen Grund. Sie wollten die Maenner am Fluss ueber unsere Reaktion zum geforderten Preis informieren. Als wir unten ankamen, belaechelten uns auch die Menschen am Fluss. Wir fragten nach dem Preis und wie sollte es anders sein, fuer uns waren es 5 Belizische (BZ) Dollar (2,20 Euro), statt wie fuer alle anderen 5 Quetzal (0,70 Eurocents). Aus Prinzip wollte ich fuer den Preis nicht uebersetzen. Wir standen eine Weile herum und befragten neue Leute, die vom anderen Ufer uebergesetzt waren. Leider wurden die informiert und erklaerten, sie muessten 5 BZ Dollar bezahlen. Jeder Versuch dem Chef der Bootsleute klar zu machen, dass der Preis nicht gerechtfertigt war, scheiterte an der Ueberheblichkeit unseres Gegenuebers.
Das Boot war eher ein Floss, dass aus vier Holzstaemmen zusammengesetzt und gerade mal 1,20 m lang und 1 m breit war. Als Sitz dienten zwei festgeschnuerte Pepsi-Kaesten. Das Floss war an einer Schnur befestigt, die von einem Ufer zum anderen gespannt war. Fuer den Hin- und Hertransport musste das Seil mittels Mannkraft gezogen werden. Nur eine Person hatte auf dem Floss Platz. Der Fluss, im Sommer zu Fuss durchgehbar, betrug wegen der heftigen Regenfaelle eine Weite von ungefaehr 20 Metern. Die Stroemung war zu stark um hinueberzuschwimmen. Die Pferde, die auch als Transportmittel zum Uebersetzen des Flusses dienten, sanken bis zum Beginn des Halses ins Wasser. Sie hatten sehr mit der Stroemung zu kaempfen.
Trotz der Abhaengigkeit von den Flossleuten, blieb ich stur. Augustas zog mit, so dass ich vorschlug, uns an einem nahe gelegenem Baum auszuruhen. Waehrend Augustas die Pause genoss, sreifte ich entlang des Flusses durchs Dickicht. Ich dachte, dass vielleicht weiter oben eine Stelle zu finden sei, an der wir zu Fuss durchwaden koennten. Ich rutschte hin- und her und ging letztlich soweit ins Dickicht herein, bis der Pfad kaum noch existierte. Ich gab auf, denn die Stroemung und Weite des Flusses wuerde es auf keinen Fall zulassen, dass wir zu Fuss uebersetzten, geschweige denn durchschwimmen.
Wir waren also definitiv auf die Bootsleute angewiesen. Das wir den Preis von 5 Quetzal (0,70 Eurocents) nicht bekommen wuerden, war uns klar. Wir versuchten zu verhandeln. Mit viel Muehe und ausreichend Geduld gelang es uns, den Preis auf 3 BZ Dollar (1,25 Euro) herunterzuhandeln. Wir setzten also endlich ueber. Vielleicht haetten wir auch bis zum naechsten Tag gewartet. Da wir aber weder Wasser noch etwas zu essen hatten, mussten wir uebersetzen. Da wir keine Belizischen Dollar mehr und noch keine Quetzal besassen, konnten wir nur mit US Dollar bezahlen. Als Wechselgeld erhofften wir uns Quetzal, bekamen aber nur Belizische Dollar zurueck. Dafuer schien der Chef, der sich persoenlich ans andere Ufer schiffen liess, um uns das Wechselgeld zu geben, falsch gerechnet zu haben. Er gab uns statt 4 BZ$, 4,75 BZ$ zurueck. Die Bootsfahrt kostete uns also am Ende knappe 5 BZ$ (2,20 Euro) fuer uns beide und unsere Rucksaecke.
Endlich Guatemala! Wir waren gluecklich, doch mussten wir uns schnell gen Santa Cruz bewegen, um an Quetzal und somit etwas zum Essen zu kommen. Wir stiegen das vor uns liegende Maisfeld hinauf. Ich blieb in der Mitte stehen, da wir eigentlich nicht genau wussten wo wir entlang gehen mussten. Augustas kletterte derweil empor und kam zurueckgehetzt. Er erklaerte, dass er sich nicht sicher sei, wo und wie es jetzt weitergehen sollte. Als wir oben ankamen, durchstiegen wir den Stacheldrahtzaun und standen auf einer holprigen, mit Felsbrocken gepflasterten Strasse. Wir gingen ein Stueck, bis wir das wahre Unheil sahen. Ein steiler Weg bergab, voller ungeordneter Felsbrocken, dazu Schlamm und Wasser. Ein anderer Weg war ein Trampelpfad, klitschig und mit tiefen Einhoelungen von den Pferdehufen. Wir waren ratlos.
Leider setzten die Reiter, die zuvor einen Preis von 10 BZ$ pro Person forderten, ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ueber den Fluss und standen auch schon hinter uns. Das fuehlte sich vielleicht schrecklich an. Wir wollten ihre Dienste fuer diesen horrenden Preis nicht in Anspruch nehmen, den sie nur forderten, weil wir sogenannte Gringos (Auslaender) sind. Und jetzt hatten wir keine andere Wahl. Allein wuerden wir durch diesen Weg mit unserem Gepaeck nicht durchkommen. Die Reiter machten sich ueber uns lustig. Ich ignorierte sie, doch hoerte ich ihrer Diskussion zu. Allen war klar, dass wir wirklich gekaempft hatten, und dass wir jetzt ohne ihre Hilfe nicht weiterkaemen. Sie boten einen Preis, der wiederum nicht in Ordnung war. Ich bot dagegen unsere letzten 4,75 BZ$ an. Mehr hatten wir nicht, mehr waere ich auch nicht bereit zu zahlen. Zwei der Reiter die am lautesten ueber uns gelacht hatten, erklaerten sich nun bereit, unsere Rucksaecke fuer den gebotenen Preis zu transportieren. Statt die Rucksaecke an den Pferden festzuschnallen, setzten sie diese auf ihre Ruecken. Dabei wurde ihnen wohl zum ersten Mal bewusst, welche Arbeit vor allem Augustas geleistet hatte. Sie lachten nicht mehr und stapften los. Wir fragten wo es entlang ging, worauf sie uns einen Streich spielten. Sie lenkten uns geschickt durch den schlimmsten Trampelpfad der nach Santa Cruz fuehrte. Es war auch der kuerzeste Weg, aber nur dann der schnellste und unkomplizierteste, wenn man zu Pferd unterwegs war.
Wir stapften los. Augutas nahm den kleinen Rucksack auf den Ruecken, hielt die Rucksacktrage in einer Hand und haengte seine Regenjacke um seinen Hals. Ich hatte nicht weiter als meine Regenjacke, was sich spaeter als zuviel herausstellte. Wir gingen los. Da ich aber mit meinen kleinen Fuesse bei Steinen schnell und schmerzhaft stecken bleibe, entschied ich mich die Schuhe anzuziehen. Das ging die erste Zeit gut, bis sich so viel Schlamm ansammelte, dass die Schuhe drei Kilo mehr wogen. Noch dazu saugten sie sich tief im Schlamm fest, was ein Weiterkommen enorm erschwerte. Ich fiel einige Male fast samt meines gesamten Koerpers in den mindestens kniehohen Schlamm. Manchmal hatte ich zu kaempfen, dass ich meinen Fuss ueberhaupt wieder aus der zaehen Masse befreien konnte. Augustas war schneller unterwegs und liess mich spaeter weit zurueck. Ich entschied die Sandalen auszuziehen. Dann ging es barfuss weiter. Manche Fusstritte endeten mit einem riesigen Platsch. Dabei wurden ich fleissig mit Schlamm bespritzt. Die Schuhe in meinen Haenden wurden mit ihren drei Kilo Schlamm auch nicht leichter. Da ich mich so manches Mal mit den Haenden im Schlamm abstuetzen musste, damit ich nicht komplett hineinfalle, waren die Sandalen mehr als hinderlich. Ich suchte mir also kleine Dreckpfuetzen, in denen ich die Schuhe zumindest grob von den Schlammmassen befreien konnte. Dann ging es weiter. Ich war die einzige Person auf dem Schlammfeld und versuchte mich muehevoll bergauf zu kaempfen. Oben sassen und standen die Reiter und genossen das Schauspiel. Waehrend meines Kampfes durch die Erdmassen schaute ich auch ab und an auf die weit entfernt liegenden Felder. Dort liefen entlang eines schmalen Pfades eine ganze Menge Leute Richtung guatemalisch-belizischer Grenze. Es gab also einen anderen, weit bequemeren Weg als den, den uns die Reiter geschickt hatten. Das ganze Schauspiel diente also der Belustigung.
Oben angekommen fing Augustas an zu lachen. Auch ich stimmte mit ein, da man bei unserem Anblick nichts anderes machen konnte. Unsere Hosen waren voller Schlamm und auch die Haende sahen nicht besser aus. Die gerade mit dem Bus aus Santa Cruz angekommenen Menschen blieb der Atem stehen. Sie konnten nicht fassen, dass wir so verschlammt waren. Als die Reiter erklaerten, wie es dazu kam, waren sie erstaunt. Es schien mir, als haette noch kein anderer zuvor den Weg durch den Trampelpfad genommen. Gluecklicherweise lebte an der Stelle an der wir hochkamen eine Familie. Wir baten uns waschen zu duerfen und wurden freundlich hereingebeten. Zuerst kamen Fuesse und Waden dran, dann die Knie und der Rest meines Unterkoerpers samt meiner Hose. Die zog ich gar nicht erst aus, sondern kippte das Wasser einfach darueber. Als ich meinen Koerper soweit sauber hatte, kamen meine schlammgeschundenen Sandalen dran. Augustas machte sich nach mir ans Werk, hatte aber nicht soviel wie ich zu reinigen, da er nur bis unter die Knie verschmutzt war. Er hat den Vorteil gehabt, bei seiner Groesse nicht so tief in den Schlamm einzusinken.
Sauber und mit gefuellten Wasserflaschen machten wir uns zu Fuss auf ins Zentrum von Santa Cruz. Auf dem Weg dahin wurde uns eine Fahrt im Mini-Bus angeboten, die wir dankend ablehnten, da das Zentrum nicht weit war. Auf dem Weg zum Zentrum kamen uns einige Betrunkene, und einige unter Drogen stehende Maenner entgegen. Die anderen Menschen die wir trafen schienen uns nicht freundlich gesinnt, obwohl wir sie entsprechend hoeflich gruessten.
Im Zentrum angekommen suchten wir den erstbesten Obst- und Gemuesestand. Da die Dame keine US Dollar akzeptieren konnte, sandte sie uns zu einem Herrn, den sie 'den Amerikaner' nannte. Letztlich war der Herr Guatemaler, der allerdings US Dollar zu einem guten Preis in Quetzal umtauschte. Wir buessten nichts gegenueber dem offiziellen Kaufpreis ein. Dann attackierten wir den erstbesten Laden. Wir hatten nicht viel Zeit ueber unsere Einkaufswuensche zu diskutieren, was zu folgendem Dialog fuehrte:
A: 'Tomaten?'
K: 'Ja, vier.'
A: 'Besser sechs.'
K: 'Ok. Kartoffeln?'
K: 'Drei. Nein vier.'
A: 'Besser drei.'
K: 'Ok. Paprika?'
A: 'Ja. Eine. Moehre?'
K: 'Eine. Und Choco-Crisp.'
A: 'Wo. Ok. Nehmen wir. Toilettenpapier.'
...
Wir deckten uns reichlich mit Essen ein und machten uns auf Richtung Dorfende.
Der Weg bis zum Ende des Dorfes war lang und wie bereits auf dem Weg nach Jalacte, steinig und stetig bergauf und bergab. Wir gruessten die Menschen freundlich, doch die meisten schienen eher verwundert darueber. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass wir zu Fuss durch dass Dorf marschierten, statt einen Busservice in Anspruch zu nehmen. Die Atmosphaere in Santa Cruz aus menschlicher Sicht war kalt. Wir fuehlten uns absolut nicht wohl und wollten diesen Ort so schnell wie moeglich hinter uns lassen. Als haetten wir noch nicht genug mit Wasser zu tun gehabt, standen wir wieder einmal vor einer ueberschwemmten Strasse. Auch hier war der Strom stark, doch dass Wasser war nicht mehr als knietief. Vom Moment des Betretens der anderen Seite fuehlten wir uns etwas entspannter. Das Dorf war aber laengst nicht zu Ende. Wir gingen weiter, bis uns irgendwann die Zeit wegrannte. Wir brauchten einen Ort zum uebernachten. So fing ich an die Bewohner um Hilfe zu fragen, was aber letztlich nichts brachte. Wir wurden bergauf geschickt, da das Land weiter unten zu nass fuer das Aufstellen eines Zeltes war. Dann kamen wir an einem Tor vorbei, dass zu privatem Farmland fuehrte. Ich stieg ueber das eiserne Tor und begutachtete das Fleckchen. Es schien wie geschaffen fuer uns, so dass wir uns im Eilzugtempo auf die andere Seite bewegten. Kaum waren wir ein wenig im Gras gestapft, hoerten wir Stimmen und Autos auf der Strasse. Ich warf mich ins Gras und rief Augustas zu, 'Leg dich hin! Leg dich hin!' Wir schafften es rechtzeitig, so dass keiner von uns Notiz nahm. Ein passender Platz fuers Zelt war bald gefunden und wir richteten unser Haeuschen her. Kaum fertig schluepften wir hinein und legten uns erschoepft und dem Schlaf nahe fuer eine unbestimmte Zeit nieder. Augustas machte sich nach unserer Verschnaufpause noch einmal auf zum Tor, da er es nur mit einem der zwei vorhandenen Riegel geschlossen hatte. Ohne auf die Strassengeraeusche Acht zu geben, entdeckte er nahe dem Tor eine Person. Diese war dabei bergauf zu gehen. Augustas hockte sich blitzschnell hin und ohne das Tor mit dem zweiten Riegel zu sichern, schlich er sich zurueck. Er befuerchtete, dass er gesehen wurde. Wir warteten eine Weile still im Zelt, da aber nichts passierte, hofften wir das alles gut gehen wird. Nach einem reichlichen Abendmahl und einiger Ausruhzeit massierten wir uns gegenseitig, damit wir den naechsten Morgen ueberhaupt noch weiterlaufen konnten.

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